Mainz/Osnabrück. Die Preisträger des diesjährigen Naturschutz-Preises
"muna 2002" (Mensch und Natur) stehen fest: Während der Sendung
"ZDF.umwelt" erfuhren die ehrenamtlichen Naturschützer heute live und vor Publikum, welche ihrer Ideen zum Schutz der Natur die Jury überzeugen konnten und mit jeweils 5.000 Euro prämiert werden. Überraschend groß sei die Zahl der Einsendungen gewesen: Mehr als 200 Privatpersonen und Initiativen aus allen Teilen der Republik und dem benachbarten Ausland beteiligten sich an dem Wettbewerb. Die Jury, bestehend aus den Vorsitzenden der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände und weiteren fachkundigen Experten, hatte die Qual der Wahl, denn auch das Spektrum der Projekte, die Bürger zum Schutz der Natur ins Leben gerufen haben, war beeindruckend. "Das große Interesse an der muna zeigt, dass Natur- und Umweltschutz für viele Ehrensache ist. Ohne ehrenamtliches Engagement würde auch hier alles zusammenbrechen", erläuterte Dr.-Ing. E. h. Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, heute vor Journalisten in Mainz. Neben der fachlichen Betreuung fördert die DBU den gemeinsam mit dem
ZDF und der Firma
Werner & Mertz (Frosch-Produkte) durchgeführten Wettbewerb mit 125.000 Euro - neben dem Preisgeld von insgesamt 25.000 Euro sind dies 100.000 Euro für Nachfolgeprojekte, die das Vorbild der Preisträger aufnehmen.
Die diesjährigen Preisträger wurden in den fünf Kategorien Idee/Innovation, Nachhaltigkeit, Umweltinformation/-kommunikation, Kinder- und Jugendpreis und Lebenswerk gewürdigt.
Blinden Menschen die Schönheiten der Natur begreifbar machen In der Kategorie Idee/Innovation gewann Lothar
Kranz vom
Verein Blindengarten Bremen. Der Bremer Blindengarten ist in seiner Art als einzigartig zu bezeichnen. Er ist der erste Blindengarten bundesweit und existiert bereits seit 14 Jahren. Rund 600 verschiedene Pflanzenarten werden den Besuchern präsentiert. An den Pflanzen angebrachte Etiketten sind in Blindenschrift (Brailleschrift) ausgeführt und geben Auskunft über einzelnen Arten. Relieftafeln am Eingang und im Innenteil des Gartens informieren über die Gestaltung der Anlage mit ihren 16 verschiedenen Erlebnisbereichen. Dabei ist der Garten natürlich nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen ein Erlebnis, sondern auch für Sehende. In seinen Bewerbungsunterlagen erläuterte Kranz dies als "Eintauchen in die Wahrnehmungswelt der Blinden". Sein herausragendes didaktisches Konzept zieht viele Besucher, aber auch Schulklassen an.
Der Blindengarten ist weiterhin Treffpunkt und Kommunikationszentrum für zwei benachbarte Seniorenheime. Er erfüllt somit auch eine generationenübergreifende Funktion als Standort der Naturschutzbildung. Auch das wissenschaftliche Interesse am Blindengarten ist erwähnenswert - immerhin war er bereits Gegenstand von 18 Diplomarbeiten deutscher und englischer Fachhochschulen und Universitäten. Die Konzeption des Blindengarten Bremen wurde bereits vielen Interessenten weltweit zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung und Pflege der Anlage erfolgt ausschließlich aus Spendenmitteln.
Den Flüssen mehr Raum geben
In der Kategorie "Nachhaltigkeit" siegte Walter
Oppel von der
BUND-Kreisgruppe Bad Bentheim. "Gebt den Flüssen wieder mehr Raum", lautet eine alte, immer wiederkehrende Forderung der Naturschutz- und Umweltverbände. Vor dem Hintergrund der aktuellen Hochwasserkatastrophen wird der Vorbildcharakter und die Nachhaltigkeit des Schaffens von Walter Oppel in besonderer Weise deutlich. Ihm ist es durch viele Gespräche mit verschiedenen Interessenverbänden und in Kooperation mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim, der Naturschutzstiftung des Landkreises sowie den Städten Nordhorn und Schüttorf gelungen, Flächenpools im Vechtetal im Sinne eines vom BUND entworfenen Entwicklungskonzeptes zu gestalten. Das "Entwicklungskonzept Vechteaue" ist langfristig angelegt und soll möglichst im Konsens mit den betroffenen Landwirten realisiert werden. Ein Teilziel ist die Erstellung eines Mosaiks zusammenhängender Feuchtlebensräume und die Retention in der Aue. Walter Oppel und seine Mitstreiter von BUND versuchen, dieses Modell an dem Fließgewässer Vechte in der Grafschaft Bentheim zu realisieren.
Ein weiteres von Walter Oppel betreutes Projekt ist die Renaturierung eines Hochmoorrestes. Auch hier ist es ihm gelungen, zur Kooperation zu bewegen und die Renaturierung eines selten gewordenen Lebensraumes zu initiieren.
Lebensräume der Natur zurückführen
In der Kategorie "Umweltinformation/-kommunikation" ging die "muna 2002" an Franz
Beer vom
BUND-Ortsverband Markdorf. Durch die große Anzahl, der durch die BUND-Gruppe Markdorf durchgeführten Initiativen und Veranstaltungen trägt der Verein in besonderer Weise dazu bei, Naturschutzideen und -projekte zu kommunizieren und die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung zu stärken. Hervorzuheben ist das Projekt "Storch & Stier" durch das mit Hilfe der Symbolfigur des Storches Verständnis und Einsicht für den Schutz von Feuchtlebensräumen geweckt werden soll. Dieser Effekt wird verstärkt durch die Beweidung der Flächen mit eindrucksvollen Heckrindern, einer Rückzüchtung des vor etwa 300 Jahren ausgestorbenen Auerochsen, dem Stammvater aller Hausrinder. Eine im betreuten Gebiet eigens angelegte Holzhütte ermöglicht es den Besuchern, die Tiere hautnah, aber störungsarm in ihrem Lebensraum live zu beobachten.
Modellhaft ist auch das vom BUND Markdorf initiierte Apfelsaftprojekt zur Erhaltung und Förderung von Streuobstwiesen. Ein garantierter Ankaufpreis für das Obst in Kombination mit hoher Qualität führten dieses Projekt zielsicher zum Erfolg. Es ist eine vielfach preisgekrönte Idee zum Schutz dieses ökologisch sehr wertvollen Lebensraumes, der seit Jahrhunderten nicht nur die Landschaft der Region Bodensee-Oberschwaben prägt.
Ökologie im Kleingartenverein? Ein Kinderspiel!In der Kategorie "Kinder- und Jugendpreis" konnte Dirk Münstermann vom Kleingartenverein Kraut & Rüben aus Bochum die Naturschutz-Trophäe mit nach Hause nehmen. Die ökologische Dauerkleingartenanlage "Kraut & Rüben" ist ein gutes Beispiel für die Gestaltung und Pflege eines naturnahen Garten im Einklang mit der Natur. Hervorzuheben ist insbesondere die Altersstruktur des Vereins. Derzeit gehören dem Verein 101 Mitglieder mit 92 Kindern an. Der Altersdurchschnitt des Vereins liegt mehr als 18 Jahre unter dem Bundesdurchschnitt vergleichbarer Interessengemeinschaften. Die Integration der Kinder in Gemeinschaftsarbeiten im Rahmen ökologischen Gartennutzung steht im Vordergrund der Vereinstätigkeiten. Den Kindern werden damit nicht nur schöne, erlebnisreiche Stunden in ihrer Freizeit geschaffen, vielmehr werden sie bereits früh an die Thematik einer naturverträglichen Landnutzung, aber auch an die Grundlagen ökologischer Zusammenhänge herangeführt. Kinder erlernen einen verantwortlichen, aber auch fröhlichen Umgang mit der Natur.
"Fledermausmann" für Lebenswerk geehrt
In der Kategorie "Lebenswerk" prämierte die Jury Wolfram Poick aus Bernstadt. Poick hat sich im Rahmen seiner fast 30-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit im Naturschutz verdient gemacht. Der dramatische Rückgang fast aller Fledermausarten in Mitteleuropa macht Schutzmaßnahmen dringend erforderlich. Viele der bei uns vorkommenden Arten sind akut vom Aussterben bedroht. Hier liegt der Schwerpunkt des Engagements von Poick. Im kontinuierlichen Selbststudium hat er sich mit der Biologie und Ökologie dieser Tiere auseinandergesetzt und setzt dieses Wissen vielfältig zum Schutz und der Förderung von Fledermäusen ein. Regelmäßig berät er Hauseigentümer bei Dachsanierungen und beteiligt sich aktiv bei der Sicherung von Sommerquartieren sowie der Erstellung bzw. Optimierung von Überwinterungsplätzen. Der Schutz von bedrohten Tierarten kann allein nicht nur durch den Schutz ihrer Habitate, der Nahrungsressourcen und ihrer Fortpflanzungs- und Überwinterungsstätten geleistet werden, sondern Artenschutz profitiert auch in besonderem Maße von engagierter Öffentlichkeitsarbeit. Hier liegt ein weiterer Verdienst von Poick, der in seiner Region als "Fledermausmann" bekannt ist. Durch die Vielzahl von Beratungs- und Aufklärungsgesprächen, aber auch für sein Engagement im Bereich der Umweltkommunikation mit Kindern und Jugendlichen verdient er Anerkennung und trägt dazu bei, die Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung für die Erhaltung und den Schutz dieser nächtlichen Jäger in besonderem Maße zu fördern.
Haben diese Projektideen Sie zur Nachahmung angeregt? Unter diesem Link finden Sie die Bewerbungsunterlagen für die von der DBU mit 100.000 Euro geförderten Nachfolgeprojekte.Weitere Infos zum Naturschutz-Preis MUNA gibt es
hier.