Osnabrück. Dem Bier soll sein großer Durst auf Wasser bald vergehen. 90 Prozent
weniger Abwasser und 70 Prozent weniger Frischwasserverbrauch in der Mälzerei -
dieses Ergebnis streben die Bonner WPT Vertriebsgesellschaft für Wasser- und
Prozeßtechnik und die VLB Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (Berlin) in einem
gemeinsamen Vorhaben an, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
in Osnabrück mit 300.000 Mark gefördert wird. In dem auf zwei Jahre angelegten
Projekt soll das im Produktionsprozeß von Mälzereien verwendete Weichwasser,
das in großen Mengen zum Aufweichen der Gerste verwendet wird,
wiederverwendet werden. Außerdem ist beabsichtigt, ein Qualitätsprofil für das
Recyclingwasser zu erstellen. "Die Weichwasseraufbereitung beschert der
Bierproduktion ein ökologisch verbessertes Verfahren, ist aber auch für die Lösung
gesundheitlich relevanter Folgeprobleme in der Lebensmittelindustrie insgesamt
beispielhaft", erläuterte der Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas,
Fritz Brickwedde.
In einem von der Umweltstiftung geförderten Vorprojekt war im Labor untersucht worden,
wie Weichwasser einem Kreislaufsystem zugeführt werden kann, um es erneut zum Weichen
der Gerste zu verwenden. Dabei hatte sich gezeigt, daß zusätzlich zur Entwicklung eines
solchen Verfahrens auch Qualitätsmaßstäbe für das Weichwasser erstellt werden müssen.
In dem aktuellen Projekt werden nun verschiedene Methoden zur Wasseraufbereitung
getestet und auf ihre mikrobiologische, mälz- und brautechnische Unbedenklichkeit hin
überprüft. "Mit der Weichwasseraufbereitung existiert jetzt eine Möglichkeit, mit einem
kostengünstigen und umweltentlastenden Verfahren gegen niedrige Frischwasserpreise
konkurrieren zu können und dadurch Wasser in großen Mengen einzusparen", erläuterte
Brickwedde. Er wies darauf hin, daß die Weichwasserwiederverwendung auch für kleine und
mittlere Unternehmen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten anwendbar sei.