Lenzen. Die ehemalige Trutzburg Lenzen in Brandenburg, oberhalb des Städtchens
Lenzen im Naturpark Elbtalaue gelegen, soll eine Schutzburg für den Umwelt- und
Naturschutz werden. Mit einer Förderzusage von fast 5,5 Millionen Mark sicherte
heute die Deutsche Bundestiftung Umwelt (Osnabrück) den Aufbau des
"Europäischen Zentrums für Auenökologie, Umweltbildung und
Besucherinformation" in der Burg, der unter Federführung der Landesverbände
Brandenburg und Niedersachsen des Bundes für Umwelt und Naturschutz
Deutschlands (BUND) mit zahlreichen Kooperationspartnern verwirklicht werden
soll. Hauptaufgabe des Zentrums soll es sein, ein Umweltbildungs- und
Informationsangebot für Einwohner und Gäste zu schaffen, das am Beispiel der Elbe
den Einfluß des Menschen auf die Landschaftsentwicklung im Wandel der Zeiten
beleuchtet. Gleichzeitig sollen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zur
Auenökologie in den Umweltbildungsbetrieb einbezogen werden. Baubeginn für das
15-Millionen-Mark-Projekt ist im Frühjahr 1999.
Zentrales Thema der Umweltbildungseinrichtung werde es sein, den Wandel der Elbe über
mehrere Stationen von einem unberührten Fluß bis hin zu einem vom Menschen im
Industriezeitalter stark belasteten Ökosystem zu skizzieren, betonte der Generalsekretär
der Umweltstiftung, Fritz Brickwedde, in einer Pressemitteilung. Breiten Raum sollten dabei
die positiven Effekte einnehmen, die durch die eingeleiteten Renaturierungsmaßnahmen der
Elbe für den Fluß und die Lebensqualität der an ihm lebenden Menschen erzielt worden
seien. Brickwedde: "Das Darstellen ökonomisch-ökologischer Fehlentwicklungen in der
Vergangenheit und ihrer Reparaturen durch moderne Lösungsansätze soll einen
nachhaltigen Umgang mit dem sensiblen Ökosystem Elbe für die Zukunft sichern."
Insgesamt seien drei Tätigkeitsfelder für das neue Bildungszentrum vorgesehen. Das
Programm im Bereich Umweltbildung gliedere sich in allgemeine Umweltbildungs- und
Naturerlebnisangebote. Es solle ein möglichst breit angelegtes, trotzdem nicht beliebiges
Spektrum von Zielgruppen erreicht werden wie Kinder und Jugendliche, Schulen, Familien,
Senioren und allgemeines Fachpublikum. Über Seminare, Vorträge und Arbeitskreise sollten
neben den Inhalten der Elbeökologie Themenstellungen aus dem Bereich der Umweltethik
und -technik sowie der beruflichen Umweltbildung aufgegriffen werden. Die Angebote
würden so zugeschnitten, daß sie insbesondere auch für neue Zielgruppen interessant
seien. Die Naturerlebnisprogramme sähen standardisierte und zielgruppenspezifisch
aufbereitete Besucherangebote vor, die thematisch um die Elbtalaue kreisten. Über die
reine Wissensvermittlung hinaus seien erlebnispädagogische Aktivitäten wie
Umweltuntersuchungen im Gelände oder Arbeiten im Umweltlabor vorgesehen.
Der Bereich der Besucherinformation sehe unter dem Leitthema "Mensch und Strom" eine
besonders interessante Ausstellung vor, deren inhaltlicher Leitfaden der Bedeutungswandel
der Elbe für den Menschen sei. Die Ausstellung solle dem Publikum in dem 24 Meter hohen
Burgturm mit angrenzendem Fachwerkgebäude auf 230 Quadratmetern präsentiert werden
und neuartige sowie zeitgemäße Darstellungsformen nutzen. Das wechselseitige
Beziehungsverhältnis von Mensch und Natur solle nach modernsten museumspädagogischen
Kriterien aufgeschlüsselt werden.
In diese beiden Bereiche sollten die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zur
Auenökologie einbezogen werden, die durch das Forum für Auenökologie erarbeitet würden.
Dieses Forum solle als Plattform für Forschung und wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch
internationale Fachtagungen durchführen, Unterkünfte und Arbeitsplätze für vor Ort
arbeitende Forscher zur Verfügung stellen und zum Aufbau eines Netzwerkes zur
Verbreitung der wissenschaftlichen Ergebnisse beitragen. Brickwedde: "Umweltbildung und
Besucherinformation werden von den Aktivitäten im Baustein Auenökologie direkt
profitieren, weil sie die Ergebnisse in ihre Programme und Angebote aufnehmen."
Die Burg Lenzen - dem BUND im Dezember 1993 geschenkt mit der Auflage, das Anwesen
dem Umwelt- und Naturschutz zu widmen - biete für diesen Zweck einzigartige
Voraussetzungen. Die von der Elbe geprägte Auenlandschaft sei von der Burg aus in
wenigen Minuten erreichbar. Das unmittelbare Burggelände umfaßt rund 40.000
Quadratmeter. Die Anlage besteht aus einem Gebäudeensemble aus Burgturm, Haupthaus,
Seitengebäude, Gartenhaus, Fachwerkgebäude, Winkelpavillon, Pförtnerhaus, Teehaus und
Alter Gärtnerei. Hier könnten ohne zusätzliche Neubauten ein Übernachtungsangebot für 37
Gäste, ein Verpflegungsangebot für 40 bis 60 Gäste, zwei Seminarräume für 20 bis 30
Teilnehmer, zwei Gruppenarbeitsräume für jeweils bis zu 40 Teilnehmern sowie drei
Arbeitsräume für insgesamt sieben Mitarbeiter eingerichtet werden.
Nach dem Informationszentrum Blumberger Mühle des Naturschutzbundes Deutschland
(NABU) im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, dem deutsch-polnischen Bildungszentrum
im Gutshaus Criewen im Nationalpark Unteres Odertal und dem Umweltzentrum Cottbus ist
Burg Lenzen die vierte Umweltbildungseinrichtung, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt
in Brandenburg fördert. Insgesamt wurden dafür bisher knapp 20 Millionen Mark von der
größten Umweltstiftung Europas aufgewendet. Bundesweit hat die Stiftung damit nun den
Aufbau von insgesamt 31 Umweltbildungseinrichtungen mit über 84 Millionen Mark gefördert.