10.10.1997 | Kreuzweg an Ochtruper Pfarrkirche Modell für Sanierung von Kalksandstein

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt mit knapp 200.000 Mark - Volltränkungsverfahren wird verbessert - Wissenschaftliche Begleitung

Ochtrup. Der Kreuzweg an der Pfarrkirche St. Dionysos im Ortsteil Welbergen im westfälischen Ochtrup, ein überregional bedeutendes Kulturgut aus Baumberger Kalk-sandstein, wird in absehbarer Zukunft frisch restauriert wieder in altem Glanz erscheinen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, bewilligte jetzt mit einem Fördervolumen von knapp 200.000 Mark ein Modellprojekt, in dessen Verlauf die Umweltbelastungen an dem Kreuzweg analysiert, beseitigt und das Kulturgut dann nach einer zwischengeschalteten Testphase mit einer Volltränkung aus Acrylharz für die Nachwelt erhalten werden soll. Josef Feldmann, Justitiar der Stiftung: "Wir versprechen uns eine Verbesserung des Verfahrens gerade für den sehr komplizierten, für Umweltbelastungen anfälligen Baumberger Kalksandstein. Es soll auch den national wertvollen Kulturgütern aus diesem Material eine Überlebenschance geben."

Baumberger Kalksandstein sei gerade in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen häufig verwendeter Baustoff für national wertvolle Kulturgüter, erläuterte Feldmann heute bei der Übergabe des Bewilligungsschreibens der Stiftung. Als Beispiel nannte er das Jagdschloß Clemenswerth im Emsland. Kalksandstein gelte aber auch als Problemgestein, weil er gegenüber Umweltbelastungen höchst anfällig sei. Vor allem seine Aufnahmefähigkeit von Schwefeldioxid werde als besonders hoch bewertet.

In der Vergangenheit hätten daher verschiedene Verfahren der Steinkonservierung gerade beim Kalksandstein nicht zu dem von Denkmalpflegern gewünschten Erfolg geführt, weshalb Experten auf diesem Sektor an einer Verbesserung bisher angewandter Methoden sehr interessiert seien. Wichtige Erkenntnisse habe ein mit Hilfe der Umweltstiftung gefördertes Projekt der Bamberger Firma Ibach geliefert, die ein Volltränkungsverfahren mit Acrylharz entwickelt und damit nicht mehr ausschließlich die Oberflächenbehandlung des Steins im Auge gehabt habe. Unter Vakuum und Druck werde der Stein völlig durchdrungen, der weitere Verwitterungsprozeß im wesentlichen gestoppt. Zwar bedeute dieses Verfahren einen erheblichen Eingriff in die Substanz des Denkmals, doch sei die Acrylharztränkung die bisher einzige Methode, schwergeschädigte Plastiken und Skulpturen überhaupt noch der Nachwelt zu erhalten.

Unter wissenschaftlicher Anleitung des Zollern-Instituts (Bochum) sollten in einer ersten Phase Untersuchungen am Stein durchgeführt werden, die nähere Aufschlüsse zur Anwendung des Tränkungsverfahrens liefern sollten. Danach schließe sich eine Testphase zur Tränkung von Gesteinsproben an. Feldmann: "Erst wenn die Arbeitsgruppe aus mittelständischen Restauratoren, Denkmalpflegern und Wissenschaftlern, die das Modellvorhaben begleitet, eine Verbesserung bisheriger Ergebnisse erreicht hat, wird in einer letzten Phase die Umsetzung erfolgen." Vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege ausgewählt worden sei der Kreuzweg an St. Dionysos, weil eine Begehung gezeigt habe, daß die einzelnen, jeweils unterschiedlichen Belastungen ausgesetzten Stationen differenzierte Ansprüche an die Steinkonservierung stellten. Von niedersächsischer Seite sei das Renaissancerelief an der Schelenburg bei Osnabrück eingebracht worden.

Neben dem Zollern-Institut und der Firma Ibach seien auch das Paläontologische Institut der Universität Erlangen und für die restauratorischen Leistungen die Firma Bauer-Bornemann (Bamberg) ausgewählt worden. Ein Fachbeirat, an dem neben Vertretern der Landesdenkmalämter Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch die Fachhochschulen für Restaurierung und Konservierung Köln und Hildesheim beteiligt seien, gewährleiste, daß die gewonnenen Erkenntnisse aus diesem Projekt auch in die Ausbildung zukünftiger Restauratoren einflössen. Feldmann: "Die für das Projekt ausgewählten Partner garantieren eine hohe wissenschaftliche Leistung, aber auch eine seriöse Vermittlung in die Praxis."