25.08.1998 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert 3.000. Projekte

Umweltstiftung: Partner der Pioniere im Mittelstand (Langfassung)

Umweltentlastung durch Innovation: Von rund 1,3 Milliarden Mark über 800 Millionen Mark für mittelständische Unternehmen zur Verfügung gestellt

Hamburg / Osnabrück. Mit Fördermitteln von rund 1,3 Milliarden Mark hat die seit dem 1. März 1991 tätige Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) aus Osnabrück Projekte der Umweltforschung, -technik und -bildung unterstützt. Davon entfielen über 800 Millionen Mark auf ca. 2.000 kleine und mittlere Unternehmen. Auf deren Umweltentlastungspotential durch Innovation im Bereich der Umwelttechnik setzt die Umweltstiftung in besonderem Maße. Am Dienstag stellte der Generalsekretär der größten europäischen Umweltstiftung, Fritz Brickwedde, in Hamburg das 3.000. Förderprojekt vor: Ein neuartiges Rostschutzverfahren der Ormecon Chemie aus Ammersbek bei Hamburg, das Brickwedde als "Prototyp eines Stiftungsprojektes im Bereich der Förderung umweltfreundlicher Verfahren und Produkte" bezeichnete. Neben Ormecon präsentierte die Stiftung in Hamburg auch zwei weitere typische Projekte aus dem Bereich der innovativen Verfahren zur Verwertung, Emissionsminderung und Abfallbeseitigung sowie der Nutzung erneuerbarer Energien, die - so Brickwedde - ebenfalls zu den Kernbereichen der Stiftung gehörten (s. gesonderte Presseinformationen).

Brickwedde betonte vor Journalisten, die Umweltstiftung sei besonders der Förderung umweltentlastender Maßnahmen durch Innovationen in der mittelständischen Wirtschaft verpflichtet. Dadurch könne Deutschland allein seine führende Rolle im Bereich des Umweltschutzes behaupten. Gerade diesem Bereich fehle es häufig am notwendigen Kapital, um umweltentlastende Ideen zu verwirklichen. In vielen Fällen sei die Förderung durch die Umweltstiftung die einzige Chance zur Umsetzung. Brickwedde: "Gerade kleine und mittlere Unternehmen sind wahre Fundgruben an wertvollen Initiativen für den Umweltschutz. Unsere Fördermittel sollen gerade diese Firmen zum Handeln anstiften sowie technische und wirtschaftliche Umsetzungsrisiken mindern." Es gelte, die "Umweltpioniere" in der mittelständischen Wirtschaft und in der Forschung in die Lage zu versetzen, "aus brillanten Ideen meßbaren Fortschritt zu machen". Deshalb seien seit 1991 fast zwei Drittel aller Fördermittel der Umweltstiftung - über 800 Millionen Mark - in den Mittelstand geflossen, weit mehr als die Hälfte davon in Firmen mit einem Jahresumsatz von bis zu fünf Millionen Mark. Seit Anfang 1997 sei die direkte und indirekte Förderung von Umweltinnovationen der mittelständischen Wirtschaft sogar auf über drei Viertel des jährlichen Gesamtbudgets von rund 150 Millionen Mark gestiegen.

Das 3.000. von der DBU geförderte Projekt der Ormecon Chemie dokumentiert nach den Worten Brickweddes die Innovationsfähigkeit gerade kleiner und mittlerer Firmen im Bereich umweltschonender Technologien. Bereits 1994 habe die Umweltstiftung die Entwicklung eines Rostschutz-Verfahrens des Unternehmens mit 1,16 Millionen Mark unterstützt. Denn alljährlich gingen in Deutschland rund vier Prozent des Bruttosozialprodukts durch Rost verloren. Angesichts dieser Tatsache sei ein Verfahren, das die fünf- bis zehnfache Lebensdauer zum Beispiel einer Brücke bei gleichzeitiger Halbierung der Beschichtungsmenge garantiere, für Staat, Wirtschaft und vor allem für die Umwelt eine ökologisch und ökonomisch wesentliche Neuerung. Die Ergebnisse seien so exzellent gewesen, daß sich die DBU jetzt entschlossen habe, eine zweite Förderung in Höhe von 856.000 Mark zu bewilligen, um die weitere Anwendung des Verfahrens zu optimieren.

Brickwedde wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Stiftung Unternehmen häufig auch indirekt fördere, wenn es zur Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen komme. Bei diesen Projekten würden wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Unternehmen in die Praxis umgesetzt.

Für die Stiftung, die aufgrund einer Initiative von Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel und auf der Basis eines 1990 vom Deutschen Bundestag beschlossenen Gesetzes am 1. März 1991 ihre Tätigkeit aufnahm, seien umweltrelevante Vorhaben förderfähig, die sich unter dem Aspekt des Standes in Forschung und Technik klar von bereits bestehenden Verfahren abgrenzten. Außerdem müßten sie eine Weiterentwicklung darstellen, die Anwendung neuer Entwicklungen in der Praxis demonstrieren und eine Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis zeitnah erwarten lassen. Damit führten sie mittelbar oder unmittelbar zu einer Umweltentlastung. Dies könne geschehen, indem der Verbrauch endlicher Rohstoffe auf ein minimales Maß verringert und sie durch nachwachsende Rohstoffe und durch Wiederverwertung ersetzt würden. Gleichzeitig dürfe der Verbrauch nachwachsender Stoffe und Energien nicht die Rate übersteigen, die zu ihrer Wiederherstellung notwendig sei. Die Belastung der Umwelt durch Schadstoffeinträge dürfe deren Fähigkeit, sich zu "erholen", nicht übersteigen. Brickwedde: "Zentrales Anliegen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ist es, die Entwicklung neuer, umweltentlastender Technologien und Produkte im Sinne eines vorsorgenden, integrierten Umweltschutzes intensiv voranzutreiben. Das ist unser Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung."

Als besonders interessant für die kleinen und mittelständischen Unternehmen nannte Brickwedde die Förderbereiche umwelt- und gesundheitsfreundliche Verfahren und Produkte, rationelle Energieverwendung und -erzeugung sowie regenerative Energien, umwelt- und gesundheitsfreundliches Bauen, innovative Verfahren zur Verwertung, Emissionsminderung und Abfallbeseitigung, Umweltmanagement sowie anwendungsorientierte Umweltforschung.

In einem Rückblick auf die gut siebenjährige Fördertätigkeit der Umweltstiftung, dessen Kuratorium Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer vorsitzt, machte Brickwedde ferner folgende Angaben:

Das anfängliche Stiftungskapital von rund 2,5 Milliarden Mark, das aus der Privatisierung des Salzgitter-Konzerns stammt, erhöhte sich durch entsprechende Rücklagen auf drei Milliarden Mark. Das jährliche Fördervolumen liegt zur Zeit bei ca. 150 Millionen Mark. Seit ihrer Gründung hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ca. 1,3 Milliarden Mark an Fördermitteln ausgeschüttet und dadurch Investitionen im Umweltbereich von über zwei Milliarden Mark angestoßen bzw. überhaupt ermöglicht. Circa eine Million Menschen hat ihren Arbeitsplatz im Umweltbereich. Das entspricht dem Beschäftigungseffekt der Automobilindustrie. Über 800 Wissenschaftler arbeiten unentgeltlich als Gutachter für die Umweltstiftung, die ihrerseits 100 Beschäftigte zählt.

Brickwedde wies in Hamburg auch darauf hin, daß sich die Stiftung in ihrer zentralen Ausrichtung in den letzten Jahren nicht nur stark vom nachsorgenden auf den vorsorgenden und produktionsintegrierten Umweltschutz verlagert, sondern sich auch zunehmend von einer rein fördernden zu einer teiloperativen Stiftung entwickelt habe. Das heiße: Zunehmend definiere sie als für den Umweltschutz wesentlich erkannte Probleme, trage sie in die Öffentlichkeit und ermögliche Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen durch ihre Finanzierung, Lösungsansätze zu erarbeiten. Mit diesem Ansatz seien in den vergangenen Jahren in Eigenregie der Stiftung die Förderschwerpunkte Holz, ökologisches Bauen, Biotechnologie und Bioabfallverwertung eingerichtet worden.