Blick in den Ausstellungsbereich des ZUK mit 6,50 Meter hohen Decken. Rechts das Gebäude der DBU.
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In direkter Nachbarschaft zum neuen Konferenz- und Ausstellungsgebäude der gemeinnützigen Tochter ZUK gelegen: das Verwaltungsgebäude der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.
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Wichtige Innovationen des ZUK-Neubaus sind hier zu sehen: das Membrandach, das Kiesbett zur Regenwasserversickerung, die mit Naturfarbe rot lasierten Holzpfähle.
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Hier im Rohbau deutlich zu erkennen: Das tragende Element des Neubaus ist ein nachwachsender Rohstoff: Holz.
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Größte Innovation des neuen Konferenz- und Ausstellungsgebäudes: das Membrandach.
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Osnabrück. Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gGmbH - dieser Name verlangt nach einem einprägsamen Kürzel: ZUK. Dahinter verbergen sich geballte Innovationen für Umweltschutz und Bauökologie. Das neue Konferenz- und Ausstellungsgebäude, das heute von Dr. Theo Waigel, Stiftungsgründer und Bundesfinanzminister a. D., Prof. Dr. Hans Tietmeyer, Vorsitzender des DBU-Kuratoriums, und Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip auf dem ehemaligen Parkplatz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) eingeweiht wurde, demonstriert auf 3.000 Quadratmetern Grundfläche Möglichkeiten ökologischen Bauens. Wie schon die vor sieben Jahren eingeweihte Geschäftsstelle soll auch das ZUK Bauherren und -träger durch Innovationen inspirieren. Das tragende Element des vom Münchner Architekten Prof. Thomas Herzog geplanten Niedrigenergiegebäudes besteht aus Holz - einem nachwachsenden Rohstoff. Die wesentliche Innovation des ZUK ist das vom Architekten neue entwickelte Membrandach.
Flexibles Konzept erlaubt individuell angepasste Nutzung
15.000 Kubikmeter umbauter Raum, ein dreifach teilbarer, 300 Quadratmeter großer Konferenzraum, der bis zu 200 Personen Platz bietet sowie 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche, Büros und Lagerflächen: Das flexible Konzept von Herzog, der auch das riesige Holzdach der EXPO 2000 in Hannover entwarf, werde allen zukünftigen Ansprüchen gerecht, so Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU. Die Konstruktion ermögliche eine flexible Raumnutzung und erleichtere künftige Änderungen. Im Mittelpunkt steht aber das Membrandach. Gerade für ein Konferenz- und Ausstellungsgebäude sei sehr gutes Licht unabdingbar - wenn es über den Zenit in ein Haus falle, genüge schon eine relativ kleine Öffnung, um viel Helligkeit hinein zu führen.
Membrandach als größte Innovation des Neubaus
Diesen Ansprüchen folge die Membrandachkonstruktion. Das lichtdurchlässige Dach kombiniere die Möglichkeit der passiven Solarenergienutzung - Wärmeenergie im Winter und Tageslicht durch Zenitlicht - mit hohen Komfortanforderungen an Raumklima, Licht und Akustik nach den speziellen Bedürfnissen der darunter liegenden Räume und ihrer Nutzer. Jedes Dachfeld könne durch seinen mehrlagigen Aufbau der jeweiligen Raumnutzung individuell angepasst werden. So bestehe über dem Bürobereich und dem Lager die innenliegende Schicht aus einer stark gedämmten geschlossenen Ebene mit hoher Wärmeschutz- und Schallschutzqualität. Über den Konferenz- und Ausstellungsräumen sei der Gesamtaufbau lichtdurchlässig. Gleichzeitig gestatte die computergesteuerte Tageslichttechnik ein Verschatten oder Verdunkeln der Räume durch drehbare Lamellen, die dem jeweiligen Sonnenstand nachgeführt würden, um im Sommer Überhitzung zu vermeiden und im Winter für angenehme Raumtemperaturen zu sorgen.
Naturnahe Regenwasserversickerung entlastet öffentliches Kanalnetz
Gerade vor den aktuellen Hochwasserereignissen gewinne eine Innovation an Bedeutung: Der Neubau des ZUK beziehe Regenwasserversickerung aktiv in sein Baukonzept ein. Der Parkplatz werde hier nicht versiegelt, sondern mit einem Mulden-Rigolen-System ausgestattet, das das Regenwasser zurückhalte und im Untergrund versickern lasse. An den Rändern befänden sich Fugen, in die das Regenwasser geleitet werde. Auch das Niederschlagswasser des Daches werde in dieses System geleitet. Das öffentliche Wassernetz werde entlastet, das Grundwasser mit gereinigtem Regenwasser angereichert. Sollte einmal sehr viel Regen fallen, so gelange das Wasser über einen Überlauf in das Kanalnetz. Ebenfalls auf dem Gelände befinde sich ein Regenwasserbecken. Durch das im Becken befindliche Kiesbett werde das Wasser gereinigt an den Untergrund abgegeben. Zugleich verbessere sich das Kleinklima durch Befeuchtung der Luft, die Verdunstung des Wassers habe kühlende Funktion. Kleinlebewesen wie Insekten und Amphibien fänden einen neuen Rückzugsraum.
Kühlung durch Grundwasser
Die Fußbodenheizung übernehme im Sommer die Funktion einer umweltschonenden Kühlung, indem durch die Rohre durch Grundwasser gekühltes Wasser fließe und damit für angenehme Temperaturen in den Räumen sorge. Daneben werde mithilfe von Grundwasser bei Bedarf auch die Außenluft für eine mechanische Lüftung gekühlt. Im bestehenden Verwaltungsgebäude werde der Gas-Brennwert-Kessel durch ein Blockheizkraftwerk ersetzt, das beide Gebäude versorgen werde. Auf dem Dach des Neubaus werde eine Photovoltaikanlage installiert. Im Frühjahr werde eine Fassadenseite mit Solarkollektoren bekleidet, die das Energiekonzept um eine weitere Nutzung von erneuerbaren Energien ergänzten.
Vorbildliches Energiekonzept
Wie die Technik im energiesparenden Bauen voranschreite, zeige die Tatsache, dass bei dem neuen Konferenz- und Ausstellungsgebäude ein Heizenergiebedarf von 28 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr errechnet worden sei. Bei der Planung der DBU-Geschäftsstelle vor zehn Jahren hätten dagegen damals die errechneten 48 Kilowattstunden noch als vorbildlich für ein Niedrig-Energie-Bürogebäude gegolten. Um den gewünschten Multiplikatoreffekt für die fast 5.000 geförderten Projekte der Stiftung zu erreichen, sei es notwendig, ausreichende und moderne Räume für Tagungen, Fachkongresse und Seminare anzubieten. Die Präsentation konkreter Entwicklungen setze sich bei Fachleuten, Ingenieuren, Schülern und Studenten, die sich bei ihren Besuchen in Osnabrück mit Umweltthemen beschäftigen, viel eher fest als theoretische Abhandlungen.