Sehestedt / Osnabrück. Herkömmlichen, umweltschädlichen Lacken und Lasuren, wie sie heute etwa für Bootsanstriche verwendet werden, um Seepocken, Muscheln oder Algen fernzuhalten, "droht" eine ökologische Alternative. Mit Hilfe eines natürlichen Bindemittels, das Öle, Wachse und Harze wasserlöslich macht, sollen neue Ökofarben entstehen, die einen vollständig lösemittelfreien, aber dennoch robusten Holzanstrich gewährleisten. Der besondere Clou: Das Bindemittel soll als Nebenprodukt der Küstenfischerei aus der Schale von Krabben gewonnen werden, die in einer Größenordnung von 5.500 Tonnen jährlich an Deutschlands Küsten an Land geholt werden. Mit einem Volumen von knapp 900.000 Mark fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, dieses Vorhaben.
Auf Einzelheiten dieses Gemeinschaftsprojektes der Firma "Dritte-Haut-Laden" Sehestedter Naturfarben in Sehestedt in Schleswig-Holstein, der Abteilung Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Christian-Albrecht-Universität Kiel und des Labors LimnoMar in Hamburg ging Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, jetzt in Osnabrück ein. Bei den heute verwendeten Lacken und Lasuren entstünden Umweltbelastungen sowohl bei der Herstellung und Anwendung als auch durch das Freisetzen vom Schiffsrumpf in gelöster Form in das Wasser. Auch ökologischere Bootsanstriche mit natürlichen Substanzen wie Ölen und Wachsen brächten keine Lösung, weil sie durch Terpentine und Testbenzin verdünnt werden müßten, um verarbeitet werden zu können. Es müsse also ein Mittel gefunden werden, durch das sich Naturöle, -wachse und -harze in Wasser lösten, durch das aber die für den Materialschutz notwendige Beständigkeit des Anstrichs nicht verloren gehe.
Chitosan, aus dem in Insektenkörpern und Krustentieren enthaltenen Chitin hergestellt, könne diese Brücke bilden. Mit diesem nachwachsendem Rohstoff auf tierischer Basis gelinge die Wasserlöslichkeit von Ölen und Wachsen. Da Chitosan als wirksamer Schutz gegen Tier- und Pflanzenbewuchs am Bootsrumpf nicht ausreiche, müsse - wesentliche Aufgabe dieses Gemeinschaftsprojektes - die Schutzfunktion des Anstrichs durch einen biologisch abbaubaren Zusatz erhöht werden. Die so zu findenden verschiedenen Rezepturen würden von den Projektpartnern praktisch erprobt, bis eine praxisgeeignete Verbindung vorliege und dann in einem großangelegten, abschließenden Test in Süß-, Brack- und Seewasser auf den Prüfstand gestellt.
An der Westküste Schleswig-Holsteins solle mit Unterstützung des Landes eine Krabbenverarbeitungsanlage mit angegliederter Anlage zur Produktion von Chitosan entstehen, die bei jährlich 5.500 Tonnen Krabben für die Produktion der neuen Ökofarben die Rohstoffbasis sichere. Bisher würden Krabbenschalen, um die es ausschließlich gehe, in Schleswig-Holstein überwiegend als Abfall entsorgt. In Zukunft könnten sie standortnah als vorhandene Rohstoffquelle ohne lange Transportwege genutzt werden. Vor dem Hintergrund dieser umweltfreundlichen, unproblematisch zu handhabenden Chitosangewinnung ließen sich die neuen, ökologischen Lacke und Lasuren auch ökonomisch günstig herstellen.
Brickwedde: "So können am Ende nicht nur umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe ersetzt werden. Es kann auch gleichzeitig eine Verwertung von Rückständen langfristig gesichert werden."