Osnabrück/Detmold/Mirow. Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH, Detmold) schickt sich an, in Mirow in Mecklenburg-Vorpommern vor den Toren des Müritz-Nationalparks eine nachhaltig und ökologisch ausgerichtete Jugendherberge entstehen zu lassen, wie es in Deutschland bisher keine zweite gibt. Mit einer Anschubfinanzierung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, in Höhe von 2,8 Millionen Mark soll eine umweltpädagogische und sozialökologische Modellherberge neuen Typs für langfristig 30.000 Besucher pro Jahr entstehen. Sie soll bei jungen Menschen und Familien Verhaltensänderungen hin zu einem nachhaltigen Leben auf der Basis umweltbewußten Handelns bewirken. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, betonte heute bei der Projektpräsentation: "Die Erfahrungen des Projektes werden nicht nur für die Weiterentwicklung umweltorientierter Jugendherbergen von großer Bedeutung sein, sondern dürften auch für eine ökologisch ausgerichtete Schularchitektur Vorbildfunktion gewinnen."
Vor Medienvertretern waren neben Brickwedde und Dr. Ulrich Witte, stellvertretender Leiter der Abteilung Umweltbildung der Umweltstiftung, Bernd Dohn, stellvertretender DJH-Haupt-
geschäftsführer, Dr. Rüdiger Hoppe, Vorstandsvorsitzender des DJH-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, und Bernd Lampe, Umweltreferent des DJH-Hauptverbandes, auf Einzel-
heiten dieser Umweltjugendherberge neuen Typs eingegangen. Brickwedde betonte, daß Umweltpädagogik neben theoretischem Umweltwissen praktisches Umwelthandeln fördern müsse.
Die neue Jugendherberge in Mirow solle einen in ökologischer Hinsicht optimierten Lern- und Lebensraum schaffen, in dem umweltbewußte Lebensführung für den Alltag erfahrbar gemacht werden solle. So sehe das pädagogische Konzept vor, Kursangebote und Umweltprojekte zur aktiven Mitarbeit zu vermitteln, wobei der regionale Natur- und Kulturraum bewußt als ökologischer Erlebnis- und Lernraum einbezogen werden solle. Durch Exkursionen, Umweltrallyes zu landschaftsökologischen Schwerpunkten, Ausstellungs- und Museumsbesuche werde der Blick auf den Zusammenhang von Ökologie und Region gelenkt. Das neue Haus werde sich nicht nur kontinuierlich ökologisch selbst überprüfen. Angedacht ist auch ein hauseigenes ökologisches Währungssystem, bei dem umweltfreundliche Produkte zu knapp kalkulierten Preisen angeboten, weniger umweltverträgliche Produkte gezielt verteuert werden. Brickwedde: "So kann im Sinne der Nachhaltigkeit auf das Freizeit- und Mobilitätsbedürfnis von jungen Menschen und Familien Einfluß genommen werden."
Die bauliche Umsetzung der Herberge folge konsequent ihren inhaltlichen Ansprüchen, betonte für das Deutsche Jugendherbergswerk Bernd Dohn. Sie schlügen sich unter anderem in der Verwendung ökologischer Baustoffe, der umweltverträglichen Wasser- und Energieversorgung, dem Entsorgungssystem, der Bauform und der Innenraumgestaltung nieder. Dohn: "Bewußt wird hier der Versuch unternommen, mit der äußeren Gestaltung ein Vorbild für eine zukunftsfähige Schularchitektur zu bieten."
Im Rahmen einer ersten Bauphase werde die Herberge als kleinstmögliche, voll funktionsfähige Einheit geschaffen. Sie werde 52 Personen Unterbringungsmöglichkeiten bieten. In einem zweiten Abschnitt, der nicht mehr Gegenstand der Förderung durch die Stiftung sei, werde die Herberge dann auf ihre Gesamtkapazität von rund 130 Betten ausgebaut.