14.07.1997 | "Anstifter" in Sachen Umweltschutz: 149 Millionen Mark innovativ investiert

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) legt Jahresbericht vor - 400 Projekte mit einem Volumen von 149 Millionen Mark in '96 gefördert

Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die in den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -bildung zur Förderung zukunftsweisender, neuer, umweltschonender Wege "anstiften" will, ist in ihrem Bemühen im Jahr 1996 wieder einen wesentlichen Schritt nach vorn gekommen. Wie ihr Generalsekretär Fritz Brickwedde anläßlich der Vorlage des Jahresberichtes 1996 heute vor Journalisten in Osnabrück betonte, bewilligte die Stiftung im Vorjahr 149 Millionen Mark für 400 Projekte. Insgesamt hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit am 1. März 1991 bis zum heutigen Tage über 2.000 Projekte mit einer Summe von über einer Milliarde Mark gefördert. Brickwedde: "Besonders erfreulich ist, daß die kleinen und mittleren Unternehmen das Gros der Antragsteller bilden. Denn die Fortentwicklung der Umwelttechnik mit dem Ziel, den vorsorgenden, produktionsintegrierten Umweltschutz voranzutreiben, hängt entscheidend vom Mitwirken der mittelständischen Unternehmen ab. Deshalb muß die hier vorhandene Innvationskraft mit dem Ziel zukunftsorientierter Umweltentlastung gefördert werden."

Exakt 2.072 Anträge waren bei der nach der Privatisierung der bundeseigenen Salzgitter AG 1990 durch Gesetz des Deutschen Bundestages gegründe-ten Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Vorjahr eingegangen, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Von den 400 geförderten Projekten entfielen fast 27 Prozent auf die neuen Bundesländer. Insgesamt liegt der Förderanteil der ostdeutschen Bundesländer seit Aufnahme der Fördertätigkeit bis zum Ende des Vorjahres bei knapp 57 Prozent.

Schlüsselt man die bewilligten Projekte nach den Empfängern auf, wird deutlich, daß im Jahr 1996 erneut die kleinen und mittleren Unternehmen mit knapp 40 Prozent die größte Gruppe bilden. Über ein Viertel der Projekte stammt aus dem Bereich Forschungsinstitute/Universitäten - in der Regel im Verbund mit Unternehmen - und mehr als ein Fünftel aus dem Bereich gemeinnütziger und kirchlicher Vereine und Institutionen. Brickwedde: "Die Entwicklung zeigt, daß die Stiftung ihre Zielgruppen sehr gut erreicht und dort eine besondere Resonanz findet."

Zu den interessanten Einzelprojekten der Stiftung, die 1996 bewilligt wurden, gehört etwa im Bereich der Umwelttechnik die Entwicklung neuer Verschaltungs- und Laminiertechniken für Solarzellen und die Übertragung dieser Techniken auf eine automatisierte Fertigung. Vier junge Existenzgründer in Schleswig-Holstein (Solarnova Solartechnik, Wedel) erhielten dafür knapp 1,7 Millionen Mark. Ziel des Projektes ist es, Photovoltaik-Anlagen optisch und technisch gelungen in die Gebäudearchitektur zu integrieren und so die Sonnenenergie aktiv zu nutzen, ohne die Gebäudeästhetik zu stören. Mit knapp 1,5 Millionen Mark werden einige junge Existenzgründer aus München (TiNOX, Gesellschaft für Energieforschung und Entwicklung) unterstützt, die eine umweltverträgliche Vakuumbeschichtungstechnik für Sonnenkollektoren entwickeln, die obendrein den Wirkungsgrad der Kollektoren auch noch erhöht.

Im Bereich der Umweltforschung zahlt die Stiftung der Firma "Dritte-Haut-Laden" in Sehestedt in Schleswig-Holstein knapp 900.000 Mark. Sie will mit einem aus Krabbenpanzern gewonnenen Naturstoff umweltverträgliche Naturfarben und -lacke entwickeln, die ein Bewachsen und späteres Faulen von Schiffsrümpfen ökologisch verhindern sollen. Mit knapp 1,5 Millionen Mark fördert die Stiftung ein Projekt der Firma Julius Heywinkel in Osnabrück, mit dem durch den nachwachsenden Rohstoff Nesselfaser die derzeit verwendeten ökologisch nicht unbedenklichen Glasfasern im Bereich der Produktion von Pkw-Heckklappenverkleidungen ersetzt werden sollen.

In der Umweltbildung unterstützt die Stiftung den Aufbau eines Weiterbildungsstudienganges "Kommunaler Umweltschutz" an der Universität Lüneburg (Niedersachsen), der mit knapp 1,5 Millionen Mark gefördert wurde. Durch ihn sollen Berufstätige in einem dreisemestrigen berufsbegleitenden Studium über ökologische, technische, rechtliche und ökonomische Grundlagen informiert werden und sich auch mit psychologischen, soziologischen und politischen Fragen des kommunalen Umweltschutzes auseinandersetzen. Mit dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewußtes Management (B.A.U.M., Hamburg) wird für ebenfalls knapp 1,5 Millionen Mark ein bundesweiter Wettbewerb zur ökologischen Haushaltsführung durchgeführt. Sein Ziel: Er soll die Bundesbürger für den Umweltschutz sensibilisieren und ihnen helfen, mit "Umwelt-Checks" für den Haushalt ökologische Schwachstellen aufzudecken und ökonomische Sparpotentiale zu fördern.

Zum viertenmal vergab die junge Stiftung auch ihren mit einer Million Mark höchstdotierten Umweltpreis Europas. 1996 wurden der polnische Wissenschaftler, Politiker und Ökologe Professor Dr. Maciej Nowicki sowie die Firma Wilkhahn Wilkening & Hahne aus dem niedersächsischen Bad Münder mit dem Deutschen Umweltpreis bedacht. In einer Präsentationsveranstaltung mit dem Titel "Unternehmer für die Umwelt - innovative Umwelttechnik aus dem Mittelstand" zeigte die Stiftung zu ihrem fünfjährigen Bestehen durch die Projektpartner beispielhafte Umwelttechnik aus dem Mittelstand und regte zum fachlichen Gedankenaustausch an. Prominente Gäste: Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel.

Der Jahresbericht kann bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, 49090 Osnabrück, An der Bornau 2, Telefon 0541/9633-0, Fax 0541/9633-190, kostenlos bestellt werden.