24.08.1998 | Kirchen sollen Bundesbürger für Sonnenenergie erwärmen

Deutsche Bundesstiftung Umwelt präsentiert zum Start der "Solarkampagne 2.000" neues Projekt

Wettringen / Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) will einen wesentlichen Beitrag zu einer stärkeren Nutzung der Sonnenenergie leisten. Mit einer Fördersumme von zehn Millionen Mark sollen ab Anfang 1999 auf den Dächern mehrerer hundert kirchlicher Einrichtungen Demonstrationsanlagen zur Solarenergienutzung entstehen. Durch den hohen Vorbildcharakter der Kirchen will die Stiftung Bürgerinnen und Bürger gerade auch im privaten Bereich für die Nutzung dieser umweltfreundlichen Energiequelle erwärmen. Das betonte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Umweltstiftung, heute bei der Auftaktveranstaltung der "Solarkampagne 2.000" in Wettringen. Auch sie wird mit bis zu vier Millionen Mark von der größten Umweltstiftung Europas finanziert

Brickwedde stellte vor Journalisten heraus, daß die Umweltstiftung verstärkt Projekte im Bereich Solarenergie fördere. Als Beispiele nannte der Generalsekretär unter anderem ein Programm für Bildungseinrichtungen mit dem Schwerpunkt berufliche Qualifizierung, durch das Wissen über regenerative Umwelttechnik stärker verbreitet werden soll. Gefördert werden mit maximal 150.000 Mark pro Projekt Demonstrationsanlagen an Einrichtungen, an denen ein umwelttechnischer Schwerpunkt in Verbindung mit beruflicher Qualifizierung besteht. Insgesamt wurden bisher über 20 Projekte mit einem Volumen von über 2,2 Millionen Mark von der Stiftung unterstützt. Für Projekte an schulischen Berufsbildungszentren, Weiterbildungsstätten des Handwerks, Umweltbildungseinrichtungen u.a. stehen noch weitere vier Millionen Mark zur Verfügung.

Ebenfalls der Vermittlung innovativer Umwelttechnik im Rahmen von Unterricht und Bildungsveranstaltungen diene ein weiteres Programm, mit dem über kleine Modell-anlagen Kindern und Jugendlichen in den allgemeinbildenden Schulen ebenfalls die Leistungsfähigkeit moderner Umwelttechnik vermittelt werde. Auch hier gehe es darum, über Demonstrationstechniken den tatsächlichen Nutzen regenerativer Energie zu zeigen. Hier seien in den vergangenen Jahren acht Projekte mit fast 80.000 Mark durch die Stiftung gefördert worden. Die Maximalförderung liege bei 10.000 Mark pro Projekt.

Außerdem solle etwa Handwerkern und Architekten verstärkt neben dem energiesparenden Bauen auch die Nutzung der Sonnenenergie nahegebracht werden. Durch die Förderung innovativer Demonstrationsverfahren mit hohem Verbreitungscharakter müsse die Photovoltaik als architektonisches Element stärker als bisher zur Geltung kommen. Richtungsweisende Vorzeigevorhaben und Forschungs- und Entwicklungsprojekte sollten der solaren Nahwärmeversorgung auf die Sprünge helfen. Hier habe die Stiftung insbesondere Behälterbauer sowie kleine und mittlere kommunale Versorgungsunternehmen im Auge.

Die nun mit Hilfe der Stiftung ins Leben gerufene "Solarkampagne 2.000" werde der Nutzung der Sonnenenergie zur Wärmegewinnung "zu einer breiten Akzeptanz verhelfen", so Brickwedde. Sie werde Pioniergeist wecken bei den erstmalig komplett zusammengebundenen Akteuren einschlägiger Berufssparten. Sie werde die Vorteile der Sonnenenergie verdeutlichen, Markttransparenz schaffen, Beratungskompetenz aufbauen und Fördermöglichkeiten darstellen. Wichtig sei auch das Image der Solarenergie. Brickwedde: "Eine Solaranlage auf dem Dach muß einfach schicker sein als ein Geländewagen in der Garage."

Vor diesem Hintergrund sei es für die Stiftung dann nur konsequent gewesen, auch nach zusätzlichen Wegen zu suchen, der stärkeren Nutzung von Sonnenenergie in anderen Bereichen auf die Beine zu helfen. Gestoßen sei die Stiftung auf das Beispiel des Nachbarlandes Österreich, in dem - bezogen auf die Einwohnerzahl - sechsmal häufiger Sonnenenergie genutzt werde. Außerdem sei es dort gesellschaftlicher Konsens, daß die Nutzung erneuerbarer Energien ein Beitrag zur Erhaltung der Schöpfung sei. Zurückzuführen sei das unter anderem auch auf die starke Vorbildfunktion der Kirchengemeinden, die die Solarenergie in weitaus größerem Maße nutzten als das hier der Fall sei. Die Größe der Demonstrationsanlagen zur Solarenergienutzung müsse sich für eine Förderung durch die Stiftung an den typischen Erfordernissen privater Haushalte orientieren, um auch die Möglichkeit einer Übertragbarkeit auf sie zu signalisieren.