Osnabrück / Freiburg. "Salvamoser hat mit seinem unternehmerischen Spürsinn
dazu beigetragen, Arbeitsplätze in einer Zukunftstechnologie zu schaffen, die
andere schon lange abgeschrieben hatten. Ohne jede öffentliche Subvention,
Förderung oder Bürgschaft hat er als erster Mittelständler eine Solarfabrik zum Bau
von Photovoltaik-Standardmodulen am angeblich zu teuren Produktionsstandort
Deutschland gegründet. Mittlerweile hat er so 25 neue Arbeitsplätze geschaffen, die
in den nächsten Jahren auf insgesamt 50 wachsen werden." - Mit diesen Worten
würdigte heute Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt (Osnabrück), die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1998 der
Stiftung an den mittelständischen Solarunternehmer Georg Salvamoser (48) aus
Freiburg in Baden-Württemberg.
Salvamoser sei ein "hohes persönliches Risiko" eingegangen, um seine Vision von einer
"solaren Zukunft" zu verwirklichen, betont Brickwedde in einer Pressemitteilung der Stiftung.
Getrieben von der Erkenntnis, daß der stetig ansteigende Verbrauch von Gas, Öl oder Kohle
weltweite Umweltprobleme nach sich zieht, habe der kaufmännische Werksleiter eines
erfolgreichen süddeutschen Fertighausherstellers seine gut dotierte Tätigkeit aufgegeben,
1991 als Quereinsteiger seine Solar-Energie-Systeme GmbH in Freiburg gegründet und sogar
den Verkaufserlös seines Privathauses als Grundkapital dafür eingesetzt.
Dabei habe der Markt der Photovoltaik, also das Gewinnen von Strom aus Sonnenenergie,
zur damaligen Zeit nur ein Schattendasein geführt. Photovoltaikstrom habe unter
wirtschaftlichen Gesichtspunkten als nicht wettbewerbsfähig gegolten, die Technik als
nicht ausgereift und das mitteleuropäische Klima als eher ungeeignet. Viele Solarfirmen
hätten um ihre Existenz gebangt. Nach dem Auslaufen des "1.000-Dächer-Programms" der
Bundesregierung hätten sich praktisch alle Zellen- und Modulproduzenten aus dieser
Branche zurückgezogen.
Doch "Querdenker Salvamoser", so Brickwedde, habe die Herausforderung angenommen,
konsequent am Markt orientierte, innovative Konzepte und Initiativen entwickelt und damit
der Photovoltaik neue Märkte erschlossen. Ihm sei es zu einem kritischen Zeitpunkt
gelungen, Gemeinschaftsgefühl und Engagement für die Nutzung der Sonnenenergie zu
wecken und Aspekte wie Prestigegewinn oder werbliche Nutzung in die Betrachtung dieser
umweltschonenden Energiequelle einzuführen, die jenseits der reinen
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung anzusiedeln seien. Mit seiner überzeugenden Persönlichkeit
habe er Anwender, Investoren, Betreiber, Multiplikatoren, Energieversorger, Lieferanten und
Produzenten zusammengeführt, begeistert und neue Anwendungsmodelle für den Einsatz
von Solartechnologien entwickelt. Dabei habe er große Photovoltaikanlagen bauen und
"quasi nebenbei" umfassende Energiekonzepte mit einhergehender intensiver Beratung
verwirklichen können.
Er habe sein Unternehmen als GmbH mit stillen Gesellschaftern organisiert und von 110
"natürlich auch renditeorientierten Investoren", so Brickwedde, ein Kapital von rund sieben
Millionen Mark eingeworben. Im Oktober 1997 habe Salvamoser die Produktion in der
eigenen, weltweit modernsten Fertigungslinie aufgenommen.
Diese Produktionsanlage solle nach Salvamosers Plänen zu einem Solar-Fabrik-Zentrum
erweitert werden, in dem nicht nur Platz für die Verwaltung seines Unternehmens
geschaffen werden solle, sondern auch andere Solarfachbetriebe, ein Öko-Baumarkt und
weitere Unternehmen der Branche untergebracht würden. Inhaltlich gehe es darum, über
dieses Zentrum Kooperationen zu stiften und fachübergreifend zu handeln. Architektonisch
solle hier ein kostengünstiges, umweltfreundliches und anspruchsvolles Industriegebäude
verwirklicht werden. Immerhin habe dieses Konzept beim "Ideenwettbewerb "96 -
Photovoltaik in Gebäuden" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der
Kategorie beste Neuplanung den zweiten Preis belegt. Hauptbewertungskriterien seien die
bautechnische und funktionale Eingliederung der Photovoltaik in anspruchsvolle
architektonische Konzepte gewesen.
Salvamoser habe auch in anderer Hinsicht entscheidend dazu beigetragen, daß es zu einer
Trendwende bei der photovoltaischen Nutzung der Sonnenenergie gekommen sei. Mit einem
speziellen Solarstrombeteiligungskonzept habe er es Interessenten ermöglicht, durch relativ
kleine Stückelung Anteile an Solaranlagen zu erwerben und damit langfristig Renditen zu
erwirtschaften, wenn auch geringe. Brickwedde: "Dieses Modell hat bundesweit viele
Nachahmer gefunden und so wesentliche Impulse auch für andere Firmen der Branche
geliefert." Brickwedde verwies in diesem Zusammenhang auf die Südtribüne des Freiburger
Dreisam-Fußballstadions, auf der auf 1.000 Quadratmetern eine der bekanntesten
Photovoltaikanlagen Deutschlands montiert worden war.
Schließlich habe Salvamoser auch eine Solar-Strom-Aktiengesellschaft gegründet, die es
Interessenten ermögliche, in Solarstromanlagen zu investieren. Durch Zusammenarbeit mit
Unternehmen, die Solarstrom ausreichend hoch vergüten, sollten so Anlagen im mittleren
und höheren Leistungsbereich gebaut werden, die durch ihren Betrieb eine für die Aktionäre
akzeptable Rendite erwirtschaften. Brickwedde: "Salvamoser steht mit seiner ganzen
Person für Energieeinsparung und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Ihm ist es
in beeindruckender Weise gelungen, seine persönliche Überzeugung in unternehmerischen
Erfolg umzusetzen. Dabei haben die von ihm eingeschlagenen Wege Vorbildfunktion für
andere Unternehmen."
Fotos der Preisträger können über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt angefordert
werden.