18.09.1996 | "Pionier einer zeitgemäßen, verschwendungsarmen Möbelgestaltung mit ökologischem Design"

Deutscher Umweltpreis 1996: Wilkhahn Wilkening & Hahne

Bonn. "Die Firma ist ein Pionier einer zeitgemäßen, verschwendungsarmen und gebrauchswertorientierten Möbelgestaltung mit ökologischem Design. Durch die Integration von Umwelt-Controlling-Maßnahmen in die Unternehmensstrategie, durch das praxisgerecht und ökonomisch umgesetzte Entwickeln und Durchführen ganzheitlicher Ökobilanzen, durch das Schaffen einer Synthese aus Umweltschutz und produktionsbetonter Planung hat sie den wichtigen Beweis angetreten, daß Methoden des Ökocontrolling ökologisch und ökonomisch zum Erfolg führen." - Mit diesen Worten würdigte heute in Bonn Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1996 der Stiftung an die Firma Wilkhahn Wilkening & Hahne in Bad Münder (Niedersachsen).

Vor Medienvertretern in Bonn ging Brickwedde auf die besonderen Leistungen des 1907 als Stuhlfabrik gegründeten, mittelständischen Unternehmens mit rund 600 Mitarbeitern ein. Hier habe eine Firma, deren Mitarbeiter seit 1971 mit 50 Prozent am Betriebsergebnis vermögensbildend beteiligt sind und 28 Prozent des Kapitals als stille Gesellschafter halten, die Weichen für das gesamte Unternehmen schon frühzeitig auf einen ökologisch verantwortlichen Kurs gestellt und eine ökologisch-soziale Unternehmensstruktur mit einem richtungsweisenden Managementmodell entwickelt. Umweltschutz sei als unternehmerisches Ziel zu einem integrierten Bestandteil der Unternehmensphilosophie herangereift. Wilkhahn Wilkening & Hahne habe den Beweis angetreten, daß Ökocontrolling langfristig Kosten spare und Märkte sichere, Umweltrisiken kalkulierbar und ganzheitlich minimierbar mache und auf Dritte übertragbar sei.

Die Anfänge reichten dabei weit zurück. Bereits Anfang der 50er Jahre sei als Unternehmensziel festgelegt worden, dauerhafte Güter zu produzieren, deren Gebrauchswert zu erhöhen und die Verschwendung zu reduzieren. Mit der unternehmensphilosophischen Maxime "Wahrhaftigkeit der Produkte" habe Wilkhahn seither den ästhetischen, praktischen und zugleich ökologischen Nutzen der hergestellten Büromöbel in Einklang zu bringen versucht und gleichzeitig den Anspruch praktisch verwirklicht, Ökologie, Ökonomie, Humanisierung und Ästhetik auf einen Nenner zu bringen.

1988 habe das Unternehmen damit begonnen, eine Ökobilanz für den gesamten Betrieb zu erarbeiten, in die alle materiellen und energetischen Aspekte sämtlicher Produktionsprozesse einschließlich der Vorleistungen von Lieferanten einbezogen worden seien. Auf EDV-Basis seien ein praxisorientiertes, innerbetriebliches Umweltkommunikationssystem aufgebaut, Konzepte zur Einbindung des Umwelt-Controlling in die Ablauf- und Aufbauorganisation entwickelt worden. Die Fachabteilungen seien im Umweltsektor qualifiziert worden, so daß sich ab 1992 das Umwelt-Controlling systematisch in den Betrieb habe einführen lassen.

Im November 1994 sei die erste ökologische Betriebsbilanz vorgelegt worden, die als "insgesamt beispielgebend für die Möbelbranche" zu bewerten sei, so Brickwedde. So sei mit dieser "Pionierleistung auf dem Gebiet des Ökocontrolling" ein geschlossenes Umweltkonzept entwickelt und umgesetzt worden, das - so Brickwedde - "auch interna-tionalem Vergleich standhält".

Aktuell arbeite das Unternehmen zum Beispiel an der Umstellung von Verpackungsmaterialien auf ein Mehrwegverpackungssystem aus Baumwolle, Jute und Flachs. Es optimiere sein Abfallwirtschaftskonzept und entwickele Sitzschalen und Tischplatten aus biologisch abbaubaren faserverstärkten Konstruktionswerkstoffen auf der Basis nachwachsender Rohstoffe. In der aktuellen Ökobilanz des Unternehmens seien fast in allen Bereichen Rückgänge von Abfällen und Emissionen zu verzeichnen. So habe beispielsweise im Bereich Kartonagenverpackungen die Menge von rund 140 Tonnen im Jahr 1993 auf rund 81 Tonnen im Jahr 1995 gesenkt werden können.