16.04.1996 | "Öko-Audits - erfolgreich gestalten"

Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte Projekt "Öko-Audit-Leitfaden und Arbeitsmaterialien zur Zertifizierung" mit 190.000 Mark

Waldenburg. Mittelständische Unternehmen können die in der EG-Öko-Audit- Verordnung geforderten Regeln, Vorschriften und Verfahren jetzt leichter umsetzen. Um bestehende Unsicherheiten abzubauen, wurden vom Öko-Institut Darmstadt mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, ein Öko-Audit-Leitfaden und Arbeitsmaterialien zur Zertifizierung erstellt. "Dieser Leitfaden wird Betriebe unabhängig von der Branche befähigen, die erstmalige Umweltprüfung eigenständig vorzubereiten und ist ein wichtiger Beitrag zur stärkeren Einführung von Umweltmanagementsystemen in Unternehmen", erklärte der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde , heute vor Journalisten. Der Generalsekretär hatte sich in einem Gespräch mit dem Vorstand des Modells Hohenlohe , einer Umweltschutzinitiative mittelständischer Unternehmen in Waldenburg (Baden-Württemberg), über die Umsetzung in einzelnen Betrieben informiert.

Zur Erarbeitung eines Schemas für die Entwicklung von Umweltmanagementsystemen und für die Durchführung von Öko-Audits waren bei den Firmen Gebhardt Ventilatoren GmbH & Co., Waldenburg , und der Georg Kohl GmbH & Co., Brackenheim - einem Maschinenbau-Unternehmen bzw. einer Druckerei mit je ca. 350 Mitarbeitern -, Modell-Audits durchgeführt worden. Die dabei gesammelten praktischen Erfahrungen wurden in einem Leitfaden dokumentiert, der den Firmen "Hilfe zur Selbsthilfe" bietet. Die Publikation ist beim Economica Verlag, Bonn, erhältlich.

In der Region unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt daneben ein Entwicklungsvorhaben der Fa. Erwin Müller Spezialtiefbau in Bad Rappenau zur Behandlung antimonhaltiger Schlämme und Stäube. Antimon ist ein chemisches Element, das als Legierungszusatz zu Blei, zu Lagermetallen und in Kunststoffrezepturen Anwendung findet. Antimonhaltige Schlackehalden sind ein weltweit bisher nicht gelöstes Umweltproblem. Die entwickelte Technologie ist zudem auch für den Bereich der Abwasserreinigung interessant.

Mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wird in Niedernhall bei der Fa. Würth Elektronik , die auch Mitglied im Modell Hohenlohe ist und bereits ein Öko-Audit durchgeführt hat, in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden an der Entwicklung einer recyclingfähigen Leiterplatte gearbeitet. Leiterplatten, die z.B. in Fernseher eingebaut sind, werden bislang überwiegend deponiert und nur in geringem Umfang einer Verwertung zugeführt, so daß die Entwicklung einer recyclingfähigen Leiterplatte einen bedeutenden Beitrag zur Umweltentlastung darstellt.

In einem weiteren Förderprojekt geht es um die Erstellung von Checklisten und eines Handbuchs für ein ökologieorientiertes Transportmanagement in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Publikationen, die vom Institut für angewandte Verkehrs- und Tourismusforschung, Heilbronn , und vom Institut für Ökologie und Verkehrsforschung, Oestrich-Winkel , erstellt werden, sollen umsetzbare Verhaltensmaßnahmen für die alltägliche Arbeit von Speditionen und Transportbetrieben aufzeigen.

Schließlich wird ein Projekt des Umwelt- und Geotechnischen Instituts Dr. Neumayr in Crailsheim unterstützt, in dem Sanierungstechniken für Schadstoffe in problematischen geologischen Formationen optimiert werden.

Insgesamt hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Baden-Württemberg bislang 148 Projekte mit einer Fördersumme von insgesamt rund 52 Millionen Mark unterstützt.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf den vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen und privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden insgesamt rund 1.900 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 900 Millionen Mark gefördert.