17.09.1997 | "Höchste Zeit, daß dieses Gedankengut nicht nur bei Pionieren und Vorreitern wie Wilkhahn zum Tragen kommt"

Firma Wilkhahn, Wilkening & Hahne zieht ein Jahr nach der Verleihung des Deutschen Umweltpreises durch die Umweltstiftung Bilanz

Bad Münder / Osnabrück. "Der Deutsche Umweltpreis hat jeden einzelnen im Unternehmen mit Stolz erfüllt - auf Wilkhahn und auf den eigenen, mittlerweile fast selbstverständlichen, ökologischen Beitrag bei der tagtäglichen Arbeit. Insofern war die Verleihung Bestätigung, Würdigung und Verstärkung in einem - für das Gemeinschaftsgefühl, die persönliche Identifikation und die weitere ökologische Motivation." - Dieses Fazit zog Manfred Schmitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Firma Wilkhahn, Wilkening & Hahne (Bad Münder), knapp ein Jahr nach der Verleihung des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, an Wilkhahn. Gemeinsam mit dem polnischen Wissenschaftler, Politiker und Ökologen Professor Dr. Maciej Nowicki (Warschau) war das niedersächsische Unternehmen ‘96 mit dem mit einer Million Mark höchstdotierten Umweltpreis Europas ausgezeichnet worden.

Schmitz betonte, der Bekanntheitsgrad der ökologischen Ausrichtung des Unternehmens sei in der Folge der Preisverleihung "stark gestiegen". Knapp 30 internationale Besuchergruppen mit über 450 Teilnehmern hätten Wilkhahn speziell unter dem Aspekt der Verleihung des Deutschen Umweltpreises besichtigt. Intensiv hätten sich die Medien mit dem "Modellfall Wilkhahn" auseinandergesetzt. Zahlreiche spontane Gratulationen aus Wirtschaft und Politik seien für das Unternehmen sehr wichtig gewesen.

Verstärkt seien auch andere Unternehmen auf Wilkhahn zugekommen, die neu über Ökologie nachdächten, weil die Verbindung von ökologischen Verbesserungen und ökonomischen Vorteilen alte Vorurteile beseitigt habe. Im Moment entwickelten sich mehrere hochinteressante Netzwerke mit Unternehmen aus anderen Branchen, um das ökologische Bewußtsein gemeinsam mit Designfragen und innovativen Organisationsmodellen zum Nutzen aller noch stärker im Markt zu verankern.

Für die Motivation und Kreativität des gesamten Unternehmens sei die Auszeichnung von zentraler Bedeutung gewesen, vor allem aber auch mit Blick auf die Mitarbeiter, denn deren Engagement sei es schließlich, das über die Qualitäten eines Unternehmens entscheide. So seien beispielsweise im Rahmen des betrieblichen Verbesserungsvorschlagswesens "jede Menge Vorschläge zum Bereich Ökologie eingegangen, die im Moment ausgewertet werden", so Schmitz.

Für Wilkhahn sei der ökologische Wandel ein kontinuierlicher Verbesserungsprozeß auf allen Ebenen. Die durch die Preisverleihung verstärkte Motivation und ihre finanziellen Auswirkungen hätten dafür gesorgt, daß einige ökologische Projekte effizienter und schneller hätten verwirklicht werden können. Hier verwies Schmitz auf eine neuentwickelte, innovative Transportverpackung, die bereits in der Markttestphase sei, auf die Forschungsarbeiten für die Entwicklung von Bio-Verbundwerkstof-fen in Kooperation mit der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig oder auf die Einrichtung einer ökologisch wie ökonomisch wirkungsvolleren Hallenbeleuchtung.

Schmitz unterstrich die Bedeutung der Unternehmen für eine nachhaltige Gesellschaft, die bei der Entwicklung ihrer Visionen auch nachfolgende Generationen berücksichtige. Gerade weil dieser ganzheitliche Ansatz mit dem Anspruch, ein aktives und nützliches Mitglied der Gesellschaft auch über den Tag hinaus zu sein, schon vor 100 Jahren gestellt worden sei, sei es nun "höchste Zeit, daß dieses Gedankengut nicht nur bei Pionieren und Vorreitern wie Wilkhahn zum Tragen kommt". Schmitz: "Das würde nicht nur einen Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts heute leisten, sondern könnte durch Know-how-Transfer in aller Welt neues Denken und Handeln entstehen lassen. Hier stehen Politik und Wirtschaft gleichermaßen in der Pflicht!"

Natürlich müsse auch der Käufer ein so verstandenes ökologisches Handeln von Unternehmen honorieren und die Produkte kaufen, was in wirtschaftlich schwierigen Zeiten problematisch sei. Das ökologische Bewußtsein wachse im Markt tatsächlich auch, schlage sich aber wenig in den entsprechenden Kaufentscheidungen nieder, weil weniger der Nutzen oder die Haltung als vielmehr der absolute Preis stärker im Vordergrund stünden.

Eine echte Trendwende sei hier erst dann in Sicht, wenn durch ökologische Interessengemeinschaften im Markt auf breiter Front Allianzen geschaffen werden könnten, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstiger würden oder aber die Einbeziehung ökologischer Folgelasten in den Preis die Relationen gerade rücke. Schmitz: "Bei ersterem kommen wir, unterstützt durch den Deutschen Umweltpreis, im Rahmen unserer Möglichkeiten Stück für Stück weiter, nicht zuletzt, indem wir das Unternehmen für alle Interessierten offen halten und etwa durch die Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen ein Stück ‘Bildungsarbeit’ leisten. Für die beiden anderen Trendfaktoren brauchen wir deutliche Signale aus Politik und Wirtschaft!"