Osnabrück. Die Entscheidung über die Vergabe des Deutschen Umweltpreises 1998
ist gefallen. Die mit einer Million Mark höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas
geht in diesem Jahr jeweils zur Hälfte an die Arbeitsgruppe Klimaforschung am
Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg (Prof. Dr. Lennart Bengtsson, Prof.
Dr. Hartmut Graßl und Prof. Dr. Klaus Ferdinand Hasselmann) und den Unternehmer
Georg Salvamoser (Freiburg). Mit dem Preis zeichnet die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt (Osnabrück) seit 1993 Einsatz und Leistungen aus, die entweder vorbildlich
zum Erhalt der Umwelt beigetragen haben oder zukünftig zu einer spürbaren
Umweltentlastung führen werden. Der Preis wird am 8. November in Frankfurt
verliehen.
In einer Pressemitteilung würdigte heute Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten
Umweltstiftung Europas, die Leistung der Preisträger, die sich für einen verstärkten
Klimaschutz auf nationaler und internationaler Ebene engagiert hätten. Die Arbeitsgruppe
Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg beispielsweise habe bei
der Entwicklung neuer globaler und regionaler Klimamodelle die deutsche und internationale
Forschung wegweisend bestimmt und sich zu einem der wichtigsten Klimaforschungszentren
der Welt entwickelt.
Durch ihre Arbeit hätten sich nicht nur international die Chancen für globalen Klimaschutz
erhöht, die Auswirkungen seien auch bis in den Alltag spürbar. Die Arbeitsgruppe
Klimaforschung habe die wissenschaftliche Basis zum Thema Klimaeinfluß durch den
Menschen erhärtet und damit überhaupt die Voraussetzung dafür geschaffen, daß sich die
Belange des globalen Klimaschutzes auch in der Politik mit der Umsetzung der
Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen niederschlügen.
Auch den Freiburger Solarunternehmer Georg Salvamoser könne man, so Brickwedde, als
einen Mann bezeichnen, der ganz für den Klimaschutz in Deutschland stehe. Mit hohem
persönlichen finanziellen Risiko habe er einen gut dotierten Job aufgegeben, um in einer
fachfremden Branche als Quereinsteiger ohne jede öffentliche Förderung ein
Solarunternehmen zu gründen. Sein Ansatz, dem stetig steigenden Verbrauch von Gas, Öl
oder Kohle die umweltfreundliche Energiegewinnung aus der natürlichen Quelle Sonne
entgegenzusetzen, stehe für das Bemühen, dem Schutz des Klimas durch eine
Verminderung des Ausstoßes von Kohlendioxid Nachdruck zu verleihen.
Dabei sei Salvamosers Engagement um so höher zu bewerten, weil er der Nutzung der
Sonnenenergie zu einem kritischen Zeitpunkt den Vorzug gegeben habe, zu dem andere,
große Firmen der Branche auf diese Energiequelle nicht mehr zählten und dem angeblich zu
teuren Produktionsstandort Deutschland bereits den Rücken gekehrt hatten. Mit
Überzeugungskraft, Salvamosers "persönlicher Energiequelle", habe er bei Investoren,
Lieferanten und Produzenten für die Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung
geworben und eine Trendwende herbeigeführt, so Brickwedde.
Im Oktober 1997 habe Salvamoser die Produktion in der eigenen, weltweit modernsten
Fertigungslinie aufgenommen. Diese Produktionsanlage solle nach Salvamosers Plänen zu
einem Solar-Fabrik-Zentrum erweitert werden, in dem nicht nur Platz für die Verwaltung
seines Unternehmens geschaffen werden solle, sondern auch andere Solarfachbetriebe, ein
Öko-Baumarkt und weitere Unternehmen der Branche untergebracht würden. Als
Unternehmensgründer in einer innovativen Technologie habe er dabei auch eine beachtliche
Zahl neuer Arbeitsplätze geschaffen. Durch spezielle Beteiligungsmodelle etwa auf dem
Dach des Dreisam-Stadions des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg habe er die Nutzung der
Sonnenenergie insgesamt salonfähig gemacht.
Vor dem Hintergrund der im November 1998 im argentinischen Buenos Aires stattfindenden
internationalen Klimakonferenz sei es der größten Umweltstiftung Europas erneut darum
gegangen, mit der Auswahl der Preisträger ein Zeichen für die zentrale Bedeutung des
nachhaltigen Klimaschutzes zu setzen. Zu diesem Thema habe sich die Stiftung in den
vergangenen Jahren besonders engagiert, habe sie doch seit Aufnahme der Fördertätigkeit
am 1. März 1991 insgesamt über 700 Projekte mit einem Volumen von über 400 Millionen
Mark gefördert, die direkt oder indirekt diesem Ziel dienten. Bereits mit der Verleihung des
Deutschen Umweltpreises 1994 an den Ozonforscher Prof. Dr. Paul J. Crutzen, der im
Folgejahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden war, sei dieses Thema
bewußt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt worden.
Fotos der Preisträger können über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt angefordert
werden.