Münster/Greven. Die allsommerlichen Schlagzeilen "Biotonne - Fliegen, Maden und Gestank" sind in Greven im Münsterland bald kein Thema mehr. Die Stadt begann heute als erste deutsche Gemeinde mit der flächendeckenden Umrüstung ihrer Biotonnen mit einem bürgerfreundlichen, neuen Filterdeckel, der die bisherigen Probleme beseitigt. Damit fiel der Startschuß für die Serienproduktion nach dreijähriger Entwicklungsarbeit, an der das Institut für Hygiene und das Zentrum für Umweltforschung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster sowie die Firma Biologic, Gesellschaft für Biologie und Umweltschutz (Münster) , beteiligt waren. Gefördert wurde die Entwicklung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück.
Die getrennte Sammlung von Biomüll, der mehr als ein Drittel des Hausmülls ausmacht, ist gesetzlich geregelt und stößt grundsätzlich auf große Akzeptanz und Unterstützung bei den Bürgern, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Wermutstropfen jedoch seien die bisher nicht zu vermeidenden extremen Geruchsbelästigungen im Sommer bei gleichzeitiger Massenentwicklung von Fliegen und Maden sowie anderem Ungeziefer gewesen, so Günter Grodde , Geschäftsführer der Entwicklungsfirma Biologic GmbH. Diese Probleme hätten schließlich auch zu einer Forderung nach "dicht schließenden, ratten- und fliegensicheren Berhältern" geführt. Auch Gebührenerhöhungen, die besonders dann notwendig seien, wenn aus guten Gründen im Sommer der Biomüll wöchentlich abgeholt werden müsse, hätten die ungetrübte Freude umweltbewußter Bürger gestört, so Grodde.
Vorausgegangen seien ausführliche Praxistests sowie grundlegende wissenschaftliche Untersuchungen in den heißen Sommern 1994 und 1995. Diese "Feuerprobe" habe das neue Biofiltersystem zur vollsten Zufriedenheit der knapp 100 Haushaltungen und der zahlreichen Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen bestanden.
Franz-Georg Elpers , Pressesprecher der Deutschen Bundesstiftung Umwelt: "Die neue Biotonne mit Biofilter leistet einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der Probleme im Bereich der Biomüllentsorgung. Wir freuen uns, mit der Förderung dieses innovativen Projektes einer bürgerfreundlichen Biomüllabfuhr zu mehr Akzeptanz verholfen zu haben."
Die an der Ems gelegene Stadt Greven übernehme nun eine beispielhafte Vorreiterrolle. "Die guten Ergebnisse und die zwischenzeitlich überall auftretenden Probleme in heißen Sommermonaten haben uns überzeugt", erklärte Amtsleiter Rolf Heckhuis das Engagement der Stadt. "Durch die flächendeckende Umrüstung auf das neue System können wir auch im Sommer auf eine - durch erhöhten Personal- und Fahrzeugaufwand unverhältnismäßig teure - wöchentliche Abfuhr von Biomüll verzichten. Dabei müssen aber weder unzumutbarer Gestank, Maden noch gesundheitliche Belastungen in Kauf genommen werden."
Doch nicht nur die Stadt Greven habe die Vorteile des neuen Systems erkannt. "Zahlreiche Anfragen von Städten, Gemeinden und Entsorgungsunternehmen füllen bei uns bereits mehrere Ordner", weiß Grodde zu berichten. "Auch die Firma Kliko aus Herzebrock im Kreis Gütersloh, die Herstellung und Vertrieb des neuen Systems übernommen hat, ist mit den bisher eingegangenen Anfragen und Aufträgen mehr als zufrieden."