Osnabrück. Die "internationale Ausstrahlung" des Preises habe ihre Wirkungsmöglichkeiten auch über die Grenzen des eigenen Landes hinaus "entscheidend erhöht". Sie habe ihnen wichtige Türen geöffnet, Positionen und Vorschläge aus der Sicht eines mittelständischen Unternehmers in politische und wissenschaftliche Gremien, internationale Organisationen und Pilotprojekte einzubringen. - Wenige Tage, bevor die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, am 18. September in Bonn die neuen Träger ihres mit einer Million Mark dotierten Deutschen Umweltpreises präsentieren wird, zogen ihre Vorgänger, die "Pioniere des Umweltmanagements" Klaus Günther (Nordrhein-Westfalen) und Dr. Georg Winter (Hamburg), Bilanz. Ihr Fazit: Die Auszeichnung war für viele Unternehmer ein Signal, sich intensiver mit umweltorientierter Unternehmensführung zu beschäftigen, sie hat "die Sensibilität vieler deutscher Unternehmer in Sachen Umwelt weiter gestärkt".
Möglich gemacht habe das die Vermittlung der Erkenntnis, "daß Abwehrhaltung und Blockade keine weiterführende, also unternehmerische Strategie ist, daß freiwillige ökologische Initiativen nicht zum Nachteil des Unternehmens sind, sondern es nach vorne bringen und sich vielfach auch betriebswirtschaftlich rechnen", wie es Klaus Günther sieht. Gerade dieser ökonomische Aspekt der Ökologie werde von immer mehr Unternehmen begriffen, ergänzt Dr. Winter. Und: "Je mehr solcher Positivbeispiele veröffentlicht werden, desto eher wird sich jene kritische Masse umweltbewußter Unternehmen bilden, die erforderlich ist, um in der gesamten Industrie eine Kettenreaktion in Richtung umweltorientierter Unternehmensführung auszulösen."
Auch die umweltorientierten Unternehmensverbände wie "Umwelt future", Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewußtes Management (B.A.U.M.) oder das internationale Netzwerk für umweltbewußtes Management (INEM), deren geistige Väter Günther bzw. Winter sind und die indirekt durch die Preisverleihung mit gewürdigt wurden, hätten im vergangenen Jahr neue Schubkraft bekommen. Um dieses Moment auszunutzen und zu verstärken, sei eine Kooperation der wichtigsten ökologisch ausgerichteten Unternehmerverbände in der "Unternehmerinitiative Umwelt" erreicht worden, in der nun Kräfte gebündelt und gemeinsame Positionen zu korrekturbedürftigen Aspekten der Umweltpolitik erarbeitet würden.
Staatliche Umweltpolitik müsse nämlich, so Klaus Günther, der Tatsache Rechnung tragen, daß die Umwelt zu den knappen Gütern gehöre. Innerhalb dieses Rahmens brauchten die Unternehmen möglichst viel Freiraum für Initiativen. Günther: "Unternehmer sind diejenigen, die sowohl global denken als auch sehr konkret lokal handeln können. Wenn man sie dies erfolgreich tun läßt, können sie einen Beitrag für Arbeit, Wohlstand, Umwelt und soziale Gerechtigkeit leisten." Stärker als bisher, so Dr. Winter, müsse das Wirtschaftssystem auf die Kreisführung von Ressourcen und die fast ausschließliche Verwendung regenerativer Energien ausgerichtet werden, sonst bleibe "jeder Unternehmer mehr oder weniger, direkt oder indirekt in das gigantische Zerstörungswerk verstrickt, das die Ressourcen-Verbrauchs- und Umwelt-Überlastungswirtschaft weltweit veranstaltet".
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten dürfe Umweltschutz nicht als "Schön-Wetter-Problem" zur Disposition gestellt werden. Dr. Winter: "Bei Mißachtung des Umweltschutzes gerät die Volkswirtschaft in ein ‘Tiefdruckgebiet’." Umweltschutz sei, so Günther, kein Luxusartikel, den man sich nur in der Hochkonjunktur erlauben könne. Deshalb ließen sich umweltorientierte Unternehmen auch in schwierigen Zeiten nicht beirren. Zu Katastrophenszenarien bestehe im übrigen in Deutschland gar keine Veranlassung. Günther: "Denn was bisher im Umweltschutz in Deutschland geleistet und erreicht worden ist, kann sich durchaus sehen lassen."
Statt einer Unzahl von Vorschriften, Quoten und Verboten, die nicht einmal Experten mehr durchschauten, stelle eine stärker auf marktwirtschaftliche Instrumente und Mechanismen abstellende Umweltpolitik, die mehr mit Preisen und Innovationsanreizen arbeite, die einen kontinuierlichen Verbesserungsprozeß unterstütze, das Eigeninteresse der Beteiligten in ihren Dienst und sorge für eine höhere Umweltqualität für weniger Geld.
Die von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl unlängst im Rahmen einer Stiftungsveranstaltung gestellte Forderung, das Verlangen heutiger und künftiger Generationen nach Arbeit, Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit in Einklang zu bringen mit den begrenzten Ressourcen dieser Erde, sei ein "Signal, an dem wir die Programme der Parteien sowie das Verhalten der einzelnen Politiker messen sollten". Winter: "Wir müssen den Menschen immer wieder bewußt machen, daß sie Einfluß auf die ökologische Zukunft ihres Staates haben, sei es als Wahlbürger, der die Partei an ihrem Einstehen für die Umwelt mißt, sei es als Teilnehmer am Berufsleben, sei es als privater Konsument."
Die Interviews können im Originalwortlaut bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt angefordert werden.
Zum Stichwort Deutscher Umweltpreis:
Mit der Vergabe des Deutschen Umweltpreises - höchstdotierter Umweltpreis Europas - will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) Leistungen auszeichnen, die vorbildlich zum Schutz der Funktionsfähigkeit der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft für eine deutliche Umweltentlastung sorgen werden. Die Auszeichnung soll andere "anstiften", Umweltprobleme rechtzeitig zu erkennen und schon im Vorfeld zu entschärfen. 1993 wurde er zum erstenmal vergeben: an den Münchner Ökologie-Professor Dr. Wolfgang Haber und die sächsische Firma Foron . 1994 wurden das ökologische Musterdorf Wulkow in Brandenburg, die Umweltinitiativen der ostwestfälischen Wirtschaft f sowie die Ozonforscher Professor Dr. Paul J. Crutzen (Rheinland-Pfalz) - ein Jahr später mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet - und Dr. Frank Arnold (Baden-Württemberg) in der Dresdner Semperoper geehrt. Im vergangenen Jahr erhielten den Preis im Münchner Gasteig die "Pioniere des Umweltmanagements" Klaus Günther (Nordrhein-Westfalen) und Dr. Georg Winter (Hamburg).