16.07.1998 | 153 Millionen Mark für innovativen Umweltschutz

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) legt Jahresbericht vor - 420 Projekte mit 153 Millionen Mark in 1997 gefördert - Großverbundprojekt zur "Atmosphärischen Diagnostik"

Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), die in den Bereichen Umwelttechnik, -forschung und -bildung innovative Projekte zum Schutz der Umwelt fördert, hat auch im Jahr 1997 wieder einen wichtigen Beitrag zur Lösung von Umweltproblemen geleistet. Insgesamt wurden 1997 153 Millionen Mark für 420 Vorhaben zum Schutz der Umwelt bewilligt, erklärte der Generalsekretär der Stiftung, Fritz Brickwedde, anläßlich der Vorlage des Jahresberichtes heute vor Journalisten in Osnabrück. Gegenüber dem Vorjahr (149 Millionen Mark für 400 Projekte) ist damit eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Insgesamt, so Brickwedde, stabilisiere sich die Fördertätigkeit der Stiftung damit auf einem sehr hohen Niveau.

1.905 Anträge waren im vergangenen Jahr bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eingegangen, die auf Initiative von Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel im Jahr 1990 durch ein Gesetz des Deutschen Bundestages nach der Privatisierung der bundeseigenen Salzgitter AG gegründet worden war. 866 Anträge wurden von mittelständischen Unternehmen eingereicht und weitere 406 von Forschungsinstituten und Universitäten, die ihre Vorhaben in der Regel im Verbund mit Unternehmen einreichen. Etwa 20 Prozent der Anträge kommt aus dem Bereich gemeinnütziger Einrichtungen sowie kirchlicher Institutionen.

Als besonderen Schwerpunkt in der Fördertätigkeit der Stiftung nannte Brickwedde im Bereich der Umweltforschung das Thema "Atmosphärische Diagnostik". Ziel des Großverbundprojektes, für das im Jahr 1997 rund neun Millionen Mark bewilligt wurden, ist es, neue benutzerfreundliche und preisgünstige Geräte zur Untersuchung atmosphärischer Spurenstoffe zu entwickeln. So setzen die heutigen Anforderungen an die Luftreinhaltung das Erkennen komplexer umweltmeteorologischer und chemischer Vorgänge voraus, um geeignete Maßnahmen zur nachhaltigen Luftgüteverbesserung treffen zu können. Dabei hat sich herausgestellt, daß konventionelle Meßstationen am Boden selbst bei einem dichten Meßnetz allein nicht in der Lage sind, die notwendigen Angaben zu liefern, da nur die bodennahen Schadstoffe erfaßt werden. Bislang müssen zusätzlich Flugzeuge oder Wetterballons für Messungen in höheren Luftschichten eingesetzt werden. Es wird daher ein neues Instrumentarium benötigt, das vom Boden aus ortsaufgelöst, also auch für höhere Luftschichten, dreidimensionale Informationen liefert. Dabei werden u. a. die Reflexionen vom Boden ausgesandter Laserstrahlen gemessen. Dadurch ist es bis zu einer Höhe von 20 km möglich, anorganische und organische Schadstoffe zu erkunden. Aber auch die Entwicklung neuer Methoden zur Spurenstoffanalytik im Labor ist Gegenstand von Fördermaßnahmen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Untersuchung von Aerosolen - also feinst verteilten Tröpfchen in der Luft -, die in der Atmosphäre u. a. am Ozonabbau in der Stratosphäre mitwirken, die Bildung von bodennahem Ozon beeinflussen und auch Einfluß auf den sauren Regen haben.

Im Rahmen des Großverbundprojektes soll damit ein diagnostisches Instrumentarium und ein modular aufgebautes, teilweise lasergestütztes, atmosphärisches Fernsondierungssystem entwickelt werden, das es erlaubt, eine Vielzahl wichtiger Parameter in verschiedenen Höhen vom Boden aus zu ermitteln. Ziel ist es, durch Kombination neuer Technologien ein preiswertes und mit hoher Nachweisempfindlichkeit ausgestattetes Meßnetz zu entwickeln, mit dem eine Vielzahl wichtiger Daten ortsaufgelöst ermittelt werden kann. Mit Ergebnissen wird im Herbst nächsten Jahres gerechnet. "Wir fördern mit dem Verbundprojekt Spitzentechnologie, die auch im Weltmaßstab konkurrenzlos ist und neue Perspektiven zur Luftreinhaltung und damit zum Klimaschutz eröffnet", erklärte Brickwedde.

Im Bereich der Umwelttechnik bildeten energiesparende Techniken einen Schwerpunkt der Fördertätigkeit. So gelang es der Firma Ströher GmbH aus Dillenburg, den Energieverbrauch bei der Herstellung von Dachziegeln deutlich zu senken. Der Preßvorgang bei der Produktion der sogenannten "Biberschwanz-Ziegel" wurde so optimiert, daß der Wassergehalt der Formlinge auf 15 Prozent gegenüber 22 Prozent bei herkömmlichen Verfahren gesenkt werden konnte. Durch eine verbesserte Rohstoffzusammensetzung war es möglich, die Dicke der Ziegel und damit den Rohstoffverbrauch um 25 Prozent zu reduzieren und gleichzeitig die Qualität zu steigern. Dies führt nicht nur zu Energieeinsparungen von 20 Prozent, sondern auch zu Kostensenkungen: die neuen Dachziegel können um etwa zwölf Prozent günstiger produziert werden als im Branchendurchschnitt. In einem weiteren Vorhaben entwickelte die Firma Georg Rimmele KG in Ehingen an der Donau einen neuen Ziegelstein mit einer besonders großen Anzahl von Waben und Stegen mit einer sehr geringen Dicke von zwei Millimetern. Dadurch wurde die Wärmeleitfähigkeit des Steins erheblich reduziert. Der neue Ziegel besteht im Vergleich zu herkömmlichen Produkten aus etwa 30 Prozent weniger Rohmasse und benötigt daher auch im Brennprozeß rund 30 Prozent weniger Energie. Aufgrund der positiven Projektergebnisse hat sich das Unternehmen entschlossen, zusammen mit Partnern eine Anlage in den neuen Ländern zur Herstellung des Wabenziegels zu errichten, in der demnächst 80 Beschäftigte den neuen Ziegelstein produzieren werden.

Im Bereich der Umweltbildung ging es der Stiftung u. a. um eine bessere Beratung der kleinen Unternehmen, um zur Umweltentlastung beizutragen. So führte das Zentrum für Umwelt und Energie der Handwerkskammer Düsseldorf ein Vorhaben zur Entwicklung eines integrierten Beratungs- und Schulungskonzeptes für das Kfz-Handwerk durch. Die neuen Informationsmaterialien zum betrieblichen Umweltschutz in Kfz-Werkstätten wurden in Modellbetrieben in Leipzig sowie in Nordrhein-Westfalen erprobt. Im Bundesgebiet gibt es etwa 57.000 Kfz-Betriebe mit rund 410.000 Beschäftigten. Mit den Projektergebnissen werden insbesondere die etwa 27.000 markenungebundenen Kfz-Werkstätten angesprochen, wobei durch die Einbeziehung des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes sowie Kammerorganisationen sichergestellt ist, daß die Informationsmaterialien die angesprochenen Betriebe erreichen. Das gesamte Umweltinformationssystem steht in Form einer Software auf CD zur Verfügung, auf der insbesondere auch eine Datenbank mit Entsorgungs- und Verwertungsbetrieben für Kfz-spezifische Abfälle enthalten ist. Daneben stehen Seminarkonzepte sowie Broschüren für alle Kfz-Betriebe im Bundesgebiet zur Verfügung.

Erstmals enthält der Jahresbericht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt umfassende Informationen über abgeschlossene Projekte und stellt damit nicht nur neue Bewilligungen, sondern auch Ergebnisse nach Abschluß der geförderten Projekte vor.