16.09.1998 | Großen Durst des Biers auf Wasser löschen: Mälzereien auf der Ökospur

Weichwasserrecycling verringert Wasserverbrauch um 70 Prozent und verursacht 90 Prozent weniger Abwässer - Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt in Mälzerei mit rund 300.000 Mark

Osnabrück. Dem Bier soll sein großer Durst auf Wasser bald vergehen. 90 Prozent weniger Abwasser und 70 Prozent weniger Frischwasserverbrauch in der Mälzerei - dieses Ergebnis streben die Bonner WPT Vertriebsgesellschaft für Wasser- und Prozeßtechnik und die VLB Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (Berlin) in einem gemeinsamen Vorhaben an, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück mit 300.000 Mark gefördert wird. In dem auf zwei Jahre angelegten Projekt soll das im Produktionsprozeß von Mälzereien verwendete Weichwasser, das in großen Mengen zum Aufweichen der Gerste verwendet wird, wiederverwendet werden. Außerdem ist beabsichtigt, ein Qualitätsprofil für das Recyclingwasser zu erstellen. "Die Weichwasseraufbereitung beschert der Bierproduktion ein ökologisch verbessertes Verfahren, ist aber auch für die Lösung gesundheitlich relevanter Folgeprobleme in der Lebensmittelindustrie insgesamt beispielhaft", erläuterte der Generalsekretär der größten Umweltstiftung Europas, Fritz Brickwedde.

In einem von der Umweltstiftung geförderten Vorprojekt war im Labor untersucht worden, wie Weichwasser einem Kreislaufsystem zugeführt werden kann, um es erneut zum Weichen der Gerste zu verwenden. Dabei hatte sich gezeigt, daß zusätzlich zur Entwicklung eines solchen Verfahrens auch Qualitätsmaßstäbe für das Weichwasser erstellt werden müssen. In dem aktuellen Projekt werden nun verschiedene Methoden zur Wasseraufbereitung getestet und auf ihre mikrobiologische, mälz- und brautechnische Unbedenklichkeit hin überprüft. "Mit der Weichwasseraufbereitung existiert jetzt eine Möglichkeit, mit einem kostengünstigen und umweltentlastenden Verfahren gegen niedrige Frischwasserpreise konkurrieren zu können und dadurch Wasser in großen Mengen einzusparen", erläuterte Brickwedde. Er wies darauf hin, daß die Weichwasserwiederverwendung auch für kleine und mittlere Unternehmen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten anwendbar sei.