11.09.1998 | Lenzen: Ehemalige Trutzburg wird zur Schutzburg für die Umwelt umgerüstet

Umweltstiftung fördert "Europäisches Zentrum für Auenökologie, Umweltbildung und Besucherinformation" mit 5,5 Millionen Mark

Lenzen. Die ehemalige Trutzburg Lenzen in Brandenburg, oberhalb des Städtchens Lenzen im Naturpark Elbtalaue gelegen, soll eine Schutzburg für den Umwelt- und Naturschutz werden. Mit einer Förderzusage von fast 5,5 Millionen Mark sicherte heute die Deutsche Bundestiftung Umwelt (Osnabrück) den Aufbau des "Europäischen Zentrums für Auenökologie, Umweltbildung und Besucherinformation" in der Burg, der unter Federführung der Landesverbände Brandenburg und Niedersachsen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND) mit zahlreichen Kooperationspartnern verwirklicht werden soll. Hauptaufgabe des Zentrums soll es sein, ein Umweltbildungs- und Informationsangebot für Einwohner und Gäste zu schaffen, das am Beispiel der Elbe den Einfluß des Menschen auf die Landschaftsentwicklung im Wandel der Zeiten beleuchtet. Gleichzeitig sollen Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung zur Auenökologie in den Umweltbildungsbetrieb einbezogen werden. Baubeginn für das 15-Millionen-Mark-Projekt ist im Frühjahr 1999.

Zentrales Thema der Umweltbildungseinrichtung werde es sein, den Wandel der Elbe über mehrere Stationen von einem unberührten Fluß bis hin zu einem vom Menschen im Industriezeitalter stark belasteten Ökosystem zu skizzieren, betonte der Generalsekretär der Umweltstiftung, Fritz Brickwedde, in einer Pressemitteilung. Breiten Raum sollten dabei die positiven Effekte einnehmen, die durch die eingeleiteten Renaturierungsmaßnahmen der Elbe für den Fluß und die Lebensqualität der an ihm lebenden Menschen erzielt worden seien. Brickwedde: "Das Darstellen ökonomisch-ökologischer Fehlentwicklungen in der Vergangenheit und ihrer Reparaturen durch moderne Lösungsansätze soll einen nachhaltigen Umgang mit dem sensiblen Ökosystem Elbe für die Zukunft sichern."

Insgesamt seien drei Tätigkeitsfelder für das neue Bildungszentrum vorgesehen. Das Programm im Bereich Umweltbildung gliedere sich in allgemeine Umweltbildungs- und Naturerlebnisangebote. Es solle ein möglichst breit angelegtes, trotzdem nicht beliebiges Spektrum von Zielgruppen erreicht werden wie Kinder und Jugendliche, Schulen, Familien, Senioren und allgemeines Fachpublikum. Über Seminare, Vorträge und Arbeitskreise sollten neben den Inhalten der Elbeökologie Themenstellungen aus dem Bereich der Umweltethik und -technik sowie der beruflichen Umweltbildung aufgegriffen werden. Die Angebote würden so zugeschnitten, daß sie insbesondere auch für neue Zielgruppen interessant seien. Die Naturerlebnisprogramme sähen standardisierte und zielgruppenspezifisch aufbereitete Besucherangebote vor, die thematisch um die Elbtalaue kreisten. Über die reine Wissensvermittlung hinaus seien erlebnispädagogische Aktivitäten wie Umweltuntersuchungen im Gelände oder Arbeiten im Umweltlabor vorgesehen.

Der Bereich der Besucherinformation sehe unter dem Leitthema "Mensch und Strom" eine besonders interessante Ausstellung vor, deren inhaltlicher Leitfaden der Bedeutungswandel der Elbe für den Menschen sei. Die Ausstellung solle dem Publikum in dem 24 Meter hohen Burgturm mit angrenzendem Fachwerkgebäude auf 230 Quadratmetern präsentiert werden und neuartige sowie zeitgemäße Darstellungsformen nutzen. Das wechselseitige Beziehungsverhältnis von Mensch und Natur solle nach modernsten museumspädagogischen Kriterien aufgeschlüsselt werden.

In diese beiden Bereiche sollten die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zur Auenökologie einbezogen werden, die durch das Forum für Auenökologie erarbeitet würden. Dieses Forum solle als Plattform für Forschung und wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch internationale Fachtagungen durchführen, Unterkünfte und Arbeitsplätze für vor Ort arbeitende Forscher zur Verfügung stellen und zum Aufbau eines Netzwerkes zur Verbreitung der wissenschaftlichen Ergebnisse beitragen. Brickwedde: "Umweltbildung und Besucherinformation werden von den Aktivitäten im Baustein Auenökologie direkt profitieren, weil sie die Ergebnisse in ihre Programme und Angebote aufnehmen." Die Burg Lenzen - dem BUND im Dezember 1993 geschenkt mit der Auflage, das Anwesen dem Umwelt- und Naturschutz zu widmen - biete für diesen Zweck einzigartige Voraussetzungen. Die von der Elbe geprägte Auenlandschaft sei von der Burg aus in wenigen Minuten erreichbar. Das unmittelbare Burggelände umfaßt rund 40.000 Quadratmeter. Die Anlage besteht aus einem Gebäudeensemble aus Burgturm, Haupthaus, Seitengebäude, Gartenhaus, Fachwerkgebäude, Winkelpavillon, Pförtnerhaus, Teehaus und Alter Gärtnerei. Hier könnten ohne zusätzliche Neubauten ein Übernachtungsangebot für 37 Gäste, ein Verpflegungsangebot für 40 bis 60 Gäste, zwei Seminarräume für 20 bis 30 Teilnehmer, zwei Gruppenarbeitsräume für jeweils bis zu 40 Teilnehmern sowie drei Arbeitsräume für insgesamt sieben Mitarbeiter eingerichtet werden.

Nach dem Informationszentrum Blumberger Mühle des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, dem deutsch-polnischen Bildungszentrum im Gutshaus Criewen im Nationalpark Unteres Odertal und dem Umweltzentrum Cottbus ist Burg Lenzen die vierte Umweltbildungseinrichtung, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Brandenburg fördert. Insgesamt wurden dafür bisher knapp 20 Millionen Mark von der größten Umweltstiftung Europas aufgewendet. Bundesweit hat die Stiftung damit nun den Aufbau von insgesamt 31 Umweltbildungseinrichtungen mit über 84 Millionen Mark gefördert.