29.07.1998 | 630 Millionen Mark für innovativen Umweltschutz in den neuen Ländern

Deutsche Bundesstiftung Umwelt legt erstmals Förderbilanz für die neuen Länder vor - Knapp 1.200 Vorhaben gefördert -

Leipzig/Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) hat seit ihrer Gründung 1991 rund 630 Millionen Mark für knapp 1.200 innovative Vorhaben zum Schutz der Umwelt in den neuen Bundesländern bewilligt. Damit ging gut die Hälfte aller Fördermittel, die von der Stiftung seit dem Frühjahr 1991 bewilligt wurden, in die neuen Bundesländer. "Diesen Schwerpunkt haben wir gezielt gesetzt, um gerade in den ersten Jahren nach der Deutschen Einheit mit großen Förderprogrammen bei der Bewältigung der in vielen Bereichen schwierigen Umweltsituation zu helfen", betonte der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, der die Förderbilanz gemeinsam mit Professor Dr. Peter Fritz, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Umweltforschungszentrums Leipzig Halle und seit Mai 1998 auch Mitglied des Kuratoriums der Stiftung, am Mittwoch in Leipzig präsentierte. Besonders profitiert von der Stiftungsförderung haben kleine und mittlere Unternehmen mit ihren umweltentlastenden Innovationen sowie die Umweltforschungseinrichtungen in den neuen Ländern (siehe gesonderte Presseinformationen).

Brickwedde erinnerte zunächst daran, daß die Stiftung im ersten Jahr ihrer Fördertätigkeit im Rahmen eines Sofortprogramms aussschließlich Projekte in den neuen Ländern gefördert habe. Schon ein Jahr später, im Jahr 1992, legte die Stiftung ein Stipendienprogramm für hochqualifizierte junge Nachwuchswissenschaftler aus den neuen Ländern auf, das 1995 wegen des großen Erfolgs auf Gesamtdeutschland ausgeweitet wurde. Insgesamt erhielten 179 Wissenschaftler aus den neuen Ländern im Bereich der Umweltforschung ein dreijähriges Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Ergänzt wurde dieses Programm durch die Einrichtung von vier Stiftungsprofessuren, die zu den Themen "Landschaftsökonomie" an der Universität Greifswald, "Betriebliches Umweltmanagement" (Universität Halle-Wittenberg), "Grundlagen des ökologischen Bauens" (Universität Weimar) und "Umweltmikrobiologie" (Universität Bergakademie Freiberg) eingerichtet wurden. Die Stiftung finanziert diese Institute zu 100 Prozent für fünf Jahre mit einem Aufwand von ca. neun Millionen Mark. Ein weiterer Förderschwerpunkt in der Stiftungstätigkeit waren Demonstrationsvorhaben zur umweltgerechten Wasserkraftnutzung in den neuen Bundesländern. Ziel des Schwerpunktes war es, den aktuellen Stand des Wissens zur umwelt- und naturnahen Wasserkraftnutzung an geeigneten Vorhaben zu demonstrieren und so zu dessen Verbreitung beizutragen. Die Förderung der Stiftung bezog sich auf umweltrelevante Maßnahmen zur Reaktivierung, Modernisierung und zum Bau von Kleinwasserkraftanlagen. Insgesamt wurden 21 Vorhaben mit Fördermitteln in Höhe von rund 4,5 Millionen Mark bewilligt. Sieben "Beratungszentren zur Umwelt- und Ressourcenschonung" wurden mit Hilfe der Umweltstiftung (5,7 Millionen Mark) durch die Stadtwerke an den Standorten Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Brandenburg, Jena, Gotha, Schneeberg und Halberstadt errichtet. Der umfassenden Information über neue Möglichkeiten des Umweltschutzes im Handwerk dient der Aufbau eines bundesweiten Netzes von Umweltzentren des Handwerks. Die Umweltzentren haben dabei jeweils unterschiedliche Schwerpunkte, sind aber untereinander vernetzt. In den neuen Ländern förderte die Stiftung das Umweltzentrum der Handwerkskammer Gera mit drei Millionen Mark. Dieses Zentrum bildet die Kopfstelle für den Datentransfer zwischen den Handwerkskammern und wird insbesondere auch den Informationsaustausch mit den osteuropäischen Nachbarstaaten übernehmen. Daneben wurde das Umweltzentrum der Handwerkskammer Leipzig mit 2,4 Millionen Mark gefördert. Schwerpunkte sind hier die Themen: ökologisches Bauen und besonders das Thema Denkmalschutz mit dem Standort Schloß Trebsen. Zum Schutz national wertvoller Kulturgüter vor Umweltschäden konnten 257 Projekte mit einer Fördersumme von ca. 125 Millionen unterstützt werden. Finanziert wurden Restaurierungs-, Fortbildungs- und Konservierungsarbeiten, so daß der sich gerade erst entwickelnde restauratorische und handwerkliche Mittelstand nicht nur finanziell unterstützt wurde, sondern auch wesentliche Erfahrungen mit der denkmalpflegerischen Arbeit im Rahmen der verschiedenen Modellprojekte sammeln konnte. Herausragende Förderbeispiele sind die Thomaskirche in Leipzig und der Dom in Meißen. Wurden bei der Thomaskirche mit sechs Millionen Mark Arbeiten am Turm, dem Ostgiebel und an den Fialen gefördert, so wurde in Meißen die gesamte Doppelturmanlage restauriert. Dieses Projekt wurde gerade erst abgeschlossen. Ebenfalls im Rahmen des "Sofortprogramms neue Bundesländer" bewilligte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt die Beratungsprogramme des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) und des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT). Die Zielsetzung lag zunächst in der Unterstützung des Aufbaus von entsprechend konzipierten Umwelt-Informationsvermitt-lungsstellen bei den jeweils fünfzehn Kammern der neuen Länder. Die Aufgabenstellung für die Umwelt-Informationsvermittlungsstellen bestand neben einer allgemeinen Beratungs-, Bildungs- und Informationsarbeit darin, Orientierungsberatungsprogramme für die Zielgruppen kleine und mittlere Unternehmen zu koordinieren. Um die Facette der Kommunen abzudecken, wurde ein Orientierungsberatungsprogramm durch das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) bewilligt sowie Programme für Landwirtschaft und Gewerkschaften. Insgesamt konnten so in den neuen Ländern mit Hilfe dieser Programme über 10.000 Beratungen durchgeführt werden. Mit einem Gesamtvolumen von 8,5 Millionen Mark fördert die Stiftung über fünf Jahre insgesamt 600 junge Männer und Frauen in den neuen Bundesländern, die sich - ähnlich wie beim Freiwilligen Sozialen Jahr - für die Gesellschaft einsetzen. Ob Landschaftspflege und -planung, Artenschutz, Gartenbau, Gewässerökologie oder alternative Energien - sie haben sich den Schutz der Umwelt in einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) auf ihre Fahnen geschrieben. Das FÖJ soll Persönlichkeit und Umweltbewußtsein entwickeln, eine ganztägig praktische Hilfstätigkeit in geeigneten Natur- und Umweltschutzeinrichtungen anbieten. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin führt die Umweltstiftung unter dem Titel "TAT-Orte - Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" mit einem Fördervolumen von zehn Millionen Mark ein Sonderprogramm zur Förderung von Umweltinitiativen im ländlichen Raum Ostdeutschlands durch mit dem Ziel, bereits vorhandene ökologische Beispiele als Impulse für andere Gemeinden, Initiativen und Träger herauszustellen, praxiswirksam zu dokumentieren, aufzubereiten und zu veröffentlichen. 18 neue Umweltbildungseinrichtungen wurden durch die Unterstützung der Umweltstiftung mit einer Fördersumme von 54 Millionen Mark geschaffen, so z. B. die Waldschulen in Berlin, das Informationszentrum Blumberger Mühle im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das Umweltinformationszentrum Naturpark Schaalsee, das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal in Ostritz an der Neiße, das Institut für Weiterbildung und Beratung im Umweltschutz (Magdeburg) und die Besucherinformationszentren im Thüringer Wald.