Osnabrück. "Kein Wirtschaftszweig verkörpert das Prinzip der Nachhaltigkeit so sehr wie das Handwerk. Langlebigkeit, Wartungsfreundlichkeit, Wiederverwertbarkeit und die Verwendung natürlicher und nachwachsender Materialien wie Holz gehören hier zum Alltag." - Mit diesen Worten erläuterte heute Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), anlässlich der Einweihung der
Bildungsakademie des Lingener Handwerks in Lingen die Bedeutung dieser Branche für den Umweltschutz. Von Beginn an habe die DBU die umweltorientierte Ausrichtung kleiner und mittelständischer Betriebe zu ihrem Schwerpunkt erklärt. Seit der Gründung vor elfeinhalb Jahren hat die Umweltstiftung 48 Millionen Euro in über 100 Projekte und Bildungsmaßnahmen des Handwerks investiert.
Vorzeigeprojekt "Solar - na klar!"
Ein Vorzeigeprojekt sei die mit zwei Millionen Euro von der DBU unterstützte, inzwischen ausgelaufene Initiative
"Solar - na klar!", die Ende letzten Jahres von der
EU-Kommission als beste nationale europäische Kampagne für erneuerbare Energien ausgezeichnet wurde. Hier habe man erfolgreich Verbraucher mit dem Solarhandwerk zusammengeführt. "Solar - na klar!" sei die größte bundesweite und herstellerneutrale Informationskampagne für Solarwärme. 7.600 Handwerksbetriebe hätten als Marktpartner für die Aktion geworben werden können, in deren Verlauf über 200.000 Broschüren verschickt worden seien. Von den 100.000 Anrufern, die sich über die Aktion informiert hätten, hätten 27.000 am Ende Sonnenkollektoren auf ihren Dächern installiert. Neben dem
Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) sind der
Zentralverband Sanitär, Heizung Klima, der
Deutsche Fachverband Solarenergie, die
Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, der
Bundesverband Solarenergie, der
Bundesverband Deutscher Fertigbau, der
Bund Deutscher Architekten und der
Deutsche Naturschutzring an der Kampagne beteiligt.
Handwerkliche Produkte langlebig und reparaturfähig
Handwerkliche Erzeugnisse seien im Gegensatz zu Wegwerfprodukten stets auf Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit ausgerichtet. Die Tradition des Handwerks habe Bezug zu regionalen Strukturen und nutze die vor Ort gegebenen Quellen. So sei Holz ein natürlicher Werkstoff, der sich vollständig nutzen lasse. Sogar das bei Sägewerken anfallende naturbelassene Restholz könne noch verwertet werden. Die Firma
Wodtke aus Tübingen-Hirschau habe erfolgreich einen Ofen entwickelt, der mit aus diesen Reststoffen produzierten Holzpellets beheizt werde. "Durch einen Wasserwärmetauscher kann der Ofen zudem in Heizungssysteme von Häusern integriert werden und diese mit Wärme und Warmwasser versorgen", hob Brickwedde hervor. Holz sei einer der wichtigsten nachwachsenden Rohstoffe. Er binde im Laufe seiner Lebensphase soviel Kohlendioxid an sich, wie er bei der Verbrennung abgebe. Das Wodtke-Projekt wurde von der DBU mit 204.500 Euro gefördert.
Sanierung denkmalgeschützter Bauten für modernes Handwerk machbar
Auch die umweltorientierte Sanierung von Altbauten und denkmalgeschützten Gebäuden sei für das moderne Handwerk machbar. Ökologische Baustoffe und gezielte Wärmedämmungsmaßnahmen zur Energieeinsparung seien mit der Erhaltung von einzigartigen Fassaden vereinbar. Dies hätten viele geförderte Projekte bewiesen, in denen Handwerk und Denkmalschutz gemeinsam Konzepte erarbeitet und umgesetzt hätten. Unter anderem habe man mehrere Gebäude der
Franckeschen Stiftungen in Halle und einige
Bürgerhäuser in Lübeck unter den Aspekten des Klimaschutzes und der Bewahrung der national wertvollen Denkmäler restauriert. Die in solchen Projekten gewonnenen Erkenntnisse seien dabei stets aufbereitet und für interessierte Fachleute zur Verfügung gestellt worden. "Bei unseren Projekten geht es nicht nur darum, neue umweltorientierte Wege zu finden und in der Praxis zu testen, sondern auch den Multiplikatoreffekt von Bildungseinrichtungen des Handwerks zu nutzen, um neue Standards zu etablieren", fasste Brickwedde zusammen.
Zehn Millionen DBU-Euro für Umweltzentren des Handwerks
Direkt mit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit vor elfeinhalb Jahren hatte die DBU erstmalig eine breite Plattform für das Thema Umweltschutz im Handwerk geschaffen. Mit einer Anschubfinanzierung von mehr als zehn Millionen Euro hatte sie acht von insgesamt zehn
Umweltzentren des Handwerks in Deutschland initiiert. So entstanden leistungsfähige an den Bedürfnissen der Praxis orientierte "Dienstleistungszentren des Handwerks".