Bonn. "Die Leistung der Umweltstiftung abstrakt an Zahlen festmachen zu wollen, wird ihr nicht gerecht. Über 2.000 Projekte, zu denen wir angestiftet haben, stehen für Innovationen im Umweltschutz. Nur über die Summe dieser Einzel-impulse wird begreifbar, was seit 1991 geschehen ist. Die Beispiele zeigen: Wir haben mit zur Umweltentlastung beigetragen." - Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, zog heute die-ses Fazit am Ende einer Veranstaltung in Bonn, die inhaltlich die Stiftungsarbeit der vergangenen sechs Jahre bilanzierte. Im Mittelpunkt standen dabei drei Stiftungspartner aus den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -bildung, die handfest demonstrierten, wie aus Konzepten Umweltrealität wird - seit Stiftungsgründung mehr als 2.000mal mit einem Fördervolumen von über einer Milliarde Mark.
Für den Stiftungsbereich Umwelttechnik ging Bernhard Hartmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Hartmann Möbelwerke in Beelen in Nordrhein-Westfalen, auf ein von der DBU gefördertes Verfahren zur industriellen Beschichtung von Möbeloberflächen mit umweltfreundlichen Hartwachsen ein. Ziel sei es gewesen, herkömmliche Möbellacke durch Hartwachse zu ersetzen, ohne dabei - weder als Produzent noch als Kunde - in qualitativer wie ästhetischer Hinsicht Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. Und dies über eine industrielle Verarbeitungstechnologie, die es bisher nicht gegeben habe.
Gelungen sei es schließlich durch die neuentwickelte Technik, den Gebrauch von herkömmlichen Lösungsmitteln im Unternehmen von jährlich 100.000 auf 5.000 Kilogramm zu reduzieren, also um 95 Prozent. Eine Notwendigkeit für die Mitarbeiter, mit Gefahrstoffen umzugehen, bestehe praktisch nicht mehr mit allen positiven Begleiterscheinungen, die das auf die Sicherheit am Arbeitsplatz und die Qualität der Arbeit nach sich ziehe.
Auch die Energiebilanz des mittelständischen Unternehmens aus dem Münsterland habe von der neuen Technik nachhaltig profitiert. Hartmann: "Zum Trocknen der herkömmlichen Lacke, zum Be- und Entlüften der Arbeitsplätze sind in der Vergangenheit enorme Energiemengen verwendet worden. Jetzt brauchen wir nur noch die Hälfte und sparen damit nicht nur Kosten, sondern entlasten auch die Umwelt, indem wir unseren Kohlendioxidausstoß halbiert haben." Ökologie und Ökonomie, so Hartmanns Fazit, ließen sich durch neue, innovative Verfahren des produktionsintegrierten Umweltschutzes gerade in mittelständischen Unternehmen hervorragend vereinbaren. Eine Erkenntnis, die sich auch bei Mitbewerbern am Markt festige, die sich in letzter Zeit zunehmend nach dem neuen Verfahren bei ihm erkundigten.
Dr. Gerd Arnold, Projektleiter der Bruker-Saxonia-Analytik im sächsischen Leipzig, erläuterte die von der Stiftung im Bereich Umweltforschung unterstützte Entwicklung eines kompakten, mobilen Meßgerätes für die Schnellanalytik von Schadstoffen, eines "Ionenmobilitäts-spektrometers" (IMS). Es ist mit einer neuartigen Technik zum Erzeugen von Ionen, also elektrisch geladenen Teilchen, aus nicht radioaktiver Quelle ausgestattet. Zu entwickeln gewesen sei eine sogenannte Koronaentladung, die entsteht, wenn unter Anlegen einer hohen Spannung an einen extrem feinen, kranzförmigen Draht Ionen entladen und an die Umgebung (Schadstoffmoleküle) abgegeben werden. Dabei habe die Latte sehr hoch gelegen. Denn die kommerziell bekannten IMS arbeiteten mit radioaktiven Quellen, die sehr klein, extrem leicht, mechanisch äußerst stabil seien und keinerlei zusätzliche Energie benötigten. Andererseits stoße die Verwendung radioaktiver Bauteile in der Praxis auf erhebliche, verständliche Widerstände und erfordere aufwendige Genehmigungsverfahren.
Die Hauptherausforderung habe also darin bestanden, die positiven Eigenschaften herkömmlicher IMS zu sichern, aber auf Radioaktivität verzichten zu können und die Palette der mit dem IMS nachweisbaren Schadstoffe zu erweitern. Arnold: "Die wesentlichen Entwicklungsziele für die neuartige Korona wie Kompaktheit, stabile Entladung und geringer Energieverbrauch wurden erreicht."
Erste Feuertaufen hätten Prototypen des neuen Gerätes bereits bestanden. Bei Tests unter realistischen Bedingungen habe sich gezeigt, daß wichtige Gefahrstoffe, die bei Havarien, Unfällen, Bränden oder Katastrophen Menschen gefährden können, empfindlich und schnell aufgespürt würden. Außerdem könne das Gerät bei Deponien, aber auch beim Betrieb von Chemieanlagen, zur Kontrolle gesetzlicher Auflagen, zur Überwachung der Einhaltung von Produktionsverboten und in der Altlastenerkundung mit Blick auf chemische Kampf- und sonstige Giftstoffe oder am Arbeitsplatz zur Überwachung der Richtlinien zur Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration eingesetzt werden. Der mobile, netzunabhängige Betrieb mache das Gerät gerade für den raschen Feldeinsatz besonders tauglich.
Hier lägen zukünftige Einsatzgebiete für das neue Analysegerät. Doch nicht nur Feuerwehren, zivile Schutzorganisationen, Ordnungsämter und Technisches Hilfswerk profitierten von dem neuen Spektrometer. Neueste Experimente zeigten, daß es sich wahrscheinlich auch für die Drogenerkennung gut einsetzen lasse. Arnold: "Enge Arbeitskontakte mit dem Landeskriminalamt Berlin bestehen bereits."
Dr. Ulrich Kypke, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Umwelt, Gesundheit, Ernährung (A.U.G.E.) in Hamburg, berichtete über eine Informationskampagne für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren, die vom Emil-Grünbär-Club (früher: Kinder-Umwelt-Club-International) in den neuen Bundesländern durchgeführt worden war. Ziel sei es gewesen, Kinder zu motivieren, durch eigenes Verhalten zum Schutz der Umwelt und der natürlichen Lebensgrundlagen beizutragen.
Beabsichtigt gewesen sei, über spielerische Zugänge wie ein Umweltpuppentheater mit dem von Janosch erfundenen Emil Grünbär, ein fahrendes Umwelt-Klassenzimmer, Umweltlernspiele oder einen auf Kinder zugeschnittenen Informationsstand die Zielsetzungen zu erreichen.
Wissenschaftlichen Begleituntersuchung hätten den didaktischen Ansatz des Vorhabens und seine gelungene Umsetzung belegt und bewiesen, daß die Veranstaltungen tatsächlich dazu beigetragen hätten, kindlichen Umweltverhalten und -bewußtsein zu verbessern. Neben diesen qualitativen Bestätigungen des ursprünglichen Ansatzes stimmten auch die quantitativen Dimensionen. In drei Jahren seien 137 Veranstaltungsorte in den neuen Bundesländern besucht worden. In jedem einzelnen Ort hätten in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen Kinder-Umwelt-Stadtfeste stattgefunden. Über 270.000 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren sowie 15.000 Lehrer und Erzieher seien dabei aktiv einbezogen worden. Kypke: "Die große Resonanz des Vorhabens hatte zur Folge, daß wir nach dem eigentlichen Abschluß des Projektes die größte Umwelttournee für Kinder in Deutschland aus eigenen Kräften fortgesetzt haben."