29.08.2002 | Innovative Klärtechnik aus Sachsen schützt Fische vor Krankheiten

Busse GmbH will kostengünstige Biomembran-Anlage bauen - Neuartige Wasserkreislaufführung schafft Einsparung und entlastet die Umwelt

Kabeljau, copyright AWI/ Foto: Torsten Fischer
Von der Überfischung der Weltmeere bedroht: Der Nordsee-Kabeljau. (Quelle: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung)
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Baalsdorf/Osnabrück. Mit einer neuen Klärtechnologie will ein sächsisches Spezialunternehmen die steigende Nachfrage nach Fisch als Alternative umwelt- und gesundheitsfreundlich stillen und gleichzeitig der Überfischung der Weltmeere entgegentreten. Die Anlagen der Busse GmbH aus Baalsdorf bei Leipzig sollen neben einer Unabhängigkeit der Fischzucht von Gewässern vor allem ökologische und hygienische Vorteile garantieren: "Auf Basis der Biomembrantechnologie wird für die Zuchtbetriebe eine Kläranlage mit Kreislaufführung entwickelt, die den Wasserverbrauch nicht nur auf ein Minimum senkt, sondern auch den denkbaren Einsatz von Arzneimitteln in der Fischzucht durch optimierte Reinigung erübrigt", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, die das Projekt mit 353.000 Euro fördert. Einer weiteren Überfischung könne auf diese Weise unproblematisch und ohne gesundheitliche Risiken eine echte Alternative gegenübergestellt werden.

Ökosystem Meer durch Fischerei im Industriebmaßstab empfindlich gestört

Das Ökosystem ganzer Meerregionen werde durch das industrialisierte Abfischen riesiger Mengen aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) seien bereits 60 Prozent der wichtigsten 200 Fischbestände überfischt. "Begehrte Speisefische wie der Nordsee-Kabeljau gelten bereits als ausgerottet", so Brickwedde. Mithilfe der von der Firma Busse entwickelten Anlagen solle hingegen eine weitere Überfischung vermeidbar werden. Zudem sollten die Binnengewässer vom Abwasser der Intensivfischzucht entlastet, der anfallende Klärschlamm verringert werden und leicht zu entsorgen sein. Wichtig sei den Projektpartnern dabei die Möglichkeit einer kostengünstigen Nachrüstung bestehender Anlagen mit dem neuen System.

Fisch als Alternative zu Fleisch: Nachfrage steigert sich zunehmend

Weltweit gehe man von einer überproportional steigenden Nachfrage nach Fisch aus. Bei Meeresfisch werde die biologisch maximal mögliche Fangmenge jedoch bald erreicht. Um den ständig wachsenden Verbrauch zu decken, räumten Experten Fischzuchtanlagen eine wichtige Rolle ein. Diese verbrauchten jedoch bisher noch hohe Mengen Trinkwasser und Energie. Außerdem berge das System einer Wasserkreislaufführung die Gefahr einer möglichen Keimbelastung. Diese Probleme solle die neue Anlage bewältigen. Gemeinsam mit dem Institut für Binnenfischerei (Potsdam), dem Institut für Bakteriologie und Mykologie (Leipzig), den Teichwirtschaften Wermsdorf/Torgau sowie dem Haus der Umwelt e. V. (Leipzig) sollen Lösungen entwickelt werden, die die Umwelt und die Gesundheit der Fische und Verbraucher schonen.

Nach Erprobung in Versuchsanlage Übertragung in den Praxisbetrieb

Zunächst wolle man in einer fünf Kubikmeter kleinen Anlage die Technik testen und dann in einem Prototyp von 50 Kubikmetern das System auf Großanlagen übertragbar machen. "Dabei will die Busse GmbH ein Kreislaufsystem entwickeln, das relativ unabhängig von vorhandenem Frischwasserreserven arbeiten kann", sagte Brickwedde. Damit solle auch Gegenden, in denen Trinkwasser nicht in ausreichendem Maße vorhanden sei, die Möglichkeit zur Fischzucht gegeben werden. Bisherige Systeme, die auf dem Durchsatz von großen Wassermengen basierten, schlössen diese Alternative von Beginn an aus und seien in Wasserverbrauch und -belastung ein ernstzunehmendes Problem.

Trinkwasser: weniger Verbrauch und weniger Belastung

Das Trinkwasser müsse bei diesen Anlagen immer wieder aufs Neue von durchschnittlich zehn auf bis zu 25 Grad aufgeheizt werden. "Der Energiebedarf dieser Anlagen ist zu hoch, Kreislaufanlagen jedoch schließen diese Probleme aus", betonte Brickwedde. Durch die Biomembrantechnologie sei zudem eine kontinuierliche Verminderung der Krankheitserreger im Anlagenwasser möglich. Damit werde der vorbeugende Einsatz von Medikamenten vermindert, vielleicht sogar ganz vermeidbar. Die nahezu abwasserfreie Konzeption der Anlage, bei der nur Verdunstungsverluste ersetzt werden müssten, entlaste zudem die örtlichen Kläranlagen. Auch der anfallende Klärschlamm sei für die Umwelt nicht bedenklich und als Dünger auf landwirtschaftliche Flächen aufbringbar. Damit stelle die Anlage nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die laufenden Kosten der Betreiber eine Entlastung dar.