Halle / Osnabrück. Innovative und zugleich bauwerkschonende Maßnahmen haben in den vergangenen Jahren geholfen, das "Lange Haus" der
Franckeschen Stiftungen in Halle für die Nachwelt zu erhalten. Die Förderung der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, für eines der größten Fachwerkhäuser Europas findet jetzt ihren abschließenden Höhepunkt. Dr.-Ing. E. h. Fritz
Brickwedde, DBU-Generalsekretär, überreichte jetzt Prof. Dr. Paul
Raabe, Vorsitzender des Kuratoriums der Franckeschen Stiftungen und Ehrenbürger der Stadt Halle, Prof. Helmut
Obst, Direktor sowie Dr. Udo
Hachmann, Verwaltungsdirektor, die Bewilligung über 1,57 Millionen Euro in Anwesenheit von Prof. Jan-Henrik
Olbertz, Kultusminister von Sachsen-Anhalt. Die Gesamtfördersumme der DBU für die Franckeschen Stiftungen liegt damit bei 6,67 Millionen Euro seit 1995.
Massiven Umweltbelastungen ausgesetzt
Über Jahrzehnte hinweg sei das europäisch bedeutsame Gebäude massiven Umweltbelastungen ausgesetzt gewesen, erinnerte Brickwedde. Die 1698 als Waisenhaus gegründete Stiftung sei durch die Emissionen der nahegelegenen Hochstraße ebenso geschädigt worden wie durch den zu DDR-Zeiten üblichen braunkohlebefeuerten Hausbrand und die Hochindustrie im Umkreis. Abwässer aus defekten Mischwasserkanälen hätten die Gebäudesubstanz von unten angefressen. Auf umweltverträgliche, modellhafte Weise hätten die Franckeschen Stiftungen in Zusammenarbeit mit Handwerk und Wissenschaft Konzepte zur Rettung und dem zukünftigen Erhalt des Baudenkmals entwickelt. So habe man bei der Sanierung darauf geachtet, natürliche Materialien zu verwenden. Als Dämmmaterial seien Schilfrohrmatten eingesetzt worden, die Anforderungen an Wärme-, Feuchte- und Schallschutz gleichermaßen erfüllten und damit den Heizenergieverbrauch senkten, ohne die einzigartige Fachwerkfassade zu verändern.
Modell für umweltverträgliche Sanierung
"Eine Fertigstellung des Gesamtgebäudes bedeutet nicht nur einen enormen Schritt für die weitere Arbeit der Franckeschen Stiftungen, sondern auch ein Modell für die umweltverträgliche Sanierung eines der größten denkmalgeschützten Fachwerkhäuser überhaupt", betonte Brickwedde vor Journalisten. Im Anschluss an das Pressegespräch luden die Franckeschen Stiftungen zur feierlichen Eröffnung des Historischen Speisesaals und seiner Übergabe an das Studentenwerk Halle ein.