19.11.1998 | ,Fischers Fritz' auf ökologischen Pfaden: Abwässer fließen in Zuchtbecken zurück

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert neuartige Wasseraufbereitungsanlage in Waren in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 420.000 Mark

Waren / Osnabrück. Um den gewaltigen Verbrauch und die Belastung von Frischwasser durch die Fischzucht zu verringern, wird mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) in Höhe von rund 420.000 Mark in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) erstmalig eine neuartige Wasseraufbereitungsanlage in einer Fischfarm errichtet. Die Spezialanlage soll durch Reinigung und anschließende Wiederverwendung des Wassers in einem nahezu vollständig geschlossenen Kreislaufsystem den Verbrauch von je 40.000 Kubikmetern Frischwasser pro Tonne Fisch deutlich verringern. Der Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas, Fritz Brickwedde, hob die "modellhafte und übergreifende Bedeutung für den Gewässerschutz" hervor.

Die niedersächsische Firma Fischtechnik Fredelsloh, Morinqen, will in Waren an der Müritz erstmalig eine in Teilen in der DDR-Fischzucht langjährig vorentwickelte Technologie zur Reinigung von Wasser und zur Schließung der Wasserkreisläufe in Fischfarmen umsetzen. Auf dem Gelände des Kooperationspartners, der Firma Müritz-Fischzucht, Waren, sollen dann 80 Tonnen Fisch pro Jahr abwasserfrei produziert werden. Das Institut für Binnenfischerei der Landesforschungsanstalt Mecklenburg-Vorpommern wird die unabhängige Überprüfung der Wasserqualität vornehmen. Im konventionellen Verfahren würden bisher 40.000 Kubikmeter Frischwasser pro Tonne Fisch verbraucht, so Brickwedde in einer Pressemitteilung der Stiftung weiter. Anfallende Abwässer blieben, verschmutzt durch Kot, Futtermittelreste und Stoffwechselprodukte, ungereinigt. Pro Tonne Forelle beispielsweise entstünden Abwässer, deren Verschmutzung der rechnerischen Durchschnittsabwasserbelastung von 60 Einwohnern entspreche. Herkömmlichen mechanisch-biologischen Wasseraufbereitungsanlagen gelinge es nicht, das Abwasser, das sich qualitativ und quantitativ von anderen Abwässern unterscheidet, so zu reinigen, daß es zur Fischzucht wieder eingesetzt werden könne. Auch die anfallenden organischen Schlämme seien bisher praktisch nicht entsorgt worden. In der neuen Versuchsanlage werde dieses nun anders sein: Das Abwasser werde in einer Reihe von Aufbereitungsanlagen entsprechend den Anforderungen Schritt für Schritt behandelt und intensiv mechanisch und biologisch gereinigt. Aus dem Schlamm entstünden nun Düngemittelprodukte für die Landwirtschaft. Das gereinigte Wasser werde wieder als Frischwasser hoher Güte in der Fischfarm eingesetzt. Insgesamt beabsichtigten die Projektpartner, zu einer umweltentlastenden und wirtschaftlich tragfähigen Technologie im Bereich der Fischzucht zu kommen. Besonders die Wirkungen auf den Wasserhaushalt machen nach Auffassung Brickweddes deutlich, daß dieses Förderprojekt der Umweltstiftung "für das seenreiche Bundesland Mecklenburg-Vorpommern von besonderer Bedeutung ist".