Witten / Osnabrück. Zum Wintersemester 1999/2000 wird es an der privaten
Universität Witten/Herdecke ein neues Studienangebot geben, das künftigen
Führungskräften der Wirtschaft ein ökonomisches und gleichzeitig ökologisches
Denken und Handeln vermitteln will. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt
(Osnabrück) bewilligte jetzt fünf Millionen Mark, mit denen in den ersten fünf Jahren
die Pionierarbeit im Aufbau dieses neuen "Kompetenzzentrums für nachhaltiges
Wirtschaften" geleistet werden soll. Weitere 2,5 Millionen Mark wird die Universität
an Eigenmitteln aufbringen. Das Zentrum wird zwei eng verzahnte Schwerpunkte
haben: Zum einen sollen auf der wissenschaftlichen Seite
volkswirtschaftlich-umweltpolitische und betrieblich-managementorien-tierte
Themen erforscht werden. Zum anderen sollen diese Ergebnisse dann speziell mit
Blick auf kleine und mittlere Unternehmen in die betriebliche Praxis umgesetzt
werden.
Aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, nahmen heute
Präsident Dr. Konrad Schily sowie der Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften,
Prof. Dr. Birger P. Priddat, ein Bewilligungsschreiben der größten Umweltstiftung Europas in
Empfang. Dabei lobte Brickwedde den Ansatz des Kompetenzzentrums, sich wirtschaftlichen
und umweltrelevanten Fragen wissenschaftlich zu stellen und die daraus entstehenden
Antworten mit den konkreten Problemen von kleinen und mittleren Unternehmen zu
verzahnen.
So sieht das Konzept der Universität Witten/Herdecke vor, auf unterschiedlichen Ebenen zu
forschen. Auf der ersten Ebene geht es zum Beispiel um Fragen, wie ein Kunde beim Einkauf
umweltfreundliche Unternehmen stärken kann. Auf der zweiten Ebene geht es um die
Unternehmen selbst. Etwa darum, wie ein Unternehmen bei
der Verwertung von Rohstoffen noch mehr auf Umweltverträglichkeit achten kann. Auf der
dritten Ebene geht es dann zum Beispiel darum, ob nationale Regierungen noch
Umweltgesetze erlassen können, ohne daß es angesichts eines globalen Marktes, der an
nationalen Grenzen nicht halt macht, zu Standortnachteilen für das jeweilige Land kommt.
Neben dem neuen Lehrstuhl für integrative Umweltökonomie werde ein "Forum für
Nachhaltigkeit" angesiedelt, das als Vermittler zwischen der Forschung des Lehrstuhls und
den Problemen der Betriebe anzusiedeln sei. Hier gehe es darum, die Probleme und Konflikte
zu analysieren, die speziell kleine Betriebe in den vergangenen Jahren etwa mit der
Kohlendioxid-Abgabe, der Altauto-Verordnung, dem Dualen System der Abfallwirtschaft oder
der Elektronikschrott-Verordnung gehabt hätten. Das Wissen um diese Probleme könne eine
bessere Abstimmung der Gesetzgebung mit den betrieblichen Möglichkeiten zur Folge
haben, aber auch den Betrieben in der Praxis aufzeigen, wie sie mit möglichst geringem
Aufwand gesetzliche Vorgaben erfüllen können.