27.09.1996 | Umweltschutz fördert auch das Verständnis für einander: Türkische Umweltinitiative in Deutschland startet interkulturelles Bildungsprojekt

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Modellvorhaben "Umweltlernen in der Einen Welt und für die Eine Welt" mit mehr als 300.000 Mark

Hildesheim. Zunächst in Niedersachsen wird in den kommenden drei Jahren eine neue Form der Umweltbildung an Schulen erprobt: Die Türkische Umweltinitiative in Deutschland e.V. (TUD), Hildesheim, entwickelt Materialien für den Umweltunterricht, mit denen vor allem türkische Schüler und ihre Familien erreicht werden sollen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer beschloß, für dieses Projekt rund 300.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Generalsekretär Fritz Brickwedde begrüßt das Projekt, "weil es einen wesentlichen Beitrag zur Umweltinformationsvermittlung für türkische Schüler leistet und gleichzeitig die Bereitschaft fördert, voneinander zu lernen".

Ziel des Projektes ist es, so Brickwedde, interkulturelle Lernprozesse im Umweltbereich in Gang zu bringen und dadurch auch das Zusammenleben der Deutschen mit den türkischen Familien zu erleichtern. Häufig erreichten viele der in Deutschland herausgegebenen Publikationen zum Umweltschutz die ausländischen Mitbürger nur schwer. Das Projekt "Umweltlernen in der Einen Welt und für die Eine Welt" wolle hingegen Umweltunterricht nicht nur eindimensional aus deutscher, sondern auch aus türkischer Perspektive erlebbar machen.

Entsprechende Studienmaterialien sollen in der Lehrerfortbildung zum Einsatz kommen. "Das Projekt will die Lehrer ansprechen, die in ihren Unterrichtsfächern umweltbezogene Fragestellungen behandeln können", so Brickwedde. Aufgrund des hohen Anteils von Schülern ethnischer Minderheiten kämen besonders Lehrer an Grundschulen, Orientierungsstufen und in der Sekundarstufe I in Betracht.

Am Beispiel der Türkei solle der herkunftsbedingte Umgang mit der Umwelt dargestellt und durch erlebnisorientierte Umweltschutzprojekte der gegenseitige Abbau von Vorurteilen ermöglicht werden. Brickwedde weiter: "Das von uns geförderte Projekt lädt deutsche Lehrer und Lehrer ethnischer Minderheiten zur Kooperation ein - für ein umweltbewußtes Verhalten, das in deutschen Familien und in den Familien unserer ausländischen Mitbürger gleichermaßen wichtig ist. Außerdem kann unser Projekt Anstöße für andere Initiativen im Bereich der interkulturellen Bildung liefern".

Kooperationspartner der TUD ist das Niedersächsische Landesinstitut für Lehrerfortbildung, Lehrerweiterbildung und Unterrichtsforschung (NLI) . Beratend begleiten wollen das Projekt unter anderem die UNESCO-Verbindungsstelle für Umwelterziehung des Umweltbundesamtes in Berlin und die Zentralstelle für Umwelterziehung an der Universität Essen. Nach einem erfolgreichen Abschluß der Entwicklung und Erprobung sollen die erarbeiteten Materialien auch in den anderen Bundesländern zum Einsatz kommen.