25.09.1998 | Öko-Engagement prämiiert: Deutscher Umweltpreis geht an Klimaforscher und Solarunternehmer

Auszeichnung für Arbeitsgruppe Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie (Hamburg) und Georg Salvamoser (Freiburg)

Osnabrück. Die Entscheidung über die Vergabe des Deutschen Umweltpreises 1998 ist gefallen. Die mit einer Million Mark höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas geht in diesem Jahr jeweils zur Hälfte an die Arbeitsgruppe Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg (Prof. Dr. Lennart Bengtsson, Prof. Dr. Hartmut Graßl und Prof. Dr. Klaus Ferdinand Hasselmann) und den Unternehmer Georg Salvamoser (Freiburg). Mit dem Preis zeichnet die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) seit 1993 Einsatz und Leistungen aus, die entweder vorbildlich zum Erhalt der Umwelt beigetragen haben oder zukünftig zu einer spürbaren Umweltentlastung führen werden. Der Preis wird am 8. November in Frankfurt verliehen.

In einer Pressemitteilung würdigte heute Fritz Brickwedde, Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas, die Leistung der Preisträger, die sich für einen verstärkten Klimaschutz auf nationaler und internationaler Ebene engagiert hätten. Die Arbeitsgruppe Klimaforschung am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg beispielsweise habe bei der Entwicklung neuer globaler und regionaler Klimamodelle die deutsche und internationale Forschung wegweisend bestimmt und sich zu einem der wichtigsten Klimaforschungszentren der Welt entwickelt.

Durch ihre Arbeit hätten sich nicht nur international die Chancen für globalen Klimaschutz erhöht, die Auswirkungen seien auch bis in den Alltag spürbar. Die Arbeitsgruppe Klimaforschung habe die wissenschaftliche Basis zum Thema Klimaeinfluß durch den Menschen erhärtet und damit überhaupt die Voraussetzung dafür geschaffen, daß sich die Belange des globalen Klimaschutzes auch in der Politik mit der Umsetzung der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen niederschlügen.

Auch den Freiburger Solarunternehmer Georg Salvamoser könne man, so Brickwedde, als einen Mann bezeichnen, der ganz für den Klimaschutz in Deutschland stehe. Mit hohem persönlichen finanziellen Risiko habe er einen gut dotierten Job aufgegeben, um in einer fachfremden Branche als Quereinsteiger ohne jede öffentliche Förderung ein Solarunternehmen zu gründen. Sein Ansatz, dem stetig steigenden Verbrauch von Gas, Öl oder Kohle die umweltfreundliche Energiegewinnung aus der natürlichen Quelle Sonne entgegenzusetzen, stehe für das Bemühen, dem Schutz des Klimas durch eine Verminderung des Ausstoßes von Kohlendioxid Nachdruck zu verleihen.

Dabei sei Salvamosers Engagement um so höher zu bewerten, weil er der Nutzung der Sonnenenergie zu einem kritischen Zeitpunkt den Vorzug gegeben habe, zu dem andere, große Firmen der Branche auf diese Energiequelle nicht mehr zählten und dem angeblich zu teuren Produktionsstandort Deutschland bereits den Rücken gekehrt hatten. Mit Überzeugungskraft, Salvamosers "persönlicher Energiequelle", habe er bei Investoren, Lieferanten und Produzenten für die Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung geworben und eine Trendwende herbeigeführt, so Brickwedde.

Im Oktober 1997 habe Salvamoser die Produktion in der eigenen, weltweit modernsten Fertigungslinie aufgenommen. Diese Produktionsanlage solle nach Salvamosers Plänen zu einem Solar-Fabrik-Zentrum erweitert werden, in dem nicht nur Platz für die Verwaltung seines Unternehmens geschaffen werden solle, sondern auch andere Solarfachbetriebe, ein Öko-Baumarkt und weitere Unternehmen der Branche untergebracht würden. Als Unternehmensgründer in einer innovativen Technologie habe er dabei auch eine beachtliche Zahl neuer Arbeitsplätze geschaffen. Durch spezielle Beteiligungsmodelle etwa auf dem Dach des Dreisam-Stadions des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg habe er die Nutzung der Sonnenenergie insgesamt salonfähig gemacht.

Vor dem Hintergrund der im November 1998 im argentinischen Buenos Aires stattfindenden internationalen Klimakonferenz sei es der größten Umweltstiftung Europas erneut darum gegangen, mit der Auswahl der Preisträger ein Zeichen für die zentrale Bedeutung des nachhaltigen Klimaschutzes zu setzen. Zu diesem Thema habe sich die Stiftung in den vergangenen Jahren besonders engagiert, habe sie doch seit Aufnahme der Fördertätigkeit am 1. März 1991 insgesamt über 700 Projekte mit einem Volumen von über 400 Millionen Mark gefördert, die direkt oder indirekt diesem Ziel dienten. Bereits mit der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1994 an den Ozonforscher Prof. Dr. Paul J. Crutzen, der im Folgejahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet worden war, sei dieses Thema bewußt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt worden.

Fotos der Preisträger können über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt angefordert werden.