Osnabrück. "Die fehlt mir noch!" MUNA-Preisträger Wolfram
Poick war begeistert, als der Osnabrücker Fledermauskundler Carsten
Dense ihm für den ersten Stopp seiner Überraschungsreise die Begegnung mit einer größeren Anzahl von Teichfledermäusen im Winterschlaf versprach. Poick war im Dezember mit dem Naturschutzpreis
MUNA (Mensch und Natur) einer Kooperation von
ZDF,
Werner & Mertz (Frosch-Produkte) sowie der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Seit über dreißig Jahren setzt sich der im Landkreis Löbau-Zittau (Sachsen) als "Fledermausmann" gut bekannte Naturschützer für die Belange dieser gefährdeten Tiergruppe ein. Neben der MUNA-Trophäe und 5.000 Euro für seine Arbeit gewann Poick eine Reise nach Osnabrück, die ihm die hiesigen Fledermausbestände näher bringen sollte.
Exkursion zum Winterquartier der Fledermäuse
Nach der Begrüßung durch Dr.-Ing. E. h. Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der DBU, in den Räumen der Umweltstiftung ging es gemeinsam mit Projektleiter Dr. Uwe
Fuellhaas, der den Naturschutzpreis im
Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) fachlich begleitet, zunächst Richtung Hilter (Landkreis Osnabrück). Hier konnte Carsten Dense den Exkursionsteilnehmern in einem alten, für Fledermäuse zum Winterquartier umfunktionierten Eisenbahntunnel sieben verschiedene überwinternde Fledermausarten zeigen.
Etwa 150 Tiere verschiedener Fledermausarten
Ein dunkler Tunnel, nur an seinen Enden etwas heller durch die für die Fledermäuse geschaffenen Ein- und Ausfluglöcher, ist das Winterquartier dieser geschützten Säugetiere. An den vor langer Zeit durch Dampflokomotiven verrußten Wänden finden sich fünfzig Hohlblocksteine, die die Osnabrücker Fledermausfreunde vor einigen Jahren eigens als Hangplatz zur sicheren Überwinterung der Fledermäuse in dem ansonsten versteckarmen Tunnel anbringen ließen. Zusätzlich bieten eine Vielzahl von Bohrlöchern in den Wänden geeignete Versteckmöglichkeiten. Etwa 150 Tiere der Arten Teichfledermaus, Fransenfledermaus, Wasserfledermaus, Kleine und Große Bartfledermaus und Braunes Langohr sowie der größten einheimischen Art, dem Großen Mausohr, überwintern hier. Wie regelmäßige Zählungen ergeben haben, ist seit der Optimierungsmaßnahme die Anzahl der überwinternden Tiere stetig gestiegen, erklärt Dense nicht ohne Stolz. Einige von ihnen hängen arttypisch mit den Köpfen nach unten frei an den Wänden, das Fell mit unzähligen kleinen Tautropfen überzogen, die die Tiere im Licht der Taschenlampen wie kleine Schmuckstücke glitzern lassen.
"Bitte nicht stören"
Anfassen, anatmen und zu langes Beleuchten der kleinen Winterschläfer ist auf jeden Fall zu vermeiden, da diese Handlungen bei den Tieren einen Aufwachvorgang auslösen können, der einen erheblichen Anteil der Fettreserven für den Winter aufzehrt. Daher sind Carsten Dense und seine Mitstreiter auch bemüht, den Standort des alten Tunnels möglichst geheim zu halten. "Mehrfach wurde schon versucht, den Zugang aufzubrechen. Die Fledermäuse sind in ihrem Winterschlaf völlig schutzlos, daher müssen wir dafür Verantwortung tragen, dass sie hier ungestört überwintern können", so Dense. Zuviel Lebensraum habe der Mensch den Fledermäusen bereits weggenommen, umso wichtiger seien solche Zufluchtstätten.
Auf den Spuren der "Rekordmaus"
Im Hasbruch bei Oldenburg begaben sich Poick und Forstoberinspektor Ludwig
Stegink-Hindriks, Revierförster Heino
Tielking gemeinsam mit Fledermauskundler Ulf
Rahmel auf die Spuren einer im Rahmen wissenschaftlichen Untersuchungen als "Rekordmaus" getauften Großen Bartfledermaus. Dieses mit einem kleinen Sender ausgestattete Exemplar flog in einer Nacht etwa 13 Kilometer entlang von Wegen und Straßen und über das freie Feld zu seinem Jagdgebiet, um im strukturreichen Umland des Hasbruch Insekten zu fangen. Warum die "Rekordmaus" diesen langen nächtlichen Flug auf sich nimmt und gerade dort auf Beutefang geht, gibt den Wissenschaftlern noch Rätsel auf. "Der naturnahe Baumbestand des Hasbruchs, den man in seinem Kerngebiet seit über 150 Jahren nicht mehr bewirtschaftet, bietet ideale Schlaf- und Sommerquartiere für die Fledermäuse", sagte Rahmel. Hier fänden die Tiere in Baumhöhlen und -spalten die nötigen Ruheplätze, um den Tag schlafend zu verbringen.
Voller Eindrücke kehrte Poick an diesem Abend von seinem "Fledermaus-Tag" in Osnabrück und dem Hasbruch zurück. Eine Einladung zum Abendessen lehnte er dankend ab: "Ich muss erst mal aufschreiben, was ich alles gesehen habe, damit mir das nicht verloren geht." Die weiteren Preisträger der MUNA 2002 finden sich unter
MUNA. Hier finden Sie auch die Bewerbungsunterlagen für die Nachfolgeprojekte, die von der DBU mit weiteren 100.000 Euro gefördert werden. Im letzten Jahr konnten sich 49 dieser Multiplikationsprojekte die Fördersumme teilen.