27.08.1998 | Führungskräften der Wirtschaft ökonomisches und ökologisches Denken und

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Einrichtung eines neuen Studienangebots an der Universität Witten/Herdecke mit fünf Millionen Mark

Witten / Osnabrück. Zum Wintersemester 1999/2000 wird es an der privaten Universität Witten/Herdecke ein neues Studienangebot geben, das künftigen Führungskräften der Wirtschaft ein ökonomisches und gleichzeitig ökologisches Denken und Handeln vermitteln will. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) bewilligte jetzt fünf Millionen Mark, mit denen in den ersten fünf Jahren die Pionierarbeit im Aufbau dieses neuen "Kompetenzzentrums für nachhaltiges Wirtschaften" geleistet werden soll. Weitere 2,5 Millionen Mark wird die Universität an Eigenmitteln aufbringen. Das Zentrum wird zwei eng verzahnte Schwerpunkte haben: Zum einen sollen auf der wissenschaftlichen Seite volkswirtschaftlich-umweltpolitische und betrieblich-managementorien-tierte Themen erforscht werden. Zum anderen sollen diese Ergebnisse dann speziell mit Blick auf kleine und mittlere Unternehmen in die betriebliche Praxis umgesetzt werden.

Aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, nahmen heute Präsident Dr. Konrad Schily sowie der Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Prof. Dr. Birger P. Priddat, ein Bewilligungsschreiben der größten Umweltstiftung Europas in Empfang. Dabei lobte Brickwedde den Ansatz des Kompetenzzentrums, sich wirtschaftlichen und umweltrelevanten Fragen wissenschaftlich zu stellen und die daraus entstehenden Antworten mit den konkreten Problemen von kleinen und mittleren Unternehmen zu verzahnen.

So sieht das Konzept der Universität Witten/Herdecke vor, auf unterschiedlichen Ebenen zu forschen. Auf der ersten Ebene geht es zum Beispiel um Fragen, wie ein Kunde beim Einkauf umweltfreundliche Unternehmen stärken kann. Auf der zweiten Ebene geht es um die Unternehmen selbst. Etwa darum, wie ein Unternehmen bei

der Verwertung von Rohstoffen noch mehr auf Umweltverträglichkeit achten kann. Auf der dritten Ebene geht es dann zum Beispiel darum, ob nationale Regierungen noch Umweltgesetze erlassen können, ohne daß es angesichts eines globalen Marktes, der an nationalen Grenzen nicht halt macht, zu Standortnachteilen für das jeweilige Land kommt.

Neben dem neuen Lehrstuhl für integrative Umweltökonomie werde ein "Forum für Nachhaltigkeit" angesiedelt, das als Vermittler zwischen der Forschung des Lehrstuhls und den Problemen der Betriebe anzusiedeln sei. Hier gehe es darum, die Probleme und Konflikte zu analysieren, die speziell kleine Betriebe in den vergangenen Jahren etwa mit der Kohlendioxid-Abgabe, der Altauto-Verordnung, dem Dualen System der Abfallwirtschaft oder der Elektronikschrott-Verordnung gehabt hätten. Das Wissen um diese Probleme könne eine bessere Abstimmung der Gesetzgebung mit den betrieblichen Möglichkeiten zur Folge haben, aber auch den Betrieben in der Praxis aufzeigen, wie sie mit möglichst geringem Aufwand gesetzliche Vorgaben erfüllen können.