Insel Mainau/Osnabrück. Die Insel Mainau in Baden-Württemberg, wegen ihrer Blumenpracht alljährlich Touristenmagnet für 1,5 bis 1,7 Millionen Menschen, steht vor einer neuen ökologischen Blüte! Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, beschloß jetzt unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Professor Dr. Hans Tietmeyer, der Blumeninsel Mainau GmbH für den Aufbau einer ganzheitlich energie- und umweltschonenden Energieversorgung einschließlich umfangreicher Energieeinsparungsmaßnahmen 1,75 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. "Dadurch soll der Primärenergieverbrauch insgesamt um 35 % gesenkt, der Einsatz fossiler Brennstoffe sogar um 60 Prozent verringert werden," erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, heute auf der Blumeninsel. Die mögliche Übertragbarkeit des Konzeptes auf ähnliche touristische Standorte signalisiere den bundesweiten Modellcharakter dieses Projektes.
Möglich gemacht werden solle diese "enorme Energieeinsparung" durch Maßnahmen zur rationellen Energiewandlung und -verwendung mittels eines Blockheizkraftwerkes, kombiniert mit dem Einsatz lokal nutzbarer erneuerbarer Energien wie Holz und Biogas, erläuterte Brickwedde gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Blumeninsel Mainau GmbH, Volkmar Th. Leutenegger. Die heute an neun Standorten mit 19 zum Teil veralteten Heizkesseln betriebenen dezentralen Heizanlagen sollten durch eine Energiezentrale ersetzt werden. Diese Zentrale bestehe aus einem Blockheizkraftwerk, einer Holzhackschnitzelfeuerungsanlage sowie zwei Heizkesseln für Öl und Gas. Über ein Nahwärmeverteilsystem sollten die Hauptgebäudekomplexe mit Wärme versorgt werden.
Der Hackschnitzelbedarf für die Holzfeuerungsanlage könne durch im Mainauwald anfallendes Schwachholz abgedeckt werden. Dabei handele es sich vorwiegend um Durchforstungsholz aus Nadelbaumbeständen und Restholz von Laubbäumen. Die auf der Insel anfallenden Grün- und Speisereste aus der Gastronomie würden in einer Biogasanlage verwertet und im Blockheizkraftwerk verbrannt. Der jährliche Gesamtwärmeverbrauch von 7,5 Millionen Kilowattstunden könne damit über Blockheizkraftwerk (2,71 Millionen Kilowattstunden), Holzkessel (2,73 Millionen), Gas/Öl-Kessel (2,06 Millionen) und Biogas (358.000) abgedeckt werden. Zum jährlichen Stromverbrauch von 2,48 Millionen Kilowattstunden könne das Blockheizkraftwerk 1,24 Millionen, die energetische Biogasnutzung 235.000 Kilowattstunden beisteuern.
Vorgesehen seien auch verschiedene Maßnahmen zur Stromeinsparung. Neben der Nutzung von Abwärme bei Kühlanlagen werde in der Küche auf Gasgeräte umgestellt, in der Wäscherei auf dampfbeheizte Geräte. Eine energiesparende Inselbeleuchtung sei geplant, Wärmeschutzverglasungen sollten Heizenergie sparen.
Die Besucher der Blumeninsel sollten durch eine zielgruppengenaue Informationskampagne über die ressourcen- und energiesparende Energieversorgung der Insel aufmerksam gemacht werden. Als zentrales Element solle ein Infopavillon errichtet werden, der über Schautafeln mit Bild- und Textdarstellungen das Energiekonzept allgemein erläutere. An einem dreidimensionalen Modell der Insel und ihrer Gebäude könnten per Tastendruck Informationen und aktuelle Daten zum Energieversorgungssystem und seinen einzelnen Bestandteilen abgerufen werden. Aber auch Filmpräsentationen in Großprojektion, ein Energiekonzept-Gewinnspiel und ein Insel-Energierundgang sollten angeboten werden.
In Kombination mit Maßnahmen zur Energieeinsparung und rationellen Energieverwendung werde so nicht nur ein beträchtliches Ressourcenpotential aus lokal und regional vorhandenen Energiequellen am Standort der Insel Mainau nutzbar, so Brickwedde. Es entstehe vielmehr ein Modellprojekt, das durchaus beispielgebend sein könne für andere Standorte gerade auch im Bereich Tourismus.