03.03.1997 | Architekten mit neuer Computersoftware zum ökologischen Bauen "verführen"

Bestehende Programme sollen um ökologische Bewertungskriterien erweitert werden - Kein Mehraufwand - Bundesstiftung Umwelt fördert

Dachau / Osnabrück. Architekten, Ingenieuren und Planern in Deutschland soll es zukünftig erleichtert werden, schon im Planungsstadium ihrer Arbeit Aspekte des umweltschonenden Bauens stärker als bisher zu berücksichtigen, ohne dafür mehr Zeit investieren zu müssen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer, der Edition Aum Verlagsgesellschaft in Dachau sowie den Firmen Sidoun (Freiburg) und IEZ (Gröbenzell bei München) über eine Million Mark zur Verfügung zu stellen, um in die bereits jetzt genutzte Computersoftware dieser Berufsgruppen erstmals in Deutschland ökologische Bewertungskriterien einzufügen. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung: "Dieses Projekt hat hohe gesellschaftspolitische, ökonomische und ökologische Bedeutung, denn es leistet einen wichtigen Beitrag zur Vereinfachung des umweltschonenden Bauens in Deutschland."

orgesehen sei, Planungswerkzeuge zu entwickeln, mit denen eine kombinierte Berechnung von Bau- und Unterhaltskosten, Energie- und Stromverbrauch für das Erstellen und Nutzen des Gebäudes sowie Umwelt- und Gesundheitsbelastungen - vor allem Luft- und Wasserbelastung - möglich werde. Damit werde das Einbeziehen von Umweltbelangen in den Bereichen Energie- und Stoffeinsatz auch in ihren Kostendimensionen auf eine sachgerechte und objektbezogene Basis gestellt. Gleichzeitig würden erstmals mit Zahlen belegbare Verbesserungen des Entwurfs aus Umweltsicht möglich.

In der Praxis sei es von entscheidender Bedeutung, so Brickwedde, daß diese umweltbezogenen Verbesserungen schon in einem frühen Stadium der Planung erfolgen könnten. Möglich sei das allerdings nur, wenn die Berechnung mit gängiger Architektensoftware ohne nennenswerten Mehraufwand bei der Dateneingabe ermöglicht werde und dem Investor transparent dargestellt werden könne. Brickwedde: "Da für die Anwender die gewohnte Programmumgebung ohne Mehraufwand bei der Dateneingabe im wesentlichen beibehalten wird, besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, daß die Software sehr schnell von den Architekturbüros angenommen und in die Praxis umgesetzt wird. Damit wird es erstmals möglich, Ökobilanzen für gesamte Gebäude in einfachster Weise durchzuführen, wodurch ein objektiver Vergleich und eine gezielte Nachbesserung des Entwurfs erst möglich wird."

Schon heute sei eine Vielzahl ökologischer Maßnahmen am Bau unter der Berücksichtigung verminderter Betriebskosten wirtschaftlich. Gerade dies sei Investoren häufig aber nur schwer begreifbar zu machen. Das Anwenden des neuen Planungswerkzeugs werde hier für Architekten, Ingenieure und Planer wichtige Hilfestellung sein, den ökologischen Aspekt besser herausarbeiten und darstellen zu können. Brickwedde: "Es wird Transparenz in der Beziehung zwischen ökologischem Bauen und Baukosten erreicht."