19.06.1998 | In altem Kino spielt Umweltschutz bald Hauptrolle: "Nationalparkhaus" entsteht im

Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt Modellprojekt mit 4,7 Millionen Mark - Auch tschechische Besucher sollen erreicht werden

Bad Schandau/Osnabrück. In einem ehemaligen Kino in Bad Schandau im Landkreis Sächsische Schweiz wird bald der Umweltschutz die Hauptrolle spielen. Für den Aufbau des Umweltinformationszentrums "Nationalparkhaus" stellt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt über 4,7 Millionen Mark zur Verfügung. In ihm sollen Touristen und Einheimische für Fragen und Probleme des Natur- und Umweltschutzes sensibilisiert werden. Dabei sollen mit Blick auf das angestrebte grenzüberschreitende Großschutzgebiet Sächsisch-Böhmische Schweiz auch tschechische Besucher erreicht werden. Der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landesentwicklung, Arnold Vaatz, nahm heute aus der Hand von Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Bundesumweltstiftung, die Förderbewilligung in Empfang.

Brickwedde betonte vor Medienvertretern in Dresden, daß im Nationalpark Sächsische Schweiz 1996 über 50.000 Besucher mit grundlegenden Informationen zum Umgang mit Natur und Umwelt versorgt worden seien. Um den steigenden Anforderungen in der Nationalparkregion nach Informationen zum Natur- und Umweltschutz gerecht zu werden, habe die Nationalparkverwaltung die Einrichtung des Nationalparkhauses ins Auge gefaßt. Dabei sei die Wahl auf Bad Schandau gefallen, das als bedeutender Kur- und Erholungsort für die touristische Erschließung der Sächsischen Schweiz und als Ausgangspunkt in die Böhmische Schweiz ein wichtiges Zentrum in der Region darstelle. In dem anvisierten Standort, einem ehemaligen Kino, könne auf drei Geschoßebenen mit einer Nutzfläche von rund 1.400 Quadratmetern ein differenziertes und umfangreiches Raumprogramm umgesetzt werden, das mit einem Empfangs- und Informationszentrum, Ausstellungs-, Vortrags- und Aktionsbereichen sowie einem 3.500 Quadratmeter großen Gartengelände ideale Voraussetzungen mit sich bringe.

Inhaltlich sei es vorgesehen, so Brickwedde weiter, das Haus als Besucherzentrum für Touristen und als Begegnungs- und Bildungsstätte für einheimische Nutzer aufzubauen. Für das Besucherzentrum seien als Zielgruppen anvisiert Urlauber, von denen 1995 rund 380.000 allein im Landkreis Sächsische Schweiz übernachtet hätten, Tagestouristen sowie Natursportfreunde, die sich von den insgesamt 1.099 anerkannten Kletterfelsen und über 14.000 verschiedenen Kletterwegen angezogen fühlten. Über Infosäulen, Übersichtskarten, Computerinformationssysteme, durch eine künstlerisch anspruchsvoll gestaltete Dauerausstellung und eine zentrale Dia-Ton-Multimedia-Schau sollten diesen Zielgruppen Grundinformationen vermittelt und so eine positive Einstellung zum Natur- und Umweltschutz gefördert werden.

Über die Begegnungs- und Bildungsstätte sollten die Personengruppen angesprochen werden, die bereits eine gewisse emotionale Bindung zum Natur- und Landschaftsraum hätten. Dazu gehörten die rund 30.000 Einwohner der Nationalparkregion, ihre politischen Entscheidungsträger, Land- und Forstwirte, Landschaftsplaner, Touristikfachleute, Lehrer, ehrenamtliche Mitarbeiter von Natur- und Umweltschutzverbänden, Medienvertreter sowie Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Kultur und Kirchen. Brickwedde: "Für die Akzeptanz und Unterstützung der Naturschutzanliegen im Nationalpark und der Nationalparkregion kommt der Zusammenarbeit dieser Bevölkerungsgruppen eine herausragende Bedeutung zu." Erreicht werden solle das unter anderem über Tagungen, Vorträge, Diskussionen, Arbeitsgemeinschaften sowie Wechsel- und Wanderausstellungen, für deren Durchführung eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich vorgesehen sei.

Der geplanten Bildungs- und Informationsarbeit komme auch in Hinblick auf eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Tschechien eine besondere Bedeutung zu, weil an die Nationalparkregion Sächsische Schweiz unmittelbar das ebenfalls als Nationalpark geplante Landschaftsschutzgebiet Labske piskovce ("Elbsandsteine") in der Tschechischen Republik angrenze und hier ein grenzüberschreitendes Großschutzgebiet innerhalb der Euroregion Elbe/Labe entwickelt werde. Deshalb sollten auch alle wesentlichen Inhalte des Naturparkhauses in tschechischer Sprache angeboten werden.

Umweltminister Arnold Vaatz: "Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat mit der Förderung zahlreicher und vielfältiger Projekte den Umweltschutz im Freistaat Sachsen seit 1990 entscheidend mitgeprägt. Hierfür gebührt ihr mein herzlichster Dank. Mit der Förderung des Nationalparkhauses Sächsische Schweiz ermöglicht uns die Stiftung, einen weiteren Meilenstein in der sächsischen Naturschutzarbeit zu setzen."