29.11.2002 | Mit vereinten Kräften für den Erhalt wertvoller Fachwerkhäuser

Verein "Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg" gegründet - DBU gab Anschubfinanzierung von 194.400 Euro

Fachwerkzentrum Quedlinburg
In der Jugendbauhütte Quedlinburg vermittelt das Deutsche Fachwerkzentrum gemeinsam mit Pädagogen und Handwerkern die Tradition des Lehmbaus.
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Quedlinburg/Osnabrück. Handwerker in einer umweltorientierten Sanierung von Fachwerkhäusern weiterbilden und Bauherren über die Möglichkeiten ökologischen Bauens informieren: Dies sind neben der Arbeit mit Jugendlichen die beiden großen Ziele des Vereins "Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg". Zahlreiche Prominenz hatte sich heute zur Gründungsversammlung des Vereins im Salfeldtschen Palais der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Quedlinburg versammelt. Prominent sind auch die Träger des Vereins: Dr. Karl-Heinz Daehre, Minister für Bau und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt fand ebenso zustimmende Worte wie Wolfgang Böhm, Staatssekretär im Kultusministerium, Dr. Robert Knüppel und Gerhard Eichhorn, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sowie Dr. Eberhard Brecht, Bürgermeister der Stadt Quedlinburg. Gemeinsam und tatkräftig wolle man zukünftig für den umweltorientierten Erhalt von Fachwerkhäusern eintreten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, vertreten durch ihren Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, hatte dem Deutschen Fachwerkzentrum eine Anschubfinanzierung von 194.400 Euro gewährt.

Jugendlichen werden traditionelle Bautechniken vermittelt

Claudia Hennrich, Leiterin des Fachwerkzentrums, bedankte sich bei Reinhard Wehmeier, Geschäftsführer BauBeCon GmbH, Gotthard Voß, Landeskonservator, Klaus Schneider, Bankabteilungsdirektor der Mitteldeutschen Landesbank und Dr. Klaus Köhler von der Kreissparkasse Quedlinburg für die Unterstützung in den vergangenen Monaten, die die Gründung des Vereins erst möglich gemacht habe. Brickwedde hob in seiner Rede die Arbeit mit Jugendlichen in der "Jugendbauhütte Quedlinburg" hervor: "Hier werden junge Leute an historische Gebäude nicht nur herangeführt, sie erhalten auch die Gelegenheit, nach umfassender Information durch die Seminarleiter den Lehmbau zu erlernen, Sandsteinsockel und historische Fenster und Türen zu restaurieren." Mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen oder zu restaurieren, das fördere die Wertschätzung von historischen Kulturdenkmälern und sorge bei den Jugendlichen für einen bewussteren Umgang mit der Geschichte ihrer Stadt.

Barocker Kaufmannshof als Sitz des Zentrums völlig neu aufgebaut

Als den Satzungszielen angemessener Standort für den Verein wurde der barocke Kaufmannshof ausgewählt, der nach einer umfangreichen Rekonstruktion nun Platz für Verwaltung, Ausstellungsräume und Werkstätten bietet. In der kostenfreien Ökologischen Beratungsstelle werden der Allgemeinheit, interessierten Bauherren, aber auch Architekten, Ingenieuren, Handwerkern und Studenten Möglichkeiten und Wege zur Erhaltung und fachgerechten Sanierung von Altbauten durch den Einsatz umweltfreundlicher Werkstoffe erläutert. Die nun selbständig gewordene Institution arbeitete bereits in der Vergangenheit als Tochter des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalpflege (ZHD).

Handwerker profitieren von Weiterbildung durch Fachwerkzentrum

Auch der Mittelstand profitiere vom Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg und seinem Wissen und lasse eine Ausweitung der Bekanntheit des Zentrums über die Region hinaus erkennen: In die Sanierung des mittelalterlichen Dachstuhls der St. Stephanskirche zu Tangermünde, welche aufgrund ihrer hochwertigen Architektur und der wertvollen Ausstattung europäisch von Bedeutung sei, seien im Rahmen eines DBU-Vorhabens mittelständische Betriebe eingebunden, die sich in Quedlinburg qualifiziert hatten. Mit seinem Sitz in der Weltkulturerbe-Stadt nutze das Fachwerkzentrum eine jahrhundertealte Tradition, um auch in der Zukunft Traditionelles im Einklang mit der Umwelt zu bewahren.