17.06.1997 | "Wollen Unternehmen Chancen geben, Ideen zum Umweltschutz umzusetzen"

Umweltstiftung hat seit ‘91 über 2.000 Projekte mit einem Finanzvolumen von über einer Milliarde Mark gefördert - Zukunftsperspektiven aufgezeigt

Bonn. "Produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutz gibt es nicht von der Stange. Angepaßte und individuell optimierte Lösungen sind gefragt. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen liegt hierzu ein reichhaltiges Potential. Wir wollen diesen Unternehmen die Chancen geben, ihre Ideen zum Schutz der Umwelt umzusetzen. Dabei fragen wir nach dem Beitrag zum Umweltschutz, nicht nach Sicherheiten." - Mit diesen Worten skizzierte heute in Bonn Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die Zukunftsperspektiven der größten Fördereinrichtung dieser Art in Europa. Mehr als 2.000 Projekte mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Mark hat die private Stiftung in den sechs Jahren ihres Bestehens in den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -bildung bereits gefördert.

Brickwedde erinnerte vor Journalisten in Bonn an die Gründungsgeschichte der DBU, die 1990 nach der Privatisierung der Salzgitter AG mit einem Vermögen von rund 2,5 Milliarden Mark auf Initiative von Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel aus Bundesmitteln gegründet worden war und heute von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer als Kuratoriums-vorsitzendem geführt wird. Die Geburtsstunde der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sei in eine Zeit des historischen Umbruchs gefallen. Mit der deutschen Wiedervereinigung hätten sich die Umwelt- und Naturschützer in der geeinten Republik vor Aufgaben gestellt gesehen, deren Dimensionen nur schwer begreifbar gewesen seien. Die DDR habe 1989 auch ökologisch vor dem Ruin gestanden, wie die Bundestagsenquetekommission zur Überwindung der Folgen der SED-Diktatur erst unlängst festgestellt habe.

Praxis- und problemorientiert habe die DBU die Herausforderung angenommen und versucht, ihren Teil zur Bewältigung der erdrückenden Umweltdefizite zu leisten. Innovative Verfahren zur Beseitigung von Altlasten, produktionsintegrierte Verfahren der Umwelttechnik beim Um- und Aufbau von Betrieben, anwendungsorientierte Umweltforschung und kre-ative Methoden der Umweltberatung und -bildung spiegelten die vielfältigen Facetten der kurzfristig unterstützten Maßnahmen. Zielgerichtet habe die Stiftung in den ersten Jahren ihrer Existenz den überwiegenden Teil der Fördermittel in die neuen Bundesländer investiert. Brickwedde: "Wir haben es gern getan und fördern Projekte in den ostdeutschen Ländern auch heute noch überproportional." Im Mittelwert der Jahre 1991 bis 1996 habe die DBU 43,2 Prozent ihrer Fördermittel in die Bundesländer West gegeben, 56,8 Prozent in die Bundesländer Ost.

Schon bei den Sofortmaßnahmen in den neuen Ländern habe die DBU verstärkt auf den produkt- und produktionsintegrierten Umweltschutz gesetzt, auch wenn in bestimmten Bereichen, wie z.B. der Beseitigung von Altlasten, effektive und praxisorientierte nachsorgende Maßnahmen notwendig gewesen seien, um die Sünden der Vergangenheit zu korrigieren. Zur Sicherung der Zukunftsperspektiven nachfolgender Generationen müsse der vorsorgende Umweltschutz aber bei den Ursachen von Umweltbelastungen ansetzen. Dies be-deute beispielsweise die Entwicklung von lösemittelarmen Lacken und Druckfarben statt nachgeschalteter Abluftreinigung oder die Herstellung von Produkten, die zur vollständigen Verwertung geeignet seien anstatt von Wegwerfprodukten. Die Stiftung verfolge diesen Weg konsequent. Sie fördere bevorzugt Projekte des produkt- bzw. produktionsintegrierten Umweltschutzes und werde dies in den Folgejahren noch weit intensiver tun.

Dabei hätten sich in der Vergangenheit thematische Schwerpunkte automatisch ergeben. Im Bereich ökologisches Bauen habe die DBU beispielsweise seit ihrer Gründung 139 Projekte mit einem Volumen von 34,3 Millionen Mark gefördert, im Bereich regenerativer Energien 160 Projekte mit 60 Millionen Mark und im Bereich Wasser/Abwasser/Gewässer 315 Projekte mit 101 Millionen Mark. Allein die 16 größten Beratungsprogramme der DBU beliefen sich auf ein Fördervolumen von 78,9 Millionen Mark.

Umweltschutz könne nicht losgelöst von den ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen gesehen werden. Der Aktionsplan für das 21. Jahrhundert, der auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro vor fast genau fünf Jahren von mehr als 170 Nationen zur Umsetzung einer weltweiten, umweltverträglichen, nachhaltigen Entwicklung verabschiedet wurde, setze auf diese Frage seinen besonderen Schwerpunkt. Die DBU werde das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung in Zukunft deutlicher in den Vordergrund stellen. Brickwedde: "Es lautet: von den Zinsen leben, nicht vom Kapital." Hierdurch werde die Vision eines weltweiten wirtschaftlichen Wohlergehens aufgezeigt, das durch die Schonung der natürlichen Ressourcen, den Schutz der Umwelt und die soziale Sicherung erreicht werde. Die Stiftung werde dieses Leitbild als Präambel über die neuen Förderleitlinien stellen.

Um dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden, habe die Enquetekommission des Deutschen Bundestages "Schutz des Menschen und der Umwelt" in ihrem Bericht "Die Industriegesellschaft gestalten - Perspektiven für einen nachhaltigen Umgang mit Stoff- und Materialströmen" vier grundlegende Regeln aufgezeigt:

* Erneuerbare Ressourcen sollen in dem Maße genutzt werden, in dem sie sich erneuern.

* Die Verbrauchsrate erschöpflicher Ressourcen soll durch die Steigerung der Effizienz, durch Recycling und den Ersatz durch nachwachsende Rohstoffe gesenkt werden.

* Stoffeinträge dürfen die Belastungsgrenzen und die Regenerationsfähigkeit der Natur nicht überschreiten.

Das Zeitmaß menschlicher Eingriffe muß sich am Reaktionsvermögen der Umwelt orientieren.

Um diese Prinzipien, hinter denen die Stiftung stehe, umzusetzen, seien neue Ideen und Initiativen erforderlich.

Im Laufe ihrer jungen Entwicklung reagiere die DBU nicht mehr ausschließlich auf Themen, die von außen an sie herangetragen werden, sondern initiiere Projekte, indem sie wichtige Themen durch das Ausschreiben zeitlich begrenzter Förderschwerpunkte aktiv besetze. Die Förderschwerpunkte "Holz", "Bioabfallverwertung" und "Biotechnologie" seien erste Beispiele für eine gezielte Schwerpunktsetzung, die in Zukunft sicher weiter an Bedeutung gewinnen werde.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt werde auch weiterhin die Entwicklung innovativer lösungs- und handlungsorientierter Ansätze im Umweltschutz vorantreiben. Hierbei sehe sie als Hauptzielgruppe die Umweltpioniere im Mittelstand, die mit Innovationen zur Umweltentlastung beitragen wollen.