18.09.1997 | Öko-Engagement prämiiert: Deutscher Umweltpreis an Firma Integral, Prof. Dr. Bernhard Ulrich und Dr. Michael Otto

Mit einer Million Mark höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas - Deutsche Bundesstiftung Umwelt verleiht Preis am 9. November in Bonn

Hamburg. Die Entscheidung über die Vergabe des Deutschen Umweltpreises 1997 ist gefallen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer in Frankfurt, die mit einer Million Mark höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas in diesem Jahr der Firma Integral Energietechnik (Flensburg), dem Unternehmer Dr. Michael Otto (54, Hamburg) und dem Wissenschaftler Professor Dr. Bernhard Ulrich (71, Waake bei Göttingen) zu verleihen. Damit würden Persönlichkeiten und ein Unternehmen ausgezeichnet, betonte heute Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde, denen es durch engagiertes Handeln gelungen sei, Meilensteine bei der Lösung wichtiger Umweltprobleme zu setzen. Der Preis wird am 9. November in Bonn durch Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel übergeben.

Brickwedde betonte in Hamburg, die Firma Integral habe einen maßgeblichen Beitrag geleistet, Verfahren zur Nutzung von Wasser als Kältemittel und Kälteträger zu entwickeln und in den Markt einzuführen. Damit habe sie Voraussetzungen zur Ablösung der herkömmlichen Kältemittel - wie Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW), aber auch teilhalogenierte Chlor-Kohlenwasserstoffe (H-FCKW) und fluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW) - geschaffen, die Ozonschicht und Klima schädigen. Die relativ einfachen Verfahren könnten gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern eingesetzt werden, wo heute noch größtenteils veraltete Technik verwendet werde. Insofern seien die umweltentlastenden Innovationen der Firma Integral insbesondere bei zukünftig weltweitem Einsatz als sehr hoch einzuschätzen.

Die von Integral umgesetzte Lösung zur Verwendung von Wasser - dem Kältemittel der Natur - sei als funktionierendes Konzept einer völlig neuartigen Kältetechnik anzusehen. Es stelle eine geradezu ideale Lösung des Problems dar, Kälte mit einem absolut umweltverträglichen und ungefährlichen Kältemittel zu erzeugen.

Ganz neue Wege sei Integral auch bei der Entwicklung des sogenannten FLO-ICE-Verfahrens gegangen, das auf dem Einsatz eines pumpfähigen Wasser-Eis-Gemisches beruhe.

Dieses Verfahren ermögliche einen wirksamen Transport von Kälte über längere Wegstrecken. Natürliche Kältemittel wie Ammoniak und Kohlenwasserstoffe seien in vielen Fällen nur für eine zentrale Kälteerzeugung geeignet. Das FLO-ICE-Verfahren erschließe daher die Anwendungsbereiche, in denen Kälte von vielen dezentralen Verbrauchern benötigt wird - wie beispielsweise in den Kühlregalen von Supermärkten - und leiste damit einen Beitrag zur weiteren Ablösung umweltschädlicher Kältemittel.

Dr. Michael Otto widme sich neben dem Engagement für den betrieblichen Umweltschutz als Initiator, Gründer und Kuratoriumsvorsitzender der Michael Otto Stiftung vor allem dem Schutz und Erhalt des Umweltmediums Wasser. Gemeinsam mit einigen Naturschutzverbänden und dem Bundesverkehrsministerium habe Otto Konzepte für den natürlichen Erhalt der Elbe entwickelt und durchgesetzt, indem er diesen Prozeß nicht nur initiiert, sondern auch als Vermittler begleitet habe. Die Stiftung fördere mit jährlich rund 1,5 Millionen Mark Umweltschutzmaßnahmen. An der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald habe die Stiftung beispielsweise einen Lehrstuhl für Umweltethik eingerichtet.

In seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Otto Versandes habe Otto mit seiner ökologischen Unternehmensführung Maßstäbe gesetzt, die ihn zu einem überzeugenden Vorbild für eine zukunftsorientierte Unternehmerschaft machten, so Brickwedde. Er habe in seinem Unternehmen den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids seit 1993 um 30 Prozent verringert und wolle bis zum Jahr 2005 noch weitere 15 Prozent einsparen. Er habe Tropenhölzer und Echtpelze aus dem Sortiment verbannt, seinen Kunden die Rücknahme und fachgerechte Entsorgung ausgedienter Elektrogeräte angeboten und den Anteil von Mehrwegverpackungen im Versandbereich drastisch erhöht.

Professor Dr. Bernhard Ulrich habe 1979 als einer der ersten die Gefährdung der Wälder wie auch der aus ihnen gespeisten Wasserhaushalte erkannt und trotz mancher Kritik öffentlich vor den Folgen gewarnt. Seine Forschungen hätten bewiesen, daß Umwelteinflüsse den natürlichen Stoffkreislauf der Wälder erheblich verändern können. Er habe darauf hingewiesen, daß eine ungebremste Belastung der Natur zu Schäden der betroffenen Ökosysteme führe. Dabei sei es ihm als "einem der führenden Köpfe der Waldschadensforschung" zu verdanken, daß das Bewußtsein um mögliche Schädigungen der Wälder nicht nur in Wissenschaftskreisen Eingang gefunden habe.

Seine Arbeit habe sich sehr konkret auf die Forst- und Umweltpolitik ausgewirkt. Ulrichs Forderung nach Verminderung der Schwefelsäureeinträge aus der Luft zum Schutz des Bodens seien letztlich Grundlage für eine beschleunigte Vorbereitung und Verabschiedung der Großfeuerungsanlagenverordnung 1983 geworden, seine Arbeiten zu Schwermetalleinträgen in Böden hätten wesentlich die Einführung bleifreien Benzins beschleunigt. Ulrich habe frühzeitig auf die Notwendigkeit der Kalkung saurer Waldböden hingewiesen. Brickwedde: "Zur Zeit werden alljährlich etwa drei Millionen Hektar Wald gekalkt. Die Grundlagen hierzu wurden von Professor Ulrich und seinen Mitarbeitern gelegt." Wenn heute in Deutschland ca. 80 Prozent weniger Schwefeldioxid-Emissionen festzustellen seien als in den siebziger Jahren und der Wald damit eine nachhaltige Entwicklung erfahren habe, sei das mit ein Verdienst von Professor Ulrich. Mit der Auszeichnung für Professor Dr. Bernhard Ulrich werde sein wissenschaftliches Lebenswerk gewürdigt. Sein Name werde auch in Zukunft mit dem Schutz des Waldes vor Umweltbelastungen verbunden bleiben.