Halle / Osnabrück. Für die modellhafte Instandsetzung der durch
Umweltbelastungen geschädigten Fachwerkfassade des längsten Fachwerkbaus
Europas bewilligte das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(Osnabrück) den Franckeschen Stiftungen in Halle eine Fördersumme in Höhe von
knapp drei Millionen Mark. Damit stockte das Kuratorium seine im Mai 1995
gegebene Finanzierungszusage von sieben Millionen Mark auf zehn Millionen Mark
auf, um die Fertigstellung und Nutzung des mittleren Gebäudeteils für Zöglinge der
Musikhochschule zu gewährleisten.
Voraussetzung für diese Entscheidung sei der bisher gute Bauverlauf gewesen, der im
Frühjahr dieses Jahres zur Einweihung des ersten Gebäudeabschnittes und zur Übergabe an
den neuen Nutzer, das Evangelische Konvikt, geführt hatte, heißt es in einer Mitteilung der
Stiftung. Berücksichtigt worden sei auch, daß die bisherigen Arbeiten und Untersuchungen
einen extrem hohen Schädigungsgrad der Holzbauteile ergeben hätten, der eine komplette
Freilegung des Fachwerks auch im Inneren des Gebäudes nötig mache. Erschwerend komme
hinzu, daß der hohe Nitrat- und Sulfatgehalt des örtlichen Grundwassers zu einer
Konzentration dieser Schadstoffe im Mauerwerk geführt habe, die die Mörtelfestigkeit und
Standfestigkeit des Mauerwerks beeinträchtigten.
In Zusammenarbeit und unter wissenschaftlicher Anleitung des Deutschen Zentrums für
Handwerk und Denkmalpflege, Propstei Johannesberg, Fulda e.V. sowie der
Landesdenkmalpflege würden beispielhaft umweltrelevante Anforderungen in die
schrittweise Sanierung des Fachwerkgebäudes integriert. Innovative und gleichzeitig
bauwerkschonende Schallschutzmaßnahmen würden vorgenommen, um den zukünftigen
Nutzern des Gebäudes ein Studieren und Wohnen trotz der vorbeiführenden Hochstraße
möglich zu machen. Erreicht werde dies durch die Anbringung eines außenseitigen
Dämm-Verbundsystems aus Schilfrohrmatten und Kalkputz, das es ermögliche, die
bauphysikalischen Forderungen des Wärme-, Feuchte- und Schallschutzes gleichermaßen
zu erfüllen. Gezielte wissenschaftliche Untersuchungen und Messungen, die alternative
Möglichkeiten prüfen, gingen der Sanierung voran. Parallel dazu entwickele das Deutsche
Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege am Beispiel bestimmter Bauteile ein
datengestütztes Programm, das Bauherren und Nutzern weitere Planungen erleichtern und
zu einem umweltgerechten Erhalt des Gebäudes führen solle.
Vor kurzem erst habe die Deutsche Bundesstiftung Umwelt 199.997 Mark Fördermittel für
eine umweltgerechte Sanierung und Verwendung von Altbauteilen bewilligt, die dem
Mägdeleinhaus, ebenfalls ein Teil der Franckeschen Stiftungen, zugute kämen. Zusammen
mit dem Land Sachsen-Anhalt, den Franckeschen Stiftungen und anderen Zuschußgebern
trage die Deutsche Bundesstiftung Umwelt dazu bei, diesen wertvollen Bestandteil des
europaweit bedeutenden Gesamtensembles der Franckeschen Stiftungen zu erhalten.