Redefin / Osnabrück. Über 165 Millionen Mark an Fördermitteln hat die Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück)in den vergangenen rund siebeneinhalb Jahren
in den Schutz und die Bewahrung umweltgeschädigter Kulturgüter in Deutschland
gesteckt. Dabei entfielen von den insgesamt 330 Projekten mit 257 knapp 80
Prozent auf die ostdeutschen Bundesländer, die mit 125 Millionen Mark
überproportional von den Fördermitteln der größten Umweltstiftung Europas
profitierten. In Mecklenburg-Vorpommern gab es bisher grünes Licht für 22 Projekte
mit einem Finanzvolumen von zehn Millionen Mark. Diese Zahlen präsentierte Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung, am Sonntag in Redefin. Anläßlich des
Tages des offenen Denkmals übergab er dem Förderkreis Landgestüt Redefin ein
Bewilligungsschreiben zur Restaurierung des Eingangstores der ehemaligen
Reittorhalle, die die Stiftung mit knapp 200.000 Mark unterstützt.
Brickwedde betonte in Redefin, Hauptaufgabe der 1990 gegründeten und seit dem 1. März
1991 arbeitenden Stiftung sei es zwar, die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei
der praktischen Lösung von Umweltproblemen zu fördern und Anreiz für ökologische
Innovationen speziell im Bereich des produktionsintegrierten Umweltschutzes zu geben.
Modellhaft würden jedoch auch national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche
Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert.
Umweltschäden stellten an Denkmälern ein großes Problem dar, dem häufig nur mit
aufwendiger Methodik und modernster Technik beizukommen sei. Naturwissenschaftliche
Erkenntnisse zur Schadenserfassung und -beseitigung müßten sowohl den Denkmalpflegern
als auch den Handwerkern, die die Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen ausführen,
zugänglich gemacht werden. Deshalb fördere die Stiftung Modellprojekte, die einen
fruchtbaren Austausch von naturwissenschaftlichen und handwerklichen Erfahrungen zum
Ziel haben.
Als Beispiele für Mecklenburg-Vorpommern nannte Brickwedde in Redefin die
Anschubfinanzierung zum Aufbau eines Denkmalpflege-Werkhofes im Landkreis Demmin. Mit
fast 2,7 Millionen Mark habe die Stiftung hier nicht nur dazu beigetragen, dem hochrangigen
Umweltschutzziel der Abfallvermeidung Rechnung zu tragen. Vielmehr seien Wege
aufgezeigt worden, einen schonenden Umgang mit historischen Baumaterialien
sicherzustellen und ihre Wiedereinsetzbarkeit zu gewährleisten. Davon profitierten viele
Besitzer von Altbauten und denkmalgeschützten Objekten. Brickwedde erinnerte aber auch
an die Beseitigung von Umweltschäden an den national wertvollen Parkanlagen in Putbus
auf Rügen, Remplin, Gützkow, Stralsund und Ulrichshusen, die die Stiftung mit knapp
180.000 Mark gefördert hatte. Auch die Fassade der mittelalterlichen Klosterkirche in
Dobbertin sei mit insgesamt 2,7 Millionen Mark aus Stiftungsmitteln von Umweltschäden
befreit, gesichert und saniert worden.
Zur Restaurierung des Triumphportals der ehemaligen Reittorhalle stellte Brickwedde heraus,
daß das Landgestüt Redefin zu den bedeutenden historischen, national wertvollen
Kulturgütern Deutschlands zähle. In der aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die
heutige Zeit fast unverändert erhaltenen klassizistischen Anlage stelle das Portal zur
ehemaligen historischen Reithalle das Prunkstück dar. Durch Umweltbelastungen - im
wesentlichen verursacht durch ein gestüteigenes Braunkohle-Heiz-kraftwerk und eine in der
Nähe gelegene Schweinemastanlage - sei die Außenhaut des Portals zur Zeit in einem
desolaten Zustand.
Bohrkernentnahmen hätten hohe Sulfat- und Nitratbelastungen gemessen. Gerade die
hohen Nitrataufkommen stellten an den neu aufzubringenden Putz Anforderungen, die nach
der Lösung dieser Probleme auch auf ähnlich belastete Denkmäler übertragen werden
könnten. Die Ergebnisse des Modellprojektes sollten dem handwerklich-restauratorischen
Mittelstand der Region durch einen Workshop vermittelt werden.