13.09.1998 | Umweltschäden an 330 Denkmälern mit über 165 Millionen Mark saniert

Deutsche Bundesstiftung Umwelt zieht zum "Tag des offenen Denkmals" Bilanz - Zehn Millionen Mark nach Mecklenburg-Vorpommern

Redefin / Osnabrück. Über 165 Millionen Mark an Fördermitteln hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück)in den vergangenen rund siebeneinhalb Jahren in den Schutz und die Bewahrung umweltgeschädigter Kulturgüter in Deutschland gesteckt. Dabei entfielen von den insgesamt 330 Projekten mit 257 knapp 80 Prozent auf die ostdeutschen Bundesländer, die mit 125 Millionen Mark überproportional von den Fördermitteln der größten Umweltstiftung Europas profitierten. In Mecklenburg-Vorpommern gab es bisher grünes Licht für 22 Projekte mit einem Finanzvolumen von zehn Millionen Mark. Diese Zahlen präsentierte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Stiftung, am Sonntag in Redefin. Anläßlich des Tages des offenen Denkmals übergab er dem Förderkreis Landgestüt Redefin ein Bewilligungsschreiben zur Restaurierung des Eingangstores der ehemaligen Reittorhalle, die die Stiftung mit knapp 200.000 Mark unterstützt.

Brickwedde betonte in Redefin, Hauptaufgabe der 1990 gegründeten und seit dem 1. März 1991 arbeitenden Stiftung sei es zwar, die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen zu fördern und Anreiz für ökologische Innovationen speziell im Bereich des produktionsintegrierten Umweltschutzes zu geben. Modellhaft würden jedoch auch national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert.

Umweltschäden stellten an Denkmälern ein großes Problem dar, dem häufig nur mit aufwendiger Methodik und modernster Technik beizukommen sei. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse zur Schadenserfassung und -beseitigung müßten sowohl den Denkmalpflegern als auch den Handwerkern, die die Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen ausführen, zugänglich gemacht werden. Deshalb fördere die Stiftung Modellprojekte, die einen fruchtbaren Austausch von naturwissenschaftlichen und handwerklichen Erfahrungen zum Ziel haben.

Als Beispiele für Mecklenburg-Vorpommern nannte Brickwedde in Redefin die Anschubfinanzierung zum Aufbau eines Denkmalpflege-Werkhofes im Landkreis Demmin. Mit fast 2,7 Millionen Mark habe die Stiftung hier nicht nur dazu beigetragen, dem hochrangigen Umweltschutzziel der Abfallvermeidung Rechnung zu tragen. Vielmehr seien Wege aufgezeigt worden, einen schonenden Umgang mit historischen Baumaterialien sicherzustellen und ihre Wiedereinsetzbarkeit zu gewährleisten. Davon profitierten viele Besitzer von Altbauten und denkmalgeschützten Objekten. Brickwedde erinnerte aber auch an die Beseitigung von Umweltschäden an den national wertvollen Parkanlagen in Putbus auf Rügen, Remplin, Gützkow, Stralsund und Ulrichshusen, die die Stiftung mit knapp 180.000 Mark gefördert hatte. Auch die Fassade der mittelalterlichen Klosterkirche in Dobbertin sei mit insgesamt 2,7 Millionen Mark aus Stiftungsmitteln von Umweltschäden befreit, gesichert und saniert worden.

Zur Restaurierung des Triumphportals der ehemaligen Reittorhalle stellte Brickwedde heraus, daß das Landgestüt Redefin zu den bedeutenden historischen, national wertvollen Kulturgütern Deutschlands zähle. In der aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit fast unverändert erhaltenen klassizistischen Anlage stelle das Portal zur ehemaligen historischen Reithalle das Prunkstück dar. Durch Umweltbelastungen - im wesentlichen verursacht durch ein gestüteigenes Braunkohle-Heiz-kraftwerk und eine in der Nähe gelegene Schweinemastanlage - sei die Außenhaut des Portals zur Zeit in einem desolaten Zustand.

Bohrkernentnahmen hätten hohe Sulfat- und Nitratbelastungen gemessen. Gerade die hohen Nitrataufkommen stellten an den neu aufzubringenden Putz Anforderungen, die nach der Lösung dieser Probleme auch auf ähnlich belastete Denkmäler übertragen werden könnten. Die Ergebnisse des Modellprojektes sollten dem handwerklich-restauratorischen Mittelstand der Region durch einen Workshop vermittelt werden.