23.09.1997 | Studie belegt: Energie aus nachwachsenden Rohstoffen kann Treibhauseffekt verringern

Vor allem Holz mit hoher Umweltrelevanz im Vergleich zu Erdöl, Erdgas und Kohle - Umweltstiftung förderte Untersuchung

Osnabrück. "Energie aus nachwachsenden Rohstoffen, vor allem aus Holz, kann einen erheblichen Beitrag zur Verringerung des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes leisten. Gleichzeitig können die erschöpflichen Energiequellen Erdöl, Erdgas und Kohle geschont und für zukünftige Generationen erhalten werden. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, Holz zu diesem Zweck verstärkt zu nutzen. Denn dadurch kann ein Beitrag zu einer umwelt- und klimaverträglicheren Energieversorgung in Deutschland erbracht werden." - Dieses Fazit zog heute Fritz Brickwedde Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die Umweltstiftung mit rund 1,5 Millionen Mark geförderten Studie, die erstmals umfassend die Umweltbelastungen der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen mit der aus endlichen, fossilen Quellen vergleicht.

Brickwedde betonte, Leitbild der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sei die Nachhaltigkeit im Sinne der 1992 in Rio unterzeichneten Agenda 21. Dazu gehöre generell auch der Ersatz erschöpflicher durch erneuerbare Energien aus nachwachsenden Rohstoffen mit dem Ziel, Energie umweltfreundlich und klimaverträglich zu gewinnen. Die Möglichkeiten und Grenzen dieses Energieangebotes würden allerdings kontrovers eingeschätzt. Für eine realistische, faire und objektive Bewertung der Umweltwirkungen bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe müsse daher im Sinne einer ganzheitlichen Bilanzierung der gesamte Lebensweg "von der Wiege bis zur Bahre" berücksichtigt werden. Mit dem nun abgeschlossenen Projekt werde die Frage beantwortet, inwieweit gegenwärtig genutzte endliche durch nachwachsende Energieträger ersetzt werden könnten und welche Umwelt- und Klimaauswirkungen das habe.

Einzelheiten beleuchteten Dr. Guido Rheinhardt Fachbereichsleiter Ökobilanzen, Verkehr, Umwelt, Nachwachsende Rohstoffe des Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU), Heidelberg, und der Leiter der Abteilung Neue Energietechnologie und Technikanalyse am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, Dr. Martin Kaltschmitt. Bei der Energiegewinnung aus Biomasse wie Getreidepflanzen, Gräsern, Holz, Raps, Rüben, Stroh und Gras werde weniger erschöpfliche Energie eingesetzt als zur Deckung des gleichen Bedarfs durch herkömmliche Energieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle. Nachwachsende Rohstoffe könnten damit fossile Energieträger einsparen und zu ihrer Schonung beitragen.

Mit Blick auf den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt habe die Studie ergeben, daß nachwachsende Rohstoffe als Ersatzenergieträger zu einer Verminderung der Freisetzung klimarelevanter Spurengase und damit zu einer Verminderung des Treibhauseffekts führten. Dies liege im wesentlichen darin begründet, daß bei der Verbrennung von Biomasse freigesetztes Kohlenstoffdioxid beim Pflanzenwachstum der Atmosphäre vorher entzogen worden sei, damit - anders als bei fossilen Energieträgern - die Bilanz neutral bleibe.

Die Untersuchungen hätten auch ergeben, daß feste Energieträger (Holz, Gräser, Getreide) flüssigen (Pflanzenöle aus Raps, Alkohole aus Getreide und Zuckerrüben) überlegen seien. In der Summe aller Möglichkeiten, sie im Energiesystem Deutschlands einzusetzen, sei unter Abwägung sämtlicher Aspekte Holz in erster Linie zu bevorzugen. Es zeige günstige verbrennungstechnische Eigenschaften und könne in vorhandenen Verbrennungsanlagen weitgehend ohne zusätzlichen Ausstoß von Schadstoffen verwertet werden. Außerdem seien auch der Anbau und die Bereitstellung im Vergleich etwa zu Halmgütern technisch weit entwickelt. Allerdings werde Bedarf gesehen, so die Verfasser der Studie, die Verbrennungstechnik für Holz und Stroh weiterzuentwickeln mit dem Ziel, den Ausstoß von Schadstoffen noch zu verringern und die Kosten für Anlagen zu senken.

Hinweis an die Redaktionen: Einen detaillierteren Fachaufsatz der Verfasser der Studie können Sie bei Bedarf bei der Pressestelle der Deutschen Bundesstiftung Umwelt anfordern.

Kontakt: Franz-Georg Elpers, Pressesprecher der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Tel. 0541/9633-520, Fax -198