24.09.1998 | Längster Fachwerkbau Europas in Halle: Umweltstiftung hilft bei Fertigstellung

Finanzierungszusage von sieben auf zehn Millionen Mark aufgestockt - Zukünftigen Nutzern Studieren und Wohnen ermöglichen

Halle / Osnabrück. Für die modellhafte Instandsetzung der durch Umweltbelastungen geschädigten Fachwerkfassade des längsten Fachwerkbaus Europas bewilligte das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) den Franckeschen Stiftungen in Halle eine Fördersumme in Höhe von knapp drei Millionen Mark. Damit stockte das Kuratorium seine im Mai 1995 gegebene Finanzierungszusage von sieben Millionen Mark auf zehn Millionen Mark auf, um die Fertigstellung und Nutzung des mittleren Gebäudeteils für Zöglinge der Musikhochschule zu gewährleisten.

Voraussetzung für diese Entscheidung sei der bisher gute Bauverlauf gewesen, der im Frühjahr dieses Jahres zur Einweihung des ersten Gebäudeabschnittes und zur Übergabe an den neuen Nutzer, das Evangelische Konvikt, geführt hatte, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Berücksichtigt worden sei auch, daß die bisherigen Arbeiten und Untersuchungen einen extrem hohen Schädigungsgrad der Holzbauteile ergeben hätten, der eine komplette Freilegung des Fachwerks auch im Inneren des Gebäudes nötig mache. Erschwerend komme hinzu, daß der hohe Nitrat- und Sulfatgehalt des örtlichen Grundwassers zu einer Konzentration dieser Schadstoffe im Mauerwerk geführt habe, die die Mörtelfestigkeit und Standfestigkeit des Mauerwerks beeinträchtigten.

In Zusammenarbeit und unter wissenschaftlicher Anleitung des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalpflege, Propstei Johannesberg, Fulda e.V. sowie der Landesdenkmalpflege würden beispielhaft umweltrelevante Anforderungen in die schrittweise Sanierung des Fachwerkgebäudes integriert. Innovative und gleichzeitig bauwerkschonende Schallschutzmaßnahmen würden vorgenommen, um den zukünftigen Nutzern des Gebäudes ein Studieren und Wohnen trotz der vorbeiführenden Hochstraße möglich zu machen. Erreicht werde dies durch die Anbringung eines außenseitigen Dämm-Verbundsystems aus Schilfrohrmatten und Kalkputz, das es ermögliche, die bauphysikalischen Forderungen des Wärme-, Feuchte- und Schallschutzes gleichermaßen zu erfüllen. Gezielte wissenschaftliche Untersuchungen und Messungen, die alternative Möglichkeiten prüfen, gingen der Sanierung voran. Parallel dazu entwickele das Deutsche Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege am Beispiel bestimmter Bauteile ein datengestütztes Programm, das Bauherren und Nutzern weitere Planungen erleichtern und zu einem umweltgerechten Erhalt des Gebäudes führen solle.

Vor kurzem erst habe die Deutsche Bundesstiftung Umwelt 199.997 Mark Fördermittel für eine umweltgerechte Sanierung und Verwendung von Altbauteilen bewilligt, die dem Mägdeleinhaus, ebenfalls ein Teil der Franckeschen Stiftungen, zugute kämen. Zusammen mit dem Land Sachsen-Anhalt, den Franckeschen Stiftungen und anderen Zuschußgebern trage die Deutsche Bundesstiftung Umwelt dazu bei, diesen wertvollen Bestandteil des europaweit bedeutenden Gesamtensembles der Franckeschen Stiftungen zu erhalten.