Osnabrück. Die Mitglieder der Jury für den Deutschen Umweltpreis erwartet eine Marathonsitzung. Zahlreiche hochqualifizierte Vorschläge erreichten in den vergangenen Wochen die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück, die den mit einer Million DM höchstdotierten Umweltpreis Europas vergibt. Generalsekretär Fritz Brickwedde: "Wieder sind über 100 Nominierungen bei uns eingetroffen. Diese kontinuierlich hohe Zahl der Vorschläge zeigt eindeutig, daß sich unser junger Preis in fünf Jahren etablieren konnte." Brickwedde ist erfreut: "In besonderem Maße wurden Kandidaten aus kleinen und mittelständischen Unternehmen vorgeschlagen, die wir durch unsere Projektförderung besonders ansprechen wollen. Namhafte Persönlichkeiten wurden nominiert, und viele qualifizierte Ideen aus dem Bereich Wissenschaft und Forschung sind bei uns eingereicht worden."
Die Leitlinien zur Vergabe des Preises sehen vor, daß Vertreter gesellschaftlich relevanter Institutionen und Verbände ihre Vorschläge einreichen können. Ob die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, der Rat der Sachverständigen für Umweltfragen, der Deutsche Naturschutzring oder andere anerkannte Umweltverbände, Arbeitgeberverbände oder Gewerkschaften -
sie alle hatten die Gelegenheit, ihre Favoriten für den Deutschen Umweltpreis 1997 zu nominieren. Eine unabhängige Fachjury wird die eingegangenen Vorschläge prüfen, bevor das Kuratorium der Stiftung über die Preisvergabe entscheiden wird.
Mit der Vergabe des Deutschen Umweltpreises will die unabhängige Stiftung, die seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit am 1. März 1991 in knapp 2.000 innovative Umweltschutzprojekte fast eine Milliarde Mark investiert hat, "Einsatz und Leistungen auszeichnen, die entscheidend und in vorbildlicher Weise zum Schutz und zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden", wie es die entsprechenden Leitlinien vorsehen. Die Auszeichnung soll andere Personen, Unternehmen und Organisationen "anstiften", Umweltprobleme rechtzeitig zu erkennen und mit Hilfe geeigneter Strategien schon im Vorfeld zu entschärfen, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung.
Bei der ersten Vergabe des Deutschen Umweltpreises 1993 in Berlin wurde die im sächsischen Scharfenstein angesiedelte Firma Foron für die Entwicklung des ersten fluorchlorkohlenwasserstoff- und fluorkohlenwasserstofffreien (FCKW und FKW) Kühlschrankes ausgezeichnet. Zweiter Preisträger 1993 war der Münchner Ökologieprofessor Dr. Wolfgang Haber, der für sein Lebenswerk bedacht wurde. 1994 wurden das ökologische Musterdorf Wulkow in Brandenburg, die Umweltinitiativen der ostwestfälischen Wirtschaft sowie die Ozonforscher Professor Dr. Paul J. Crutzen - 1995 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet - und Dr. Frank Arnold in der Dresdner Semperoper geehrt. 1995 war der Preis in München an die Pioniere des Umweltmanagements, die Unternehmer Klaus Günther (Lengerich/Westfalen) und Dr. Georg Winter (Hamburg), verliehen worden. Im Vorjahr erhielten der ehemalige polnische Umweltminister Prof. Dr. Maciej Nowicki für sein Lebenswerk und die Firma Wilkhahn Wilkening & Hahne (Bad Münder/Niedersachsen) für neue Methoden des Ökocontrolling den Preis.