Frankfurt / Main. Der mit einer Million Mark höchstdotierte Umweltpreis Europas,
der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), ist
zum sechstenmal vergeben. Aus der Hand von Bundesumweltminister Jürgen Trittin
nahmen heute in der Alten Oper Frankfurt am Main die Arbeitsgruppe
Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg mit Prof. Dr.
Lennart Bengtsson (63), Prof. Dr. Hartmut Graßl (58) und Prof. Dr. Klaus
Hasselmann (67) sowie der Freiburger Solarunternehmer Georg Salvamoser (48)
die Auszeichnung der größten Umweltstiftung Europas in Empfang.
Bundesbankpräsident Professor Dr. Hans Tietmeyer würdigte als Vorsitzender des
Stiftungskuratoriums die Leistungen der neuen Preisträger: "Ihr Beispiel zeigt, daß
die Fähigkeit zur Kreativität und zur Innovation und auch das persönliche
Engagement entscheidend sein werden für die Lösung der anstehenden Probleme.
Und dies gilt sicher nicht nur für den Umweltbereich."
Tietmeyer hatte vor rund 1.400 Gästen darauf hingewiesen, daß sich das Thema der
diesjährigen Preisverleihung mit einer der größten umweltpolitischen Herausforderungen
unserer Zeit befasse: dem Schutz des Klimas. Es gebe nämlich heute sehr ernst zu
nehmende Anzeichen dafür, daß gerade auch durch den Menschen das Klima verändert
werde und das zu erheblichen Verwerfungen und Schäden in vielen Teilen der Erde führe.
Auch wenn diese Annahme noch nicht mir letzter Sicherheit bewiesen sei, reiche schon der
begründete Verdacht aus, alles zu tun, um die Zusammenhänge weiter zu erforschen und
erkannte Ursachen für Klimaveränderungen zu bekämpfen.
Wichtig sei es, so Tietmeyer, den Energieverbrauch vor allem in den westlichen
Industrienationen zu bremsen und den Anteil erneuerbarer Energieträger zu steigern. Dies
müsse durchaus nicht mit einem Verzicht auf Wohlstand verbunden sein. Es gehe vor allem
darum, durch Innovationen Energie intelligenter und wirksamer einzusetzen. In diesem
Zusammenhang wies Tietmeyer auch darauf hin, daß die Stiftung, die seit Aufnahme ihrer
Fördertätigkeit vor sieben Jahren rund 1,3 Milliarden Mark in über 3.000 Projekte investiert
habe, knapp 200 Millionen Mark in ca. 400 Klimaschutzprojekte habe fließen lassen.
Hessens Finanzminister Karl Starzacher begrüßte die Gäste in der Alten Oper Frankfurt. Die
Verleihung des Deutschen Umweltpreises in Frankfurt gebe Hessen Rückenwind, engagierte
Umweltpolitik auch in Zeiten zu betreiben, in denen das Thema angesichts wirtschaftlicher
Probleme nicht gerade Hochkonjunktur habe. Starzacher appellierte, alle Möglichkeiten der
Energieeinsparung und rationellen Energienutzung auszuschöpfen, um bis 2005 eine
spürbare Minderung des Kohlendioxidausstoßes zu erreichen. Daneben müßten die
erneuerbaren Energiequellen technisch und wirtschaftlich weiter entwickelt werden, damit
sie im nächsten Jahrhundert eine tragende Rolle in der Energieversorgung übernehmen
könnten. Starzacher: "Innovationen in Wissenschaft und Wirtschaft gepaart mit einer
vernünftigen Ressourcen- und Klimaschutzpolitik liefern uns die geeigneten Instrumente, um
bald eine Brücke in das "nach-fossile‘ und "nach-nukleare‘ Zeitalter zu schlagen."
Die Laudatio auf die Preisträger hielt Prof. Dr. Reinhard Zellner, Mitglied der Jury des
Deutschen Umweltpreises. Mit der Auszeichnung der Wissenschaftler würdigte die Stiftung
ihre außergewöhnlichen Leistungen in der Klimaforschung, die heute in Deutschland auch im
internationalen Vergleich einen anerkannten Spitzenplatz einnehme. Ihr Schaffen habe
einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Verantwortung der Menschheit gegenüber ihrer
Umwelt im Bewußtsein noch stärker zu verankern. So sei die wissenschaftliche Basis zum
Thema Klimabeeinflussung durch den Menschen gestärkt, seien die Chancen für die
Umsetzung der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zur Klimaänderung erhöht
worden.
Professor Hasselmann habe eines der leistungsfähigsten Klimamodelle der Welt entwickelt.
überzeugendes Beispiel seiner wissenschaftlichen Arbeit sei etwa die Beschreibung und
Vorhersage des El-Niño-Phänomens, einer natürlichen Schwankung der
Temperaturverteilung der Meeresöberfläche im Pazifik. Professor Bengtssons Verdienste
lägen insbesondere im Bereich der regionalen Klimaforschung. Seine Erfahrungen hätten
gemeinsam mit den Ozeanmodellen von Professor Hasselmann den wissenschaftlichen
Beweis einer durch den Menschen verursachten Beeinflussung des Klimas wesentlich
gestärkt. Professor Graßl sei wie seine Kollegen ein international ausgewiesener
Atmosphären- und Klimawissenschaftler. Er habe durch die Entwicklung von Meßtechniken
für den Wärmefluß in der Atmosphäre und in den Ozeanen, mit der Fernerkundung und bei
den Prozeßstudien in den Wolken das Verständnis von der Physik der Klimaprozesse enorm
erweitert.
Den Solarunternehmer Salvamoser würdigte Zellner als eine Persönlichkeit, die mit hohem,
bis ins Persönliche reichendem Risiko dem Photovoltaikmarkt in Deutschland neue Chancen
eröffnet habe. Zu einer Zeit, als sich die Großen der Branche aus Kostengründen aus
diesem Markt verabschiedet hätten, habe er als Mittelständler in Freiburg ohne staatliche
Hilfen eine hochmoderne Produktion von Photovoltaik-Standardmodulen aufgebaut. Daß in
Deutschland wieder neue Produktionskapazitäten entstanden seien und weiter entstünden,
sei auch dem Unternehmer Salvamoser zu verdanken.
Das Leitbild einer Nachhaltigkeit der Energienutzung habe zwar weltweite Anerkennung
gefunden, aber es sei noch vielfach unklar, wie das Dreieck von Ökologie, Ökonomie und
Sozialem gestaltet werden solle. Wirksamere und sparsamere Energienutzung sowie die
erneuerbaren Energien müßten dabei eine zentrale Rolle spielen. Um ein solches
hochgestecktes Ziel zu erreichen, bedürfe es bereits heute entsprechender Motivation und
Innovation. Es sei immer eine Herausforderung, die ersten Schritte in diese Richtung zu tun.
Der Solarunternehmer Salvamoser habe diese Herausforderung bereits angenommen.
Professor Dr. Klaus Ferdinand Hasselmann hob in seiner Dankesrede hervor, daß ohne eine
enge, internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit das Klima als eines der
komplexesten bekannten Systeme, mit denen sich die Wissenschaft befaßt, nicht
erfolgreich erforscht werden könne. Zwar habe die internationale Klimaforschung erste
konkrete politische Schritte zu einer weltweiten Verringerung der Treibhausgasausstoßes
ermöglicht, für eine Intensivierung dieser Bemühungen erwarte man von der Wissenschaft
aber eine weitere Verbesserung ihrer Klimaprognosen. Sie sollten die Auswirkungen nicht nur
für das globale Klima, sondern auch für einzelne, besonders betroffene Regionen genauer
erfassen können. Dabei seien Änderungen in der sich verändernden Intensität und
Häufigkeit extremer Ereignisse wie Stürme, Hitzewellen, Dürren oder Überschwemmungen
und deren Vorhersagbarkeit von besonderem Interesse.
Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren stehe die Klimaforschung noch am Anfang,
so Hasselmann weiter. Gleichwohl zwinge Vorsorgeverantwortung zum politischen Handeln,
noch bevor die Wissenschaft alle Auswirkungen der menschlichen Eingriffe in das
Klimasystem exakt vorhersagen könne. Es müsse eine sorgfältig abgestimmte
Klimaschutzstrategie Schritt für Schritt eingeführt und laufend an neue wissenschaftliche
Erkenntnisse angepaßt werden.
Als Aufforderung, die nächsten unternehmerischen Schritte hinzu einer solaren
Energiewirtschaft anzugehen, wertete Georg Salvamoser die Auszeichnung mit dem
Umweltpreis. Er verwies in seiner Dankesrede auf die enormen Fortschritte, die Forscher
und Entwickler erneuerbarer Energien in den zurückliegenden Jahren erreicht hätten. Viele
Produkte stünden der Industrie ausgereift zur Verfügung. Das geänderte europäische
Energierecht erlaube mit seinem längst hinfälligen Abschied von Monopolstrukturen völlig
neue, innovative Schritte.
Die Herausforderung bestehe darin, den Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu fairen
Preisen flächendeckend anzubieten. Dazu bedürfe es neben klaren, praktikablen politischen
Rahmenbedingungen vor allem Verbündeter, unternehmerisch Engagierter. Jeder einzelne
könne dazu beitragen, indem er in Zukunft privaten und gewerblichen Strombedarf aus
erneuerbaren Quellen beziehe. Salvamoser: "Das geht. Sie müssen es nur wollen. Sie
müssen es nur tun." Ökologie und Ökonomie seien jedenfalls bestens vereinbar, sie
bedingten sich langfristig sogar. Salvamoser: "Nun liegt es an Ihnen als Energieverbraucher
und Investor gleichermaßen."
Diesen Faden nahm auch Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, in seinen
Schlußworten noch einmal auf. Auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wolle helfen, die
Anwendung moderner Technologien im Solarenergiebereich breiter in die Bevölkerung zu
tragen. Allein für zwei Solarkampagnen habe sie deshalb in jüngster Vergangenheit 14
Millionen Mark zur Verfügung gestellt und wolle damit "maßgebliche Zeichen für die Zukunft"
setzen.