19.08.1997 | Zeitgemäß, beständig und doch neu: ökologische Einblicke in das Schaffen des "Designers" Wilhelm Wagenfeld

Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt mit Wilhelm Wagenfeld Stiftung aus - WMF-Entwürfe erstmals vollständig fotografisch dokumentiert

Osnabrück/Bremen. Unter dem Titel "Zeitgemäß und zeitbeständig - Industrieformen von Wilhelm Wagenfeld" zeigt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, in ihrer Geschäftsstelle in Zusammenarbeit mit der Wilhelm Wagenfeld Stiftung (Bremen) vom 28. August bis zum 30. November Arbeiten des "ökologischen Designers" Wilhelm Wagenfeld (1900 - 1990). Neben den Klassikern der 30er Jahre werden vor allem Entwürfe Wagenfelds für die WMF (1949 - 1977) zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der u. a. ein überarbeitetes Werksverzeichnis der WMF-Entwürfe Wagenfelds enthält, die erstmals vollständig fotografisch wiedergegeben sind "und damit viele Fehler und Mißverständnisse, die sich in den letzten Jahren bei Museen und Sammlern eingeschlichen haben, beseitigt", so DBU Generalsekretär Fritz Brickwedde. Nach Grußworten von Brickwedde und Prof. Dr. Kurt Nemitz, Vorsitzender des Vorstandes der Wilhelm Wagenfeld Stiftung, wird Wagenfeld-Experte Dr. Walter Scheiffele (Berlin) bei der Ausstellungseröffnung am 28. August um 19.30 Uhr in die Thematik einführen.

Mit Ausstellung und Katalog greift die Deutsche Bundesstiftung Umwelt die Wurzeln "nachhaltigen Designs" auf, das sich durch Langlebigkeit, Gebrauchsnutzen und die verwendeten Materialien beim Produktionsprozeß auszeichnet, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Wagenfeld habe durch seine Arbeiten unter den Vorzeichen einer sozial verantwortlichen Gebrauchskultur den Weg in die richtige Richtung gewiesen. Diese Richtung führe den Konsumenten hinaus aus der "Weg-werfgesellschaft" und mache ihn vom "Verbraucher" zum "Gebraucher". Umweltverträgliches, nachhaltiges Design werde somit Teil der von Wagenfeld geforderten sozial verantwortlichen Gebrauchskultur wie sie heute mehr und mehr im Rahmen einer international geführten Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung gefordert wird, die weltweites wirtschaftliches Wohlergehen mit der Schonung der natürlichen Ressourcen und dem Schutz der Umwelt sowie der sozialen Sicherung in Einklang bringen will.

Professor Wilhelm Wagenfeld wurde 1900 in Bremen geboren. Nach Ausbildung und Studium in Bremen und Hanau wurde er nach einem Aufenthalt in Worpswede Schüler der Metallwerkstatt des Staatlichen Bauhauses in Weimar (1923 - 1925). Hier entwarf er u.a. die heute wieder produzierte "Bauhauslampe", die zu einem Inbegriff für modernes Design geworden ist. Weitere wichtige Stationen waren die Jenaer Glaswerke Schott & Gen. sowie die Vereinigten Lausitzer Glaswerke, Weißwasser/Oberlausitz. Nach seiner Weigerung, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) beizutreten, wurde Wagenfeld als "politischer Schädling" 1942 an die Ostfront geschickt. In der Nachkriegszeit gründete er die "Werkstatt Wagenfeld" in Stuttgart und fertigte hier vor allem Entwürfe für die WMF AG und weitere Firmen (Rosenthal AG, Braun AG). Wagenfeld starb, vielfach geehrt, 1990 in Stuttgart.

Die Wilhelm Wagenfeld Stiftung stellt aus ihrem Archiv u. a. auch Entwurfszeichnungen und Modelle zur Verfügung, so daß die Entwurfsmethode und Entwicklung eines Wagenfeldentwurfes anhand der Ausstellung nachvollziehbar und so der Zusammenhang zwischen ideengeschichtlichem Hintergrund des wagenfeldschen Werkes und seiner spezifischen Arbeitsmethode offengelegt und erfahrbar wird.

Der Katalog mit ca. 300 Abbildungen kostet während der Ausstellung 32 Mark und wird für 40 Mark versandt.

Ausstellungsort: Deutsche Bundesstiftung Umwelt, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück.

Ausstellungszeitraum: 28. August bis 30. November 1997, montags bis donnerstags 9 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (Dr. Carlo Burschel, 0541/9633-351).