Bad Schandau/Osnabrück. In einem ehemaligen Kino in Bad Schandau im Landkreis
Sächsische Schweiz wird bald der Umweltschutz die Hauptrolle spielen. Für den
Aufbau des Umweltinformationszentrums "Nationalparkhaus" stellt die Deutsche
Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) der Sächsischen Landesstiftung Natur und
Umwelt über 4,7 Millionen Mark zur Verfügung. In ihm sollen Touristen und
Einheimische für Fragen und Probleme des Natur- und Umweltschutzes
sensibilisiert werden. Dabei sollen mit Blick auf das angestrebte
grenzüberschreitende Großschutzgebiet Sächsisch-Böhmische Schweiz auch
tschechische Besucher erreicht werden. Der Sächsische Staatsminister für Umwelt
und Landesentwicklung, Arnold Vaatz, nahm heute aus der Hand von Fritz
Brickwedde, Generalsekretär der Bundesumweltstiftung, die Förderbewilligung in
Empfang.
Brickwedde betonte vor Medienvertretern in Dresden, daß im Nationalpark Sächsische
Schweiz 1996 über 50.000 Besucher mit grundlegenden Informationen zum Umgang mit
Natur und Umwelt versorgt worden seien. Um den steigenden Anforderungen in der
Nationalparkregion nach Informationen zum Natur- und Umweltschutz gerecht zu werden,
habe die Nationalparkverwaltung die Einrichtung des Nationalparkhauses ins Auge gefaßt.
Dabei sei die Wahl auf Bad Schandau gefallen, das als bedeutender Kur- und Erholungsort
für die touristische Erschließung der Sächsischen Schweiz und als Ausgangspunkt in die
Böhmische Schweiz ein wichtiges Zentrum in der Region darstelle. In dem anvisierten
Standort, einem ehemaligen Kino, könne auf drei Geschoßebenen mit einer Nutzfläche von
rund 1.400 Quadratmetern ein differenziertes und umfangreiches Raumprogramm umgesetzt
werden, das mit einem Empfangs- und Informationszentrum, Ausstellungs-, Vortrags- und
Aktionsbereichen sowie einem 3.500 Quadratmeter großen Gartengelände ideale
Voraussetzungen mit sich bringe.
Inhaltlich sei es vorgesehen, so Brickwedde weiter, das Haus als Besucherzentrum für
Touristen und als Begegnungs- und Bildungsstätte für einheimische Nutzer aufzubauen. Für
das Besucherzentrum seien als Zielgruppen anvisiert Urlauber, von denen 1995 rund
380.000 allein im Landkreis Sächsische Schweiz übernachtet hätten, Tagestouristen sowie
Natursportfreunde, die sich von den insgesamt 1.099 anerkannten Kletterfelsen und über
14.000 verschiedenen Kletterwegen angezogen fühlten. Über Infosäulen, Übersichtskarten,
Computerinformationssysteme, durch eine künstlerisch anspruchsvoll gestaltete
Dauerausstellung und eine zentrale Dia-Ton-Multimedia-Schau sollten diesen Zielgruppen
Grundinformationen vermittelt und so eine positive Einstellung zum Natur- und
Umweltschutz gefördert werden.
Über die Begegnungs- und Bildungsstätte sollten die Personengruppen angesprochen
werden, die bereits eine gewisse emotionale Bindung zum Natur- und Landschaftsraum
hätten. Dazu gehörten die rund 30.000 Einwohner der Nationalparkregion, ihre politischen
Entscheidungsträger, Land- und Forstwirte, Landschaftsplaner, Touristikfachleute, Lehrer,
ehrenamtliche Mitarbeiter von Natur- und Umweltschutzverbänden, Medienvertreter sowie
Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Kultur und Kirchen. Brickwedde: "Für die Akzeptanz
und Unterstützung der Naturschutzanliegen im Nationalpark und der Nationalparkregion
kommt der Zusammenarbeit dieser Bevölkerungsgruppen eine herausragende Bedeutung zu."
Erreicht werden solle das unter anderem über Tagungen, Vorträge, Diskussionen,
Arbeitsgemeinschaften sowie Wechsel- und Wanderausstellungen, für deren Durchführung
eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern aus dem Umwelt- und
Naturschutzbereich vorgesehen sei.
Der geplanten Bildungs- und Informationsarbeit komme auch in Hinblick auf eine
grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Tschechien eine besondere Bedeutung zu, weil
an die Nationalparkregion Sächsische Schweiz unmittelbar das ebenfalls als Nationalpark
geplante Landschaftsschutzgebiet Labske piskovce ("Elbsandsteine") in der Tschechischen
Republik angrenze und hier ein grenzüberschreitendes Großschutzgebiet innerhalb der
Euroregion Elbe/Labe entwickelt werde. Deshalb sollten auch alle wesentlichen Inhalte des
Naturparkhauses in tschechischer Sprache angeboten werden.
Umweltminister Arnold Vaatz: "Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat mit der Förderung
zahlreicher und vielfältiger Projekte den Umweltschutz im Freistaat Sachsen seit 1990
entscheidend mitgeprägt. Hierfür gebührt ihr mein herzlichster Dank. Mit der Förderung des
Nationalparkhauses Sächsische Schweiz ermöglicht uns die Stiftung, einen weiteren
Meilenstein in der sächsischen Naturschutzarbeit zu setzen."