Leipzig/Osnabrück. Über drei Jahre hat die Entwicklung gedauert - jetzt ist die
"Schadstoff-Supernase" der 1990 gegründeten Leipziger Bruker Saxonia Analytik
GmbH (BSA) serienreif: Mit einer bisher unerreichten Präzision spürt das
"Ionen-Mobilitäts-Spektrometer" (Mikro-IMS) Schadstoffe, Umweltgifte und auch
Drogen auf. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück, hat sich an den
Kosten von rund 3,3 Millionen Mark mit einem Zuschuß von knapp 1,7 Millionen Mark
beteiligt. "Hier bringen Leute der ersten Stunde, die nach der Wende
unternehmerischen Geist zeigten, ein hervorragendes Produkt für den
Umweltschutz auf den Markt, das alle Chancen hat, auch zum Exportschlager zu
werden", erklärte der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, am Mittwoch
in Leipzig vor Journalisten.
BSA-Geschäftsführer Dr. Dieter Koch stellte jetzt in Leipzig eines der ersten Geräte vor, an
dessen Entwicklung das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle maßgeblich beteiligt war.
Herzstück des IMS, das nur drei Kilogramm wiegt, ist eine technisch vollkommen neue
Mini-Spektrometer-Röhre, deren hochempfindliche "Ionen-Nase" Schadstoffe auch in
geringster Konzentration "erschnüffelt". Ionen sind geladene Moleküle, die insbesondere
Gase über eine "Ionisierung" zu elektrischen Leitern umwandeln und sie so "sichtbar"
machen.
Der "Supernase" von Bruker Saxonia entgehen nicht einmal Schadstoffe von einem
Milliardstel Gramm pro Kilogramm untersuchter Masse. Das neue Gerät wurde in Bitterfeld
und auf der Deponie Möckern erfolgreich getestet.
Koch sagte, das in Leipzig entwickelte Mikro-IMS sei der perfekte "Umwelt-Detektiv", denn
es sei zur Aufspürung fast aller Schadstoffe geeignet. Deshalb werde es bei der Ermittlung
von Altlasten, etwa auf Deponien, in neuen Baugebieten, aber auch bei der Überwachung
von Arbeitsplätzen, in Chemieanlagen oder bei der Suche nach verborgenen Kampf- und
Explosionsstoffen eine große Rolle spielen.
Außerdem kann die Leipziger "Supernase" Polizei und Grenzschutz erfolgreich bei der
Drogenfahndung helfen, denn sie entdeckt Rauschgifte auch in kleinsten Mengen. Im
Katastrophenschutz sieht Koch ein weiteres Einsatzgebiet der "Supernase", denn bei
Explosionen, Erdbeben oder ähnlichen Katastrophen steht die Suche nach Schadstoffen, die
z.B bei Leitungsexplosionen austreten, an oberster Stelle.
Da das Gerät batteriebetrieben ist und wenig wiegt, kann es auch in schwierigstem Gelände
mühelos eingesetzt werden - und zwar völlig ungefährlich für denjenigen, der es bedient.
BSA-Chef Koch ist der Deutschen Bundesstiftung Umwelt dankbar für die Förderung und
besonderes für deren Höhe, denn: "Ein Drittel unserer Kosten entfallen auf Forschung und
Entwicklung. Manchmal können wir eine vielversprechende Idee nicht realisieren, weil nicht
genug Geld da ist. Ohne den Zuschuß der Umweltstiftung von 50 Prozent der Projektkosten
hätten wir unser Mikro-IMS wahrscheinlich nicht marktreif bekommen."
Die Osnabrücker Umweltstiftung hat seit ihrer Gründung 1990 rund 2.900 Projekte der
Umweltforschung, -technik und -bildung mit einem Aufwand von rund 1,3 Milliarden Mark
gefördert, Hauptzielgruppe der Förderung sind kleine und mittlere Unternehmen.
Die Bruker Saxonia Analytik hat nach den Worten ihres Geschäftsführeres Dieter Koch in
den letzten fünf Jahren einen steilen Aufstieg erlebt: Der Umsatz stieg von 1990 bis 1997
von 200.000 Mark auf 25 Millionen Mark und dürfte in diesem Jahr 30 Millionen Mark
erreichen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im selben Zeitraum von neun auf einhundert.
Weitere Informationen:
Dr. Gerd Arnold und Dr. Dieter Koch, Bruker Saxonia Analytik GmbH, Permoserstr. 15, 04318
Leipzig, Tel. 0341-2431-30