02.07.1996 | Wir bringen die Kraft, das Wissen und den Willen auf, unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten

Bundeskanzler Kohl sprach in Bonn anläßlich des fünfjährigen Bestehens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zum Thema Umweltschutz

Bonn. "Was wir heute hier sehen können, ist eine eindrucksvolle Leistungsschau. Sie zeigt, daß wir mit innovativen Unternehmen einen nachhaltigen Beitrag zum Schutz von Natur und Umwelt leisten können. Ich bin sicher, daß wir die Kraft, das Wissen und den Willen aufbringen werden, unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten. Ich habe die herzliche Bitte an Sie: Helfen Sie mit, daß wir diese Aufgabe wahrnehmen. Es ist nicht eine Aufgabe für Spezialisten. Es ist unsere Aufgabe, aus der Erfahrung der Generationen vor uns künftigen Generationen zu helfen." - Diesen Appell richtete heute in Bonn Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl an die Adresse der Wirtschaft in Deutschland. Vor rund 500 größtenteils mittelständischen Firmenvertretern sprach Kohl im Rahmen einer Tagung "Unternehmer für die Umwelt - Innovative Umwelttechnik aus dem Mittelstand", die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, anläßlich ihres fünfjährigen Bestehens in Bonn veranstaltet hatte.

Kohl wies darauf hin, daß in Deutschland erfolgreiche Umweltpolitik betrieben werde, die anderen Ländern als Vorbild gelte. Dabei sei Umweltpolitik kein Jobkiller, sondern Antrieb für einen modernen Wachstumsmarkt. Gleichwohl sei bei der Integration des Umweltschutzes in andere Politikbereiche noch eine ganze Menge zu tun. Gesamtwirtschaftlich werde sich Umweltschutz von einer Branche hin zu einem Qualitätsmerkmal entwickeln. Die ökologische Qualität von Produkten und Produktionsprozessen werde enorm an Bedeutung gewinnen.

Vorsorgender Umweltschutz sei, so Kohl weiter, auch ökonomisch wünschenswert, denn der nachsorgende Umweltschutz sei auf Dauer erheblich teurer. Zwar sei die Trendwende hin zum vorsorgenden Umweltschutz, wie ihn auch die Stiftung unterstütze, ein langer Weg der vielen kleinen Schritte. Gerade die mittelständischen Unternehmen verfügten jedoch über entsprechendes Innovationspotential auf diesem Gebiet. Ihnen müsse geholfen werden, ihre Chance am Markt zu finden.

Begrüßt worden waren die Gäste in der Bad Godesberger Stadthalle von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der größten Umweltstiftung Europas. Tietmeyer nannte die Entscheidung des Bundes, nach dem Verkauf der Salzgitter AG rund 2,5 Milliarden Mark für die Gründung der Stiftung bereitzustellen, eine "weitsichtige und richtige Entscheidung", von der der Standort Deutschland sicher profitiere. Die Mittel könnten dauerhaft zur Förderung zukunftsorientierter, also umwelt- und gesundheitsfreundlicher Wirtschaftsaktivitäten in Deutschland eingesetzt werden.

Die Stiftung leiste einen Beitrag zur Stärkung künftiger Wettbewerbschancen gerade kleiner und mittlerer Unternehmen. Denn die Zukunftsmärkte würden immer mehr auch von neuen Prioritäten zugunsten der Umwelt bestimmt. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sei angesichts weltweit zunehmender Umweltprobleme eine immer wichtigere Zukunftsaufgabe für die deutsche Wirtschaft. Längerfristig würden nur solche Unternehmen Erfolge und Überlebenschancen haben, die den Umweltschutz nicht als lästiges Anhängsel begriffen, "sondern als einen integrierten und selbstverständlichen Bestandteil des Managements."

Im fünften Jahr ihres Bestehens stellte die Stiftung heute in Bonn repräsentative Projekte vor, die sie speziell in Zusammenarbeit mit innovativen mittelständischen Unternehmen seit Stiftungsgründung im Kernbereich des produktionsintegrierten Umweltschutzes gefördert hat. In Foren, begleitenden Ausstellungen und einer Plenarveranstaltung bot sie der interessierten Öffentlichkeit die Gelegenheit, sich über die umweltrelevante Innovationskraft bundesdeutscher Unternehmer ein Bild zu machen.

Neben Kohl sprachen vier mittelständische Unternehmer und stellten ihre von der Stiftung geförderten Projekte vor. Raimund Rimmele, Geschäftsführer des Ziegelwerks Georg Rimmele im baden-württembergischen Ehingen, präsentierte seine Entwicklung eines hochwärmedämmenden Mauerziegels. Siegfried Stocker, Geschäftsführer der Ludwig Stocker Hofpfisterei in München, redete über ein neues Konzept zur rationellen Energienutzung in seiner Brotbäckerei.

Aus dem sächsischen Markranstädt sprach Dr.-Ing. Rolf Schirner, Geschäftsführer der Firma Ceresan, über ein neues Verfahren zur Herstellung von trocken modifizierten Weizenmehlen, bei dem die durch den bisher üblichen Einsatz von Stärke hohen Abwasserlasten vermieden werden. Und Dr. Bernhard Weßling, Geschäftsführer der Firma Zipperling Kesseler & Co. im schleswig-holsteinischen Ahrensburg, präsentierte in Bonn sein neues Rostschutzverfahren.

In den insgesamt sieben Foren, die als ein "Markt der Möglichkeiten" den Stand innovativer Umweltschutztechnik aus mittelständischen Unternehmen in Deutschland dokumentierten, waren zusätzlich Firmen aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen und Hessen vertreten. Thematisch ging es unter anderem um schadstoffarme Motoren und umweltrelevante Innovationen im Bereich des Recyclings von Spraydosen, um Ressourcenschonung durch verstärkte Nutzung nachwachsender Rohstoffe oder um innovative Medizintechnik. Auch neue Konservierungsverfahren zum Schutz umweltgeschädigter Kulturgüter, Computertechnik als Hilfe für Umweltplaner in Wirtschaft und Politik sowie Umwelttechnik aus dem Mittelstand für den internationalen Markt wurden vorgestellt.

In begleitenden Ausstellungen wurden auch die Aspekte der Umweltinformation und Umweltberatung für mittelständische Betriebe vertieft. Auch hier engagiert sich die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit Millionenbeträgen.