Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück), die in den Bereichen
Umwelttechnik, -forschung und -bildung innovative Projekte zum Schutz der
Umwelt fördert, hat auch im Jahr 1997 wieder einen wichtigen Beitrag zur Lösung
von Umweltproblemen geleistet. Insgesamt wurden 1997 153 Millionen Mark für 420
Vorhaben zum Schutz der Umwelt bewilligt, erklärte der Generalsekretär der
Stiftung, Fritz Brickwedde, anläßlich der Vorlage des Jahresberichtes heute vor
Journalisten in Osnabrück. Gegenüber dem Vorjahr (149 Millionen Mark für 400
Projekte) ist damit eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Insgesamt, so
Brickwedde, stabilisiere sich die Fördertätigkeit der Stiftung damit auf einem sehr
hohen Niveau.
1.905 Anträge waren im vergangenen Jahr bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
eingegangen, die auf Initiative von Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel im Jahr 1990
durch ein Gesetz des Deutschen Bundestages nach der Privatisierung der bundeseigenen
Salzgitter AG gegründet worden war. 866 Anträge wurden von mittelständischen
Unternehmen eingereicht und weitere 406 von Forschungsinstituten und Universitäten, die
ihre Vorhaben in der Regel im Verbund mit Unternehmen einreichen. Etwa 20 Prozent der
Anträge kommt aus dem Bereich gemeinnütziger Einrichtungen sowie kirchlicher
Institutionen.
Als besonderen Schwerpunkt in der Fördertätigkeit der Stiftung nannte Brickwedde im
Bereich der Umweltforschung das Thema "Atmosphärische Diagnostik". Ziel des
Großverbundprojektes, für das im Jahr 1997 rund neun Millionen Mark bewilligt wurden, ist
es, neue benutzerfreundliche und preisgünstige Geräte zur Untersuchung atmosphärischer
Spurenstoffe zu entwickeln. So setzen die heutigen Anforderungen an die Luftreinhaltung
das Erkennen komplexer umweltmeteorologischer und chemischer Vorgänge voraus, um
geeignete Maßnahmen zur nachhaltigen Luftgüteverbesserung treffen zu können. Dabei hat
sich herausgestellt, daß konventionelle Meßstationen am Boden selbst bei einem dichten
Meßnetz allein nicht in der Lage sind, die notwendigen Angaben zu liefern, da nur die
bodennahen Schadstoffe erfaßt werden. Bislang müssen zusätzlich Flugzeuge oder
Wetterballons für Messungen in höheren Luftschichten eingesetzt werden. Es wird daher
ein neues Instrumentarium benötigt, das vom Boden aus ortsaufgelöst, also auch für
höhere Luftschichten, dreidimensionale Informationen liefert. Dabei werden u. a. die
Reflexionen vom Boden ausgesandter Laserstrahlen gemessen. Dadurch ist es bis zu einer
Höhe von 20 km möglich, anorganische und organische Schadstoffe zu erkunden. Aber auch
die Entwicklung neuer Methoden zur Spurenstoffanalytik im Labor ist Gegenstand von
Fördermaßnahmen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Untersuchung von Aerosolen -
also feinst verteilten Tröpfchen in der Luft -, die in der Atmosphäre u. a. am Ozonabbau in
der Stratosphäre mitwirken, die Bildung von bodennahem Ozon beeinflussen und auch
Einfluß auf den sauren Regen haben.
Im Rahmen des Großverbundprojektes soll damit ein diagnostisches Instrumentarium und ein
modular aufgebautes, teilweise lasergestütztes, atmosphärisches Fernsondierungssystem
entwickelt werden, das es erlaubt, eine Vielzahl wichtiger Parameter in verschiedenen
Höhen vom Boden aus zu ermitteln. Ziel ist es, durch Kombination neuer Technologien ein
preiswertes und mit hoher Nachweisempfindlichkeit ausgestattetes Meßnetz zu entwickeln,
mit dem eine Vielzahl wichtiger Daten ortsaufgelöst ermittelt werden kann. Mit Ergebnissen
wird im Herbst nächsten Jahres gerechnet. "Wir fördern mit dem Verbundprojekt
Spitzentechnologie, die auch im Weltmaßstab konkurrenzlos ist und neue Perspektiven zur
Luftreinhaltung und damit zum Klimaschutz eröffnet", erklärte Brickwedde.
Im Bereich der Umwelttechnik bildeten energiesparende Techniken einen Schwerpunkt der
Fördertätigkeit. So gelang es der Firma Ströher GmbH aus Dillenburg, den Energieverbrauch
bei der Herstellung von Dachziegeln deutlich zu senken. Der Preßvorgang bei der Produktion
der sogenannten "Biberschwanz-Ziegel" wurde so optimiert, daß der Wassergehalt der
Formlinge auf 15 Prozent gegenüber 22 Prozent bei herkömmlichen Verfahren gesenkt
werden konnte. Durch eine verbesserte Rohstoffzusammensetzung war es möglich, die
Dicke der Ziegel und damit den Rohstoffverbrauch um 25 Prozent zu reduzieren und
gleichzeitig die Qualität zu steigern. Dies führt nicht nur zu Energieeinsparungen von 20
Prozent, sondern auch zu Kostensenkungen: die neuen Dachziegel können um etwa zwölf
Prozent günstiger produziert werden als im Branchendurchschnitt. In einem weiteren
Vorhaben entwickelte die Firma Georg Rimmele KG in Ehingen an der Donau einen neuen
Ziegelstein mit einer besonders großen Anzahl von Waben und Stegen mit einer sehr
geringen Dicke von zwei Millimetern. Dadurch wurde die Wärmeleitfähigkeit des Steins
erheblich reduziert. Der neue Ziegel besteht im Vergleich zu herkömmlichen Produkten aus
etwa 30 Prozent weniger Rohmasse und benötigt daher auch im Brennprozeß rund 30
Prozent weniger Energie. Aufgrund der positiven Projektergebnisse hat sich das
Unternehmen entschlossen, zusammen mit Partnern eine Anlage in den neuen Ländern zur
Herstellung des Wabenziegels zu errichten, in der demnächst 80 Beschäftigte den neuen
Ziegelstein produzieren werden.
Im Bereich der Umweltbildung ging es der Stiftung u. a. um eine bessere Beratung der
kleinen Unternehmen, um zur Umweltentlastung beizutragen. So führte das Zentrum für
Umwelt und Energie der Handwerkskammer Düsseldorf ein Vorhaben zur Entwicklung eines
integrierten Beratungs- und Schulungskonzeptes für das Kfz-Handwerk durch. Die neuen
Informationsmaterialien zum betrieblichen Umweltschutz in Kfz-Werkstätten wurden in
Modellbetrieben in Leipzig sowie in Nordrhein-Westfalen erprobt. Im Bundesgebiet gibt es
etwa 57.000 Kfz-Betriebe mit rund 410.000 Beschäftigten. Mit den Projektergebnissen
werden insbesondere die etwa 27.000 markenungebundenen Kfz-Werkstätten
angesprochen, wobei durch die Einbeziehung des Zentralverbandes des Deutschen
Kraftfahrzeuggewerbes sowie Kammerorganisationen sichergestellt ist, daß die
Informationsmaterialien die angesprochenen Betriebe erreichen. Das gesamte
Umweltinformationssystem steht in Form einer Software auf CD zur Verfügung, auf der
insbesondere auch eine Datenbank mit Entsorgungs- und Verwertungsbetrieben für
Kfz-spezifische Abfälle enthalten ist. Daneben stehen Seminarkonzepte sowie Broschüren
für alle Kfz-Betriebe im Bundesgebiet zur Verfügung.
Erstmals enthält der Jahresbericht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt umfassende
Informationen über abgeschlossene Projekte und stellt damit nicht nur neue Bewilligungen,
sondern auch Ergebnisse nach Abschluß der geförderten Projekte vor.