25.09.1998 | Als "Quereinsteiger und -denker" die Solarenergie aus Schattendasein geführt

Deutscher Umweltpreis 1998: Georg Salvamoser (48) aus Freiburg

Osnabrück / Freiburg. "Salvamoser hat mit seinem unternehmerischen Spürsinn dazu beigetragen, Arbeitsplätze in einer Zukunftstechnologie zu schaffen, die andere schon lange abgeschrieben hatten. Ohne jede öffentliche Subvention, Förderung oder Bürgschaft hat er als erster Mittelständler eine Solarfabrik zum Bau von Photovoltaik-Standardmodulen am angeblich zu teuren Produktionsstandort Deutschland gegründet. Mittlerweile hat er so 25 neue Arbeitsplätze geschaffen, die in den nächsten Jahren auf insgesamt 50 wachsen werden." - Mit diesen Worten würdigte heute Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1998 der Stiftung an den mittelständischen Solarunternehmer Georg Salvamoser (48) aus Freiburg in Baden-Württemberg.

Salvamoser sei ein "hohes persönliches Risiko" eingegangen, um seine Vision von einer "solaren Zukunft" zu verwirklichen, betont Brickwedde in einer Pressemitteilung der Stiftung. Getrieben von der Erkenntnis, daß der stetig ansteigende Verbrauch von Gas, Öl oder Kohle weltweite Umweltprobleme nach sich zieht, habe der kaufmännische Werksleiter eines erfolgreichen süddeutschen Fertighausherstellers seine gut dotierte Tätigkeit aufgegeben, 1991 als Quereinsteiger seine Solar-Energie-Systeme GmbH in Freiburg gegründet und sogar den Verkaufserlös seines Privathauses als Grundkapital dafür eingesetzt.

Dabei habe der Markt der Photovoltaik, also das Gewinnen von Strom aus Sonnenenergie, zur damaligen Zeit nur ein Schattendasein geführt. Photovoltaikstrom habe unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als nicht wettbewerbsfähig gegolten, die Technik als nicht ausgereift und das mitteleuropäische Klima als eher ungeeignet. Viele Solarfirmen hätten um ihre Existenz gebangt. Nach dem Auslaufen des "1.000-Dächer-Programms" der Bundesregierung hätten sich praktisch alle Zellen- und Modulproduzenten aus dieser Branche zurückgezogen.

Doch "Querdenker Salvamoser", so Brickwedde, habe die Herausforderung angenommen, konsequent am Markt orientierte, innovative Konzepte und Initiativen entwickelt und damit der Photovoltaik neue Märkte erschlossen. Ihm sei es zu einem kritischen Zeitpunkt gelungen, Gemeinschaftsgefühl und Engagement für die Nutzung der Sonnenenergie zu wecken und Aspekte wie Prestigegewinn oder werbliche Nutzung in die Betrachtung dieser umweltschonenden Energiequelle einzuführen, die jenseits der reinen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung anzusiedeln seien. Mit seiner überzeugenden Persönlichkeit habe er Anwender, Investoren, Betreiber, Multiplikatoren, Energieversorger, Lieferanten und Produzenten zusammengeführt, begeistert und neue Anwendungsmodelle für den Einsatz von Solartechnologien entwickelt. Dabei habe er große Photovoltaikanlagen bauen und "quasi nebenbei" umfassende Energiekonzepte mit einhergehender intensiver Beratung verwirklichen können.

Er habe sein Unternehmen als GmbH mit stillen Gesellschaftern organisiert und von 110 "natürlich auch renditeorientierten Investoren", so Brickwedde, ein Kapital von rund sieben Millionen Mark eingeworben. Im Oktober 1997 habe Salvamoser die Produktion in der eigenen, weltweit modernsten Fertigungslinie aufgenommen.

Diese Produktionsanlage solle nach Salvamosers Plänen zu einem Solar-Fabrik-Zentrum erweitert werden, in dem nicht nur Platz für die Verwaltung seines Unternehmens geschaffen werden solle, sondern auch andere Solarfachbetriebe, ein Öko-Baumarkt und weitere Unternehmen der Branche untergebracht würden. Inhaltlich gehe es darum, über dieses Zentrum Kooperationen zu stiften und fachübergreifend zu handeln. Architektonisch solle hier ein kostengünstiges, umweltfreundliches und anspruchsvolles Industriegebäude verwirklicht werden. Immerhin habe dieses Konzept beim "Ideenwettbewerb "96 - Photovoltaik in Gebäuden" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der Kategorie beste Neuplanung den zweiten Preis belegt. Hauptbewertungskriterien seien die bautechnische und funktionale Eingliederung der Photovoltaik in anspruchsvolle architektonische Konzepte gewesen.

Salvamoser habe auch in anderer Hinsicht entscheidend dazu beigetragen, daß es zu einer Trendwende bei der photovoltaischen Nutzung der Sonnenenergie gekommen sei. Mit einem speziellen Solarstrombeteiligungskonzept habe er es Interessenten ermöglicht, durch relativ kleine Stückelung Anteile an Solaranlagen zu erwerben und damit langfristig Renditen zu erwirtschaften, wenn auch geringe. Brickwedde: "Dieses Modell hat bundesweit viele Nachahmer gefunden und so wesentliche Impulse auch für andere Firmen der Branche geliefert." Brickwedde verwies in diesem Zusammenhang auf die Südtribüne des Freiburger Dreisam-Fußballstadions, auf der auf 1.000 Quadratmetern eine der bekanntesten Photovoltaikanlagen Deutschlands montiert worden war.

Schließlich habe Salvamoser auch eine Solar-Strom-Aktiengesellschaft gegründet, die es Interessenten ermögliche, in Solarstromanlagen zu investieren. Durch Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Solarstrom ausreichend hoch vergüten, sollten so Anlagen im mittleren und höheren Leistungsbereich gebaut werden, die durch ihren Betrieb eine für die Aktionäre akzeptable Rendite erwirtschaften. Brickwedde: "Salvamoser steht mit seiner ganzen Person für Energieeinsparung und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Ihm ist es in beeindruckender Weise gelungen, seine persönliche Überzeugung in unternehmerischen Erfolg umzusetzen. Dabei haben die von ihm eingeschlagenen Wege Vorbildfunktion für andere Unternehmen."

Fotos der Preisträger können über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt angefordert werden.