29.07.1998 | Umweltgifte und Drogen haben keine Chance mehr

Umweltstiftung förderte Erfindung mit 1,7 Millionen Mark Leipziger Bruker Saxonia Analytik entwickelt "Schadstoff-Supernase"

Leipzig/Osnabrück. Über drei Jahre hat die Entwicklung gedauert - jetzt ist die "Schadstoff-Supernase" der 1990 gegründeten Leipziger Bruker Saxonia Analytik GmbH (BSA) serienreif: Mit einer bisher unerreichten Präzision spürt das "Ionen-Mobilitäts-Spektrometer" (Mikro-IMS) Schadstoffe, Umweltgifte und auch Drogen auf. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück, hat sich an den Kosten von rund 3,3 Millionen Mark mit einem Zuschuß von knapp 1,7 Millionen Mark beteiligt. "Hier bringen Leute der ersten Stunde, die nach der Wende unternehmerischen Geist zeigten, ein hervorragendes Produkt für den Umweltschutz auf den Markt, das alle Chancen hat, auch zum Exportschlager zu werden", erklärte der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, am Mittwoch in Leipzig vor Journalisten.

BSA-Geschäftsführer Dr. Dieter Koch stellte jetzt in Leipzig eines der ersten Geräte vor, an dessen Entwicklung das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle maßgeblich beteiligt war.

Herzstück des IMS, das nur drei Kilogramm wiegt, ist eine technisch vollkommen neue Mini-Spektrometer-Röhre, deren hochempfindliche "Ionen-Nase" Schadstoffe auch in geringster Konzentration "erschnüffelt". Ionen sind geladene Moleküle, die insbesondere Gase über eine "Ionisierung" zu elektrischen Leitern umwandeln und sie so "sichtbar" machen.

Der "Supernase" von Bruker Saxonia entgehen nicht einmal Schadstoffe von einem Milliardstel Gramm pro Kilogramm untersuchter Masse. Das neue Gerät wurde in Bitterfeld und auf der Deponie Möckern erfolgreich getestet.

Koch sagte, das in Leipzig entwickelte Mikro-IMS sei der perfekte "Umwelt-Detektiv", denn es sei zur Aufspürung fast aller Schadstoffe geeignet. Deshalb werde es bei der Ermittlung von Altlasten, etwa auf Deponien, in neuen Baugebieten, aber auch bei der Überwachung von Arbeitsplätzen, in Chemieanlagen oder bei der Suche nach verborgenen Kampf- und Explosionsstoffen eine große Rolle spielen.

Außerdem kann die Leipziger "Supernase" Polizei und Grenzschutz erfolgreich bei der Drogenfahndung helfen, denn sie entdeckt Rauschgifte auch in kleinsten Mengen. Im Katastrophenschutz sieht Koch ein weiteres Einsatzgebiet der "Supernase", denn bei Explosionen, Erdbeben oder ähnlichen Katastrophen steht die Suche nach Schadstoffen, die z.B bei Leitungsexplosionen austreten, an oberster Stelle.

Da das Gerät batteriebetrieben ist und wenig wiegt, kann es auch in schwierigstem Gelände mühelos eingesetzt werden - und zwar völlig ungefährlich für denjenigen, der es bedient.

BSA-Chef Koch ist der Deutschen Bundesstiftung Umwelt dankbar für die Förderung und besonderes für deren Höhe, denn: "Ein Drittel unserer Kosten entfallen auf Forschung und Entwicklung. Manchmal können wir eine vielversprechende Idee nicht realisieren, weil nicht genug Geld da ist. Ohne den Zuschuß der Umweltstiftung von 50 Prozent der Projektkosten hätten wir unser Mikro-IMS wahrscheinlich nicht marktreif bekommen."

Die Osnabrücker Umweltstiftung hat seit ihrer Gründung 1990 rund 2.900 Projekte der Umweltforschung, -technik und -bildung mit einem Aufwand von rund 1,3 Milliarden Mark gefördert, Hauptzielgruppe der Förderung sind kleine und mittlere Unternehmen.

Die Bruker Saxonia Analytik hat nach den Worten ihres Geschäftsführeres Dieter Koch in den letzten fünf Jahren einen steilen Aufstieg erlebt: Der Umsatz stieg von 1990 bis 1997 von 200.000 Mark auf 25 Millionen Mark und dürfte in diesem Jahr 30 Millionen Mark erreichen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg im selben Zeitraum von neun auf einhundert.

Weitere Informationen:

Dr. Gerd Arnold und Dr. Dieter Koch, Bruker Saxonia Analytik GmbH, Permoserstr. 15, 04318 Leipzig, Tel. 0341-2431-30