Leipzig/Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) hat seit ihrer
Gründung 1991 rund 630 Millionen Mark für knapp 1.200 innovative Vorhaben zum
Schutz der Umwelt in den neuen Bundesländern bewilligt. Damit ging gut die Hälfte
aller Fördermittel, die von der Stiftung seit dem Frühjahr 1991 bewilligt wurden, in
die neuen Bundesländer. "Diesen Schwerpunkt haben wir gezielt gesetzt, um
gerade in den ersten Jahren nach der Deutschen Einheit mit großen
Förderprogrammen bei der Bewältigung der in vielen Bereichen schwierigen
Umweltsituation zu helfen", betonte der Generalsekretär der Stiftung, Fritz
Brickwedde, der die Förderbilanz gemeinsam mit Professor Dr. Peter Fritz,
wissenschaftlicher Geschäftsführer des Umweltforschungszentrums Leipzig Halle
und seit Mai 1998 auch Mitglied des Kuratoriums der Stiftung, am Mittwoch in
Leipzig präsentierte. Besonders profitiert von der Stiftungsförderung haben kleine
und mittlere Unternehmen mit ihren umweltentlastenden Innovationen sowie die
Umweltforschungseinrichtungen in den neuen Ländern (siehe gesonderte
Presseinformationen).
Brickwedde erinnerte zunächst daran, daß die Stiftung im ersten Jahr ihrer Fördertätigkeit
im Rahmen eines Sofortprogramms aussschließlich Projekte in den neuen Ländern gefördert
habe. Schon ein Jahr später, im Jahr 1992, legte die Stiftung ein Stipendienprogramm für
hochqualifizierte junge Nachwuchswissenschaftler aus den neuen Ländern auf, das 1995
wegen des großen Erfolgs auf Gesamtdeutschland ausgeweitet wurde. Insgesamt erhielten
179 Wissenschaftler aus den neuen Ländern im Bereich der Umweltforschung ein
dreijähriges Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Ergänzt wurde dieses
Programm durch die Einrichtung von vier Stiftungsprofessuren, die zu den Themen
"Landschaftsökonomie" an der Universität Greifswald, "Betriebliches Umweltmanagement"
(Universität Halle-Wittenberg), "Grundlagen des ökologischen Bauens" (Universität Weimar)
und "Umweltmikrobiologie" (Universität Bergakademie Freiberg) eingerichtet wurden. Die
Stiftung finanziert diese Institute zu 100 Prozent für fünf Jahre mit einem Aufwand von ca.
neun Millionen Mark.
Ein weiterer Förderschwerpunkt in der Stiftungstätigkeit waren Demonstrationsvorhaben zur
umweltgerechten Wasserkraftnutzung in den neuen Bundesländern. Ziel des Schwerpunktes
war es, den aktuellen Stand des Wissens zur umwelt- und naturnahen Wasserkraftnutzung
an geeigneten Vorhaben zu demonstrieren und so zu dessen Verbreitung beizutragen. Die
Förderung der Stiftung bezog sich auf umweltrelevante Maßnahmen zur Reaktivierung,
Modernisierung und zum Bau von Kleinwasserkraftanlagen. Insgesamt wurden 21 Vorhaben
mit Fördermitteln in Höhe von rund 4,5 Millionen Mark bewilligt.
Sieben "Beratungszentren zur Umwelt- und Ressourcenschonung" wurden mit Hilfe der
Umweltstiftung (5,7 Millionen Mark) durch die Stadtwerke an den Standorten
Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Brandenburg, Jena, Gotha, Schneeberg und Halberstadt
errichtet.
Der umfassenden Information über neue Möglichkeiten des Umweltschutzes im Handwerk
dient der Aufbau eines bundesweiten Netzes von Umweltzentren des Handwerks. Die
Umweltzentren haben dabei jeweils unterschiedliche Schwerpunkte, sind aber untereinander
vernetzt. In den neuen Ländern förderte die Stiftung das Umweltzentrum der
Handwerkskammer Gera mit drei Millionen Mark. Dieses Zentrum bildet die Kopfstelle für den
Datentransfer zwischen den Handwerkskammern und wird insbesondere auch den
Informationsaustausch mit den osteuropäischen Nachbarstaaten übernehmen. Daneben
wurde das Umweltzentrum der Handwerkskammer Leipzig mit 2,4 Millionen Mark gefördert.
Schwerpunkte sind hier die Themen: ökologisches Bauen und besonders das Thema
Denkmalschutz mit dem Standort Schloß Trebsen.
Zum Schutz national wertvoller Kulturgüter vor Umweltschäden konnten 257 Projekte mit
einer Fördersumme von ca. 125 Millionen unterstützt werden. Finanziert wurden
Restaurierungs-, Fortbildungs- und Konservierungsarbeiten, so daß der sich gerade erst
entwickelnde restauratorische und handwerkliche Mittelstand nicht nur finanziell unterstützt
wurde, sondern auch wesentliche Erfahrungen mit der denkmalpflegerischen Arbeit im
Rahmen der verschiedenen Modellprojekte sammeln konnte. Herausragende Förderbeispiele
sind die Thomaskirche in Leipzig und der Dom in Meißen. Wurden bei der Thomaskirche mit
sechs Millionen Mark Arbeiten am Turm, dem Ostgiebel und an den Fialen gefördert, so
wurde in Meißen die gesamte Doppelturmanlage restauriert. Dieses Projekt wurde gerade
erst abgeschlossen.
Ebenfalls im Rahmen des "Sofortprogramms neue Bundesländer" bewilligte die Deutsche
Bundesstiftung Umwelt die Beratungsprogramme des Zentralverbandes des Deutschen
Handwerks (ZDH) und des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT). Die Zielsetzung
lag zunächst in der Unterstützung des Aufbaus von entsprechend konzipierten
Umwelt-Informationsvermitt-lungsstellen bei den jeweils fünfzehn Kammern der neuen
Länder. Die Aufgabenstellung für die Umwelt-Informationsvermittlungsstellen bestand neben
einer allgemeinen Beratungs-, Bildungs- und Informationsarbeit darin,
Orientierungsberatungsprogramme für die Zielgruppen kleine und mittlere Unternehmen zu
koordinieren. Um die Facette der Kommunen abzudecken, wurde ein
Orientierungsberatungsprogramm durch das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) bewilligt
sowie Programme für Landwirtschaft und Gewerkschaften. Insgesamt konnten so in den
neuen Ländern mit Hilfe dieser Programme über 10.000 Beratungen durchgeführt werden.
Mit einem Gesamtvolumen von 8,5 Millionen Mark fördert die Stiftung über fünf Jahre
insgesamt 600 junge Männer und Frauen in den neuen Bundesländern, die sich - ähnlich wie
beim Freiwilligen Sozialen Jahr - für die Gesellschaft einsetzen. Ob Landschaftspflege und
-planung, Artenschutz, Gartenbau, Gewässerökologie oder alternative Energien - sie haben
sich den Schutz der Umwelt in einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) auf ihre Fahnen
geschrieben. Das FÖJ soll Persönlichkeit und Umweltbewußtsein entwickeln, eine ganztägig
praktische Hilfstätigkeit in geeigneten Natur- und Umweltschutzeinrichtungen anbieten.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin führt die
Umweltstiftung unter dem Titel "TAT-Orte - Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" mit
einem Fördervolumen von zehn Millionen Mark ein Sonderprogramm zur Förderung von
Umweltinitiativen im ländlichen Raum Ostdeutschlands durch mit dem Ziel, bereits
vorhandene ökologische Beispiele als Impulse für andere Gemeinden, Initiativen und Träger
herauszustellen, praxiswirksam zu dokumentieren, aufzubereiten und zu veröffentlichen.
18 neue Umweltbildungseinrichtungen wurden durch die Unterstützung der Umweltstiftung
mit einer Fördersumme von 54 Millionen Mark geschaffen, so z. B. die Waldschulen in Berlin,
das Informationszentrum Blumberger Mühle im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das
Umweltinformationszentrum Naturpark Schaalsee, das Internationale Begegnungszentrum
St. Marienthal in Ostritz an der Neiße, das Institut für Weiterbildung und Beratung im
Umweltschutz (Magdeburg) und die Besucherinformationszentren im Thüringer Wald.