Osnabrück. Düngung und Pflanzenschutz sind in der Landwirtschaft unumgänglich. Jedoch können damit - auch im biologischen Landbau - Umweltbelastungen verbunden sein. Neue Landmaschinentechnik soll zukünftig weitere Umweltentlastungen durch gezielte Ausbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln schaffen, nachdem 1995 erstmals seit Ende der 80er Jahre der Düngemittelein-satz wieder gestiegen ist. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück diesem Geld werden vier Projekte von Schleswig-Holstein bis Sachsen unterstützt. Der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, betonte, die geplanten Entwicklungen seien ein wichtiger Schritt hin zu einer umweltschonenderen landwirtschaftlichen Bodennutzung ohne Qualitäts- und Ertragseinbußen.
Mit rund einer Million Mark erhält die Firma Blunk in Rendswühren (Schleswig-Holstein) den größten Teil der Gesamtfördersumme. Ihr Vorhaben, so Brickwedde weiter, ziele darauf ab, bisher in der Landwirtschaft verwendete Miststreuer so zu verbessern, daß auch Bioabfall und Klärschlammkomposte besser dosiert und damit umweltverträglicher über die Ackerflächen in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden können. Die derzeitig verfügbare Technik arbeite hinsichtlich der Mischung und Verteilung der wirtschaftseigenen Düngemittel wie Klärschlamm und Bioabfall zum Teil mit sehr großen Schwankungen. Ziel des Projektes sei es, zum einen über eine besondere Misch- und Zerkleinerungsanlage eine einheitliche Beschaffenheit des Düngers zu erreichen. Zum anderen wolle man Streugeräte entwickeln, die eine gleichmäßige Verteilung des Materials auf dem Acker ermöglichen. Beispielsweise werde daran gedacht, über berührungslose Messungen der Fahrgeschwindigkeit mit Hilfe eines Radarsensors eine gleichbleibende Verteilung, insbesondere in Fahrtrichtung, auch bei schwankender Fahrgeschwindigkeit zu erhalten.
Bei der Umsetzung des Projektes arbeite die Firma Blunk mit zwei Universitätsinstituten aus Kiel und Kassel sowie einem Entsorgungsunternehmen aus Lohfelden bei Kassel und einem Hersteller für Kompoststreuer aus Goldenstedt (Niedersachsen) zusammen.
Wie Fritz Brickwedde weiter ausführte, befasse sich auch der Fachbereich Bodenkultur der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Leipzig und das Umweltforschungszentrum Halle-Leipzig mit der biologischen Düngung. Allerdings ginge es bei diesem Vorhaben um die Lösung eines Problems des biologischen Landbaus, in dem auf den Einsatz mineralischer Dünger verzichtet wird. Im biologischen Landbau werde in erster Linie mit Stallmist und durch die Aussaat von Leguminosen, also Hülsenfrüchten wie Erbsen, Bohnen oder Wicken, gedüngt. Diese Düngung sei aber ackerbaulich kaum steuerbar, so daß besonders im Winterhalbjahr, in der vegetationsfreien Zeit, Stickstoffe in das Grundwasser gelangten oder als Gase in die Luft entwichen. Ziel des Projektes sei es deshalb, einen optimalen Einsatz dieser Düngungsform und ackerbauliche Maßnahmen zur Verminderung der Stickstoffverluste zu entwickeln. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt für diese Untersuchung rund 644.000 Mark zur Verfügung.
Im dritten Fördervorhaben gehe es um die Verminderung chemischer Pflanzenschutzmittel durch ein gezielteres Aufbringen. Das Institut für Betriebstechnik der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig-Völkenrode und die Firma AGRO-SAT in Berlin befasse sich mit der Weiterentwicklung optischer Unkrauterkennungssysteme. Sie seien mit Fotosensoren zur digitalen und elektronischen
Bildauswertung ausgestattet. In den USA und Australien sei es gelungen, mit dieser Technik 35 bis 85 % an Pflanzenschutzmitteln einzusparen; allerdings nur bedingt im landwirtschaftlichen Einsatz und bei der Unkrautbekämpfung an Bahndämmen sowie unter anderen klimatischen Voraussetzungen. In diesem Projekt gehe es darum, so Fritz Brickwedde weiter, die vorhandene Technik für die Ansprüche der mitteleuropäischen Landwirtschaft weiterzuentwickeln. Dazu sei beispielsweise geplant, eine direkte Computerverbindung von den Fotosensoren über den Ackerschlepper zum Spritzgerät zu erproben. Unterstützt werde das Vorhaben mit rund 443.000 Mark seitens der Stiftung und mit Maschinen und Spritzgeräten der Landmaschinenfabrik Rau aus Weilheim (Baden-Württemberg).