18.12.1996 | "Bleche ökologischer lackieren: Schafft Jenaer Firma 'Technologiesprung'?"

Alt-Verfahren zur Oberflächenbehandlung mit hochschadstoffhaltigen Lösungen soll ersetzt werden - Umweltstiftung fördert mit 1,4 Millionen Mark

Jena. Bim Lackieren von Blechen vornehmlich im Bereich der Automobilindustrie wird es unter dem Gesichtspunkt der Umweltentlastung in vielleicht schon naher Zukunft zu einem bedeutenden Technologiesprung kommen. Die Firma SurATech aus Jena in Thüringen - ein 1994 gegründetes Kleinunternehmen - will eine neue Technik entwickeln, die das bisher für die Oberflächenvorbehandlung von Aluminium- und Stahlteilen notwendige Verwenden hochschadstoffhaltiger Lösungen praktisch überflüssig machen soll. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer beschloß jetzt in Bonn, dem Unternehmen für seine Arbeit auf diesem Gebiet knapp 1,4 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen.

Stiftungsgeneralsekretär Fritz Brickwedde erläuterte heute vor Medienvertretern in Erfurt, daß von den etablierten naßchemischen Verfahren erhebliches umweltbelastendes Potential ausgehe. Mit Hilfe der neuen Technik, die sich bereits im medizin- und klebtechnischen Bereich bewährt habe, werde zwischen die dünnen Bleche aus Aluminium oder verzinktem Stahl und die später aufzubringende Lackschicht ein "Klebstoff" aufgebracht, der bei der Weiterverarbeitung von diesen Blechen in Preßwerken etwa zur Formung von Fahrzeugbodengruppen die Vorlackierung am Metall halte. Das führe auch zu einer Verbesserung des Rostschutzes.

Weiterer Vorteil dieses sogenannten Silicoater-Verfahrens sei, so Brickwedde, daß es sich um ein Einschrittverfahren handele, bei dem weitere nachgelagerte Verfahrensschritte wie Spül- oder Trocknungsvorgänge entfielen. Die relative Einfachheit des Verfahrens sei verblüffend, gleichwohl sei es ein ausgesprochen interessantes Beispiel für den produktionsintegrierten Umweltschutz, um den sich die Umweltstiftung engagiert bemühe. Mit diesem auf Energieeinsparung, wirksame Rohstoffnutzung und Abfallvermeidung ausgelegten Verfahren könnten, hofft Brickwedde, neben dem Automobilbau weitere große Einsatzpotentiale mit erheblichen Konsequenzen für den Fertigungsprozeß vielfältigster Gebrauchs- und Konsumgüter erschlossen werden.