Osnabrück / Hamburg. "Sie haben durch ihre Arbeit nicht nur wissenschaftlich
belegt, daß Menschen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch ihr Handeln das
Klima weltweit verändern. Sie haben den schweren, aber wichtigen Schritt getan,
dieses Wissen auch aktiv zu verbreiten und den Menschen so ihre Verantwortung
bewußt zu machen. Sie haben der deutschen Klimaforschung international zu
höchstem Ansehen verholfen. Angesichts der von vielen Menschen zu Recht
befürchteten Klimaveränderung ist das Engagement dieser Wissenschaftler auch
weiterhin zwingend notwendig." - Mit diesen Worten würdigte heute Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück),
die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1998 der Stiftung an die
Arbeitsgruppe Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg
(Prof. Dr. Lennart Bengtsson, 63, Prof. Dr. Hartmut Graßl, 58, und Prof. Dr. Klaus
Ferdinand Hasselmann, 66).
Brickwedde würdigte in einer Pressemitteilung der Stiftung die herausragende Leistung
dieses international tätigen Expertenteams. Professor Dr. Graßl - heute Koordinator des
Weltklimaforschungsprogramms bei der Weltorganisation für Meteorologie in Genf und
Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg - habe die deutsche und
internationale Forschung im Bereich Klimaänderung/Klimamodellierung wegweisend
mitbestimmt. Sein Thema der Klimaänderung habe er allerdings nicht nur in
Fachveröffentlichungen wissenschaftlich vertreten, sondern auch als "Pressesprecher der
Klimaforschung" sehr engagiert gegenüber Politikern und der breiten Öffentlichkeit.
Brickwedde: "Er tat dies für einen Wissenschaftler ungewöhnlich engagiert und dennoch
immer seriös."
Durch die Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Hasselmann und Prof. Dr. Bengtsson, ebenfalls
Direktoren des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, habe sich das
Max-Planck-Institut für Meteorologie zu einem der wichtigsten Klimaforschungszentren der
Welt entwickelt, so Brickwedde weiter. Die international herausragende wissenschaftliche
Leistung von Prof. Dr. Hasselmann sei die Entwicklung eines Klimamodells, das Atmosphäre
und Ozean miteinander koppelt. Im Lauf der Zeit sei daraus ein Modellsystem entstanden,
das die komplexen Wechselwirkungen von Atmosphäre, Ozean, Kryosphäre (Eis) und
Biosphäre umfasse. Dieses gekoppelte Ozean-Atmosphären-Modell, das die langfristige
natürliche Veränderlichkeit des Klimas wirklichkeitsgetreu nachbildet, habe im übrigen auch
die wissenschaftliche Basis erhärtet, daß der Mensch durch sein Handeln das Klima
verändert.
Professor Dr. Bengtsson habe seine wissenschaftliche Arbeit der sogenannten
Regionalisierung des Klimas gewidmet. Als erster Direktor des Europäischen Zentrums für
mittelfristige Wettervorhersage (Reading, Großbritannien) habe er besonders in den 80er
Jahren wesentlich zur Verbesserung der mittelfristigen Wettervorhersage beitragen können.
Wenn heute über den europäischen Umweltsatelliten eine Sechs-Tage-Prognose des
Seegangs für die Schiffe auf den Weltmeeren möglich sei, hänge das mit den Resultaten
langjähriger Beobachtungen der Atmosphäre und der oberen ozeanischen Schichten ab, die
Bengtsson und Hasselmann erstmalig miteinander in Verbindung gebracht hätten. Als
Direktor des Europäischen Zentrums für Mittelfrist-Wettervorhersagen habe Bengtsson
diese Einrichtung zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen umgebaut, das für viele
Länder der Welt die maßgebliche Quelle für Wetter- bzw. Klimavorhersagen und
insbesondere für die Tropen von besonderer Bedeutung sei.
Brickwedde: "Alle drei Forscher haben die wissenschaftliche Basis zum Thema Klimaeinfluß
durch den Menschen erhärtet und damit überhaupt die Voraussetzung dafür geschaffen,
daß sich die Belange des globalen Klimaschutzes auch in der Politik mit der Umsetzung der
UN-Rahmenkonvention zu Klimaänderungen niederschlagen. Tatsache ist, daß ohne die
Ergebnisse dieser Forscher unser Bild vom Ist-Zustand und die Prognose weltweiter
Klimaveränderungen sehr lückenhaft wäre."
Fotos der Preisträger können über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt angefordert
werden.