18.12.1996 | "Vergessene" Pflanze vor neuer Blüte? Waid soll Holz umweltschonender schützen"

Thüringen kommt als eines der weltweit wenigen möglichen Anbaugebiete in Frage - Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt mit 1,8 Millionen Mark

Erfurt/Neudietendorf. Die Staudenpflanze Waid, deren Inhaltsstoffe für die Herstellung von Färbe- und Imprägniermitteln für den Holzbereich, zur Textilfärbung und Kosmetikproduktion verwendet werden können, soll in Thüringen zu neuer Blüte gelangen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, beschloß unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer, für die Entwicklung von umwelt- und gesundheitsfreundlichen Anstrichstoffen für den Holz- und Bautenschutz auf der Basis von Waid knapp 1,8 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Angesichts des hohen Restaurierungs- und Sanierungsbedarfs von Gebäuden vor allem in den neuen Bundesländern tue sich hier ein "großer Markt im Bereich umweltfreundlicher Holzbehandlung auf", so Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde heute vor Medienvertretern in Erfurt.

m Rahmen eines Pressegespräches gingen Vertreter der Thüringer Waid-Verarbeitungs-GmbH, Neudietendorf (Thüringen), der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Jena, sowie der Abteilung Wirkstoffprüfung am Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung e.V. (HKI), Jena, auf Einzelheiten dieses Projektes ein. Die Naturpflanze Waid, die mehrmals im Jahr geerntet werden könne, wachse weltweit nur in wenigen Regionen. Speziell im Erfurter Raum seien Anbau und Verarbeitung des "Färberwaids", als der die Pflanze aufgrund ihrer historischen Nutzung als Färbepflanze auch bezeichnet werde, vielversprechend. Aufgrund ihrer fäulnishemmenden und insektiziden Wirkungen eröffne sich im Bauten- und Holzschutz ein Anwendungsprofil für Waidprodukte.

Ziel sei es, den nachwachsenden Rohstoff Waid wieder nutzbar zu machen, Technologien zur Produktion umwelt- und gesundheitsfreundlicher Anstrichstoffe zu entwickeln und durch das Angebot praxisgerechter Holzbehandlungsmittel den Einsatz herkömmlicher chemischer Holzschutzmittel einzuschränken. Die Thüringer Waid-Verarbeitungs-GmbH, Neudietendorf, stütze sich dabei auf eine über zehnjährige Erfahrung im landwirtschaftlichen Anbau und der Anstrichstoff-Herstellung aus Waid, die bisher handwerklich, in kleinen, unwirtschaftlichen Mengen erfolgt sei.

Für die Thüringer Waid-Verarbeitungs-GmbH betonten Albrecht und Wolfgang Feige, ihre Aufgabe im Rahmen des Gesamtprojektes sei es, die derzeit mit recht einfachen Mitteln umgesetzte Farb- und Holzschutzmittelproduktion voranzubringen. Aufgabe der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft sei es, so Dr. Armin Vetter und Elke Voltys de Garcia, aus ihrer umfangreichen Sammlung internationaler Waidherkünfte die herauszusuchen, die aufgrund eines optimalen Wirkstoffgehalts am besten für die Herstellung von Holzschutzmitteln geeignet seien. Dagegen sei es Ziel des Hans-Knöll-Instituts, so Professor Dr. Axel Stelzner und Dr. Waldemar Künkel, die Herstellung der Waidanstrichstoffe im Prozeß zu verbessern.

Für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt lobten Fritz Brickwedde und Dr. Holger Wurl das Pilotprojekt als ein Modell für die integrative Zusammenarbeit eines Produktionsunternehmens mit der angewandten Wissenschaft und Forschung, die dem Unternehmen für die Produktentwicklung und -vermarktung zuarbeiteten. Brickwedde: "Das Vorhaben kann zu einem Innovationsschub auf dem Sektor Holz- und Bautenschutz führen und den an Bedeutung zunehmenden Sektor 'nachwachsende Rohstoffe' um ein wesentliches Element bereichern." Mit der Entwicklung von Waid-Anstrichstoffen werde ein ökonomischer und ökologischer Nischenbereich für umwelt- und gesundheitsfreundliche Produkte ausgeweitet. Durch Waidprodukte könnten chemische Holzschutzmittel in einzelnen Bereichen ersetzt und Umweltbelastungen reduziert werden. Mit der neuen Produktionstechnologie könnten die Herstellungskosten gesenkt und neue Anstrichstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden.