Salzgitter/Braunschweig. Ein pflanzliches Arzneimittel aus Extrakten des Mutterkrautes, das frei von den unliebsamen Nebenwirkungen synthetisch hergestellter Medikamente ist, soll zur wirkungsvollen Vorbeugung gegen Migräne entwickelt werden. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer beschloß in seiner jüngsten Sitzung, das Projekt der Firma Schaper & Brümmer GmbH & Co. KG aus Salzgitter und des Instituts für Pflanzenbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig mit 880.000 Mark zu fördern. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Migräne wird bei uns deutlich häufiger diagnostiziert als Erkältung. 95 Prozent aller Migränepatienten nehmen zur Behandlung synthetisch hergestellte Medikamente wie z.B. Betablocker ein. Eine Vielzahl von Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel oder Depressionen sind die Folge. Genau die soll das pflanzliche Medikament vermeiden."
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt weist in ihrer Pressemitteilung darauf hin, daß 21 Millionen Menschen in Deutschland mit starken migräneartigen Kopfschmerzen leben müssen. Bei 14 Millionen von ihnen diagnostiziere der Arzt direkt Migräne mit ihren Begleiterscheinungen. Typische Symptome sind starke Kopfschmerzen, hohe Lichtempfindlichkeit und Übelkeit. Brickwedde zur Motivation der Stiftung: "Die Migränepatienten leiden meist stark unter der Krankheit. Ihre Lebensqualität ist dadurch enorm beeinträchtigt."
Zwar sei seit dem Mittelalter das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) als Heilpflanze zur Behandlung von Migräne und anderer Krankheiten bekannt. Neuere klinische Studien belegten die vorbeugende Wirkung und die gute Verträglichkeit des Mutterkrautes. Ein Migräne-Medikament mit Mutterkraut als wirksamen Bestandteil gäbe es jedoch zur Zeit nicht. Zur Migräne-Therapie sei auf dem Naturstoffsektor lediglich ein Mittel verfügbar, das durch umweltbelastende Verfahren und energieaufwendig gewonnen werde.
Die Ursachen von Migräne seien medizinisch weiterhin umstritten, heißt es in der Pressemitteilung der Stiftung weiter. Verschiedene Medikamente würden zur akuten Behandlung oder vorbeugend von den Betroffenen eingenommen. Das Dilemma sei, daß bislang kein zufriedenstellendes vorbeugendes Medikament entwickelt worden sei. Viele Patienten sprächen auf die im Handel befindlichen Präparate nicht positiv an. Zudem sei die Palette der unliebsamen Nebenwirkungen hoch.
Die Firma Schaper & Brümmer habe bereits ein umweltschonendes Verfahren entwickelt, mit dem der begehrte Stoff aus dem Mutterkraut gewonnen werde. Bei dem weltweit zum Patent angemeldeten Verfahren handele es sich um eine Methode, die zur Umweltentlastung beitrüge, da es nicht wie bisher üblich mit organischen Lösungsmitteln arbeite. Belastungen des Bodens und des Abwassers mit gesundheitsgefährdenden Stoffen würden daher vermieden.
Die Studien zur Entwicklung des neuen Medikaments laufen auf Hochtouren. Nach der Entwicklung des marktfertigen Medikaments muß das Zulassungsverfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen werden. Das Arzneimittel werde voraussichtlich in ca. 3 bis 4 Jahren auf den Markt kommen.