Osnabrück. Für ein bundesweit einmaliges Projekt im Bereich der Umweltbildung und -erziehung ist heute mittag in Dissen am Teutoburger Wald der offizielle Startschuß gefallen. Aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) , Osnabrück, nahm Projektleiter Professor Dr. Christian Salzmann für den "Osnabrücker Verein zur Förderung des Regionalen Lernens" die Förderbewilligung über zweckgebundene Mittel in Höhe von 1,5 Millionen Mark entgegen, mit dem Teile des Noller Bachtales renaturiert werden sollen. Das Besondere: 25 Schulen verschiedenster Schularten und -stufen mit 70 Klassen und rund 1.500 Schülern werden in koordinierter Kooperation dieses großflächige Landschaftsareal wieder für die Natur zurückgewinnen. Durch ihre aktive Einbeziehung in Planung und Handlung soll den Schülern nicht nur eine bloße "Spielwiese" zugewiesen werden. Ihr Engagement für die Umwelt stellt den "Ernstfall" dar.
Vor Medienvertretern erläuterte Brickwedde in Dissen, daß die Renaturierungsmaßnahmen einen instrumentellen Charakter hätten. Sie seien das Übungsfeld für die eigentliche Zielsetzung des Modellvorhabens, das bei Schülern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Sensibilisierung und ein Verständnis für Umweltschutzfragen unter Einbindung in konkrete Planungs- und Handlungsprozesse erreichen wolle. Einsichten in die bestehenden Rahmenbedingungen und unterschiedlichen Interessenlagen sollten vermittelt, Fachkompetenzen entwickelt und die Bereitschaft geweckt werden, für die Gestaltung und Erhaltung der regionalen Umwelt Veranwortung zu übernehmen.
"Die Schüler werden durch ihre aktive Beteiligung an der Planung und Umsetzung von Einzelmaßnahmen in das Gesamtvorhaben eingebunden, indem sie beispielsweise den Ist-Zustand des Bachtals erkunden und kartieren, durch den Menschen verursachte Störstellen am Bach aufdecken, die Notwendigkeit eines korrigierenden Eingriffs erkennen und entsprechend motiviert an der Erstellung eines Maßnahmenkatalogs für die bevorstehende Renaturierung mitwirken," erläuterte Brickwedde weiter. Die geplanten Renaturierungsmaßnahmen bezögen sich u.a. auf die Entfernung von Verrohrungen, die Verlagerung des Bachbettes, den Rückbau von angelegten Teichanlagen, die Ersetzung des Fichtensaums am Bachufer durch einen Erlen- und Eschenbestand, die Nachzucht seltener Fischarten oder die Anlage von Flachuferzonen.
Eine Ursache für die bestehenden Defizite an Umweltbildung im schulischen Bereich lägen in der nach wie vor starken Ausrichtung auf bloßes Schulbuchwissen ohne konkreten Bezug zur Wirklichkeit. Indem die beteiligten Schulen sich öffneten und die Schüler aus der Geschlossenheit der Schule in eine offene Lernsituation hineingenommen würden, die sie selber mit beeinflussen und gestalten könnten, böten sich völlig neue und bessere Lernmöglichkeiten. Salzmann: "Indem die Kinder und Jugendlichen aus der Geschlossenheit der Schule, des Schulbuchwissens, heraustreten und eine entsprechende Aufgabe übernehmen, werden sie ein besonders hohes Maß an Kompetenzen entwickeln."
Der Verein habe, ergänzte zweiter Vorsitzender Heinrich Baeumer, in Nolle in den vergangenen Jahren durch den Um- und Ausbau einer alten großen Wandergaststätte ein umweltpädagogisches Bildungs- und Aktionszentrum "Lernstandort Noller Schlucht" geschaffen, das für die Durchführung des Renaturierungsprojekts eine ideale Voraussetzung darstelle. Der Lernstandort mit Schülerlabors, Gewächshäusern, Mehrzweckhalle, Küchen, Jugendwerkstatt u.a. Einrichtungen biete die Infrastruktur, um das geplante Projekt vor Ort durchführen zu können. Die Laufzeit des Langzeitprojektes sei auf vier Jahre angelegt - dies sei der Mindestzeitraum, um die geplanten Maßnahmen und Veränderungen in der Natur mit den Schülern so durchzuführen, daß sie die Folgen der Renaturierung im Ansatz wahrnehmen könnten. In Absprache mit den zuständigen Institutionen und Behörden sei es gelungen, einen angemessenen Organisationszusammenhang zu schaffen, der es zulasse, das Renaturierungsprojekt in Angriff zu nehmen. Die Mitwirkung unterschiedlichster Kooperationspartner gewährleiste, daß die Renaturierungsmaßnahmen sachlich in korrekter Weise erfolgten.