14.07.1997 | Aktuellen Umweltproblemen Lösungen entgegensetzen: Biotechnologie neuer Förderschwerpunkt der Umweltstiftung

Neuem Focus zahleiche Anwendungsfelder und hohes Problemlösungspotential attestiert - Positiverfahrungen mit Themen "Holz" und "Bioabfall"

Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, setzt ihren Weg, nicht mehr ausschließlich auf Projektanträge zu reagieren, sondern selbst und aktiv aktuelle, außerordentlich umweltrelevante Themen zeitnah aufzugreifen und damit lösen zu helfen, konsequent fort. Wie Generalsekretär Fritz Brickwedde bei der Vorstellung des Jahresberichtes 1996 heute vor Journalisten in Osnabrück berichtete, hat die größte Umweltstiftung Europas nach den Themen "Holz" und "Bioabfallverwertung" nun auch die integrierte Biotechnologie zu einem Förderschwerpunkt ausgebaut. Brickwedde: "Während die technische Nutzung physikalischer und chemischer Kenntnisse bereits gegenwärtig fest im Rahmen von Umweltschutzmaßnahmen etabliert ist, steht die Erforschung und konsequente Anwendung biotechnologischer Kenntnisse im Sinne einer nachhaltigen zukunftsfähigen Entwicklung erst am Anfang."

Brickwedde betonte, der Biotechnologie würden starke Wachstumschancen bescheinigt. Direkt und indirekt seien bis zur Jahrtausendwende für die Biotechnologie in Deutschland rund 100.000 neue Arbeitsplätze zu erwarten. Neben diesen wirtschaftlichen Perspektiven müßten vor allem jedoch die zahlreichen Anwendungsfelder und das hohe Problemlösungspotential moderner Biotechnologie gesehen werden. Ziel der Stiftung sei es, durch den Einsatz biotechnologischer Verfahren im Sinne eines produkt- beziehungsweise produktionsintegrierten Umweltschutzes eine Senkung des Rohstoff- und Energieeinsatzes zu erreichen, Abfälle zu vermindern oder zu vermeiden und Abfälle im Sinne einer produktionsintegrierten Kreislaufschließung zu verwerten. Sie sehe Biotechnologie als Querschnittstechnologie, als Schlüsselmethodik zum Einsatz in verschiedensten Feldern, wo Ökonomie und Ökologie optimal Hand in Hand gehen.

Die Ausrichtung des Förderschwerpunkts erstrecke sich auf die besonders emissionsstarken und energieintensiven Industriebranchen der Lebensmittelwirtschaft, Textil- und Papier-Industrie. Im Rahmen der in der Lebensmittelindustrie betriebenen Produktionsprozesse ergebe sich aufgrund von Emissionen eine hohe Umweltbelastung. Charakteristisch für den Herstellungsprozeß textiler Stoffe seien ebenfalls ein hoher Energie- und Chemikalieneinsatz, weshalb auch hier die Entwicklung umweltentlastender ressourcenschonender Technologien und Produkte besonders wichtig sei. Im Rahmen von Verbundvorhaben gelte es, interdisziplinär (Natur-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaftler) und institutsübergreifend (zwischen mittelständischen Unternehmen und Hochschulen/Forschungseinrichtungen oder zwischen verschiedenen Unternehmen) bestehende Prozesse oder Produkte biotechnologisch zu verbessern oder zu ersetzen.

Wie erfolgreich für die Umweltstiftung die Einrichtung zeitlich befristeter Förderschwerpunkte sein kann, bewies Brickwedde anhand von Zahlen zu den Themen "Holz" und "Bioabfall". Im Förderschwerpunkt Holz, der darauf abzielt, die Verbreitung des Rohstoffes Holz in allen Einsatzbereichen zu fördern und gleichzeitig Wege einer sachgerechten Wiederverwertung für behandeltes Holz aufzuzeigen, seien bis Ende '96 25 Vorhaben bewilligt worden. Insgesamt seien der Umweltstiftung über 200 Projektideen vorgestellt worden, aus denen sich 62 Anträge entwickelt hätten. Auch im Förderschwerpunkt Bioabfallverwertung seien bis Ende '96 mehr als 200 Projektideen an die Stiftung herangetragen worden, aus denen bisher 50 Anträge entwickelt worden seien, von denen bisher 14 bewilligt worden seien. Hier geht es darum, biogene Abfallstoffe zu verwerten, Schadstoffe vor der Verarbeitung zu vermeiden beziehungsweise Störstoffe abzutrennen, die Behandlungsverfahren technisch zu verbessern sowie ökologisch und ökonomisch zu bewerten.