18.09.1997 | "Beitrag zur Ablösung herkömmlicher Kältemittel geleistet, die Ozonschicht und Klima schädigen"

Deutscher Umweltpreis 1997: Integral Energietechnik, Flensburg

Hamburg. "Bei Integral handelt es sich um ein kleines technologieorientiertes Unternehmen, das auf Umweltentlastung durch Innovation setzt. Ihm ist es durch herausragende technologische und unternehmerische Leistungen gelungen, wichtige Beiträge zur Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Kältetechnologien auf der Basis von Wasser - dem Kältemittel der Natur - zu leisten. Integral hat maßgebliche Voraussetzungen zur Ablösung der herkömmlichen Kältemittel geschaffen, die Ozonschicht und Klima schädigen, und damit einen wesentlichen Beitrag zur Lösung eines der wichtigsten Umweltprobleme geleistet." - Mit diesen Worten würdigte heute in Hamburg Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1997 der Stiftung an das mittelständische Unternehmen Integral Energietechnik aus Flensburg in Schleswig-Holstein.

Vor Medienvertretern in Hamburg ging Brickwedde auf die besonderen Leistungen der 1995 gegründeten Firma ein, die sich mit heute zwölf Mitarbeitern der Entwicklung von Technologien und Verfahren im Bereich der Energieumwandlung und Umwelttechnik befaßt. Mit der Verleihung des Umweltpreises solle die Leistung zur Erarbeitung und Markteinführung von Verfahren zur Nutzung von Wasser als Kältemittel und Kälteträger gewürdigt werden, die Integral unter Leitung ihres Geschäftsführers Dr.-Ing. Joachim Paul und ihres Prokuristen Dipl.-Ing. Ernst Jahn erbracht habe.

Die von Integral erarbeitete Lösung zur Verwendung von Wasser in Kompressionskälteanlagen sei als funktionierendes Konzept einer völlig neuartigen Kältetechnik anzusehen und stelle eine geradezu ideale Lösung des Problems dar, Kälte ohne die in der konventionellen Kältetechnik üblichen umweltschädlichen Kältemittel Fluorchlorkohlenwasserstoff, teilhalogenierte Chlor-Kohlenwasserstoffe und fluorierte Kohlenwasserstoffe (FCKW, H-FCKW, FKW) zu erzeugen. Doch nicht nur ein Schutz der Ozonschicht und eine Verringerung des Treibhauseffektes seien hier zu nennen. Brickwedde: "Dieses Verfahren soll sich bei vergleichbaren Investitionskosten gegenüber konventionellen Kälteanlagen durch einen geringeren Energieverbrauch, eine höhere Betriebssicherheit und geringere Betriebskosten auszeichnen. Ein echter Beitrag zur Zukunftsvorsorge."

Nach bisheriger Lehrbuchmeinung, so Brickwedde, sei der Einsatz von Wasser als Kältemittel in Kompressionskälteanlagen nicht denkbar. Zur Kühlung eines Bergwerkes in einem südafrikanischen Land sei dieses Verfahren von Integral jedoch verwirklicht worden und habe seine Machbarkeit bewiesen. Durch technologische Weiterentwicklungen speziell von Verdichtern und anderen Komponenten, die sich maßgeblich von konventionellen Kälteanlagen unterschieden, setze Integral neue Maßstäbe. Denkbar sei eine Anwendung dieser Technologie in der Klimatisierung von Gebäuden und auch im industriellen Bereich überall dort, wo Maschinen und Produkte gekühlt werden müßten. Beispiele aus der Praxis seien Elektro-Schaltzen-tralen, deren Abwärme zu Kühlbedarf führe. Auch die Getränkeindustrie benötige Schnellkühlungen nach dem Pasteurisieren, und zentrale Kühlanlagen ermöglichten es, eine Fabrik mit Kälte zur Maschinenkühlung, Hallenklimatisierung, Produktkühlung usw. zu versorgen.

Integral habe damit weitere Voraussetzungen zur Ablösung der Kältemittel geschaffen, die Ozonschicht und Klima schädigen. Das relativ einfache Verfahren könne gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern eingesetzt werden, wo heute noch größtenteils veraltete Technik verwendet werde. Insofern seien die umweltentlastenden Innovationen der Firma Integral insbesondere bei zukünftig weltweitem Einsatz als sehr hoch einzuschätzen.

Ganz neue Wege seien auch bei der Entwicklung des sogenannten FLO-ICE-Verfahrens durch Integral gegangen worden, das auf dem Einsatz eines pumpfähigen Wasser-Eis-Gemisches beruhe. Dieses Verfahren ermögliche einen wirksamen Transport von Kälte über längere Wegstrecken. Natürliche Kältemittel wie Ammoniak und Kohlenwasserstoffe seien in vielen Fällen nur für eine zentrale Kälteerzeugung geeignet. Das FLO-ICE-Verfahren erschließe daher die Anwendungsbereiche, in denen Kälte von vielen dezentralen Verbrauchern benötigt wird - wie beispielsweise in den Kühlregalen von Supermärkten - und leiste damit einen Beitrag zur weiteren Ablösung umweltschädlicher Kältemittel.

Der Vorteil sei, daß große Kälteleistungen mit einem vergleichsweise geringen Kälteträgervolumen transportiert werden könnten, wodurch sich die Abmessungen der erforderlichen Rohrnetzsysteme, der Energiebedarf für Pumpen und auch der Verbrauch insbesondere von Kupfer verminderten, aber auch der Gesamtenergieverbrauch zur Kühlung. Dadurch könnten sowohl Energie als auch Energiekosten gespart werden. Analog zur "Fernwärme" könnten somit sogar Fern"kälte"systeme gebaut werden, die Großgebäude, Stadtteile, Innenstädte, Untergrundbahnen usw. mit Kälte versorgen könnten.

Brickwedde: "Integral ist ein Pionier und Wegbereiter in dieser Technologieentwicklung mit ihrer hohen Umweltrelevanz. Die Firma steht in vorbildlicher Weise für eine zukunfts- und umweltorientierte Unternehmenstätigkeit, die wagemutig und innovativ neue Wege beschreitet und vorbildlich ist für den Standort Deutschland."