Steinfurt / Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) setzt ihr
Bemühen, arbeitslose Jugendliche fit zu machen für einen qualifizierten Einstieg in
einen handwerklichen Beruf, konsequent fort. Nachdem die größte Umweltstiftung
Europas bereits dem Verein Stiftung Grenzüberschreitende Berufsausbildung in
Ochtrup für seine Umwelt-Jugendwerkstatt knapp 200.000 Mark bewilligt hatte, um
damit 30 arbeitslosen Jugendlichen aus der niederländisch-deutschen Grenzregion
durch ein berufspraktisches Jahr den Wechsel in Berufe des Umweltbereichs zu
ermöglichen, wurden nun auch dem Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt 200.000
Mark bewilligt. Mit dem Geld sollen zwölf bis 15 junge Menschen in der
sachgerechten Wiederverwertung historischer Baumaterialien unterwiesen werden,
"um damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch zur
Abfallvermeidung und Ressourcenschonung zu leisten", wie Justitiar Josef
Feldmann heute betonte.
Die Integration Jugendlicher in den Arbeitsmarkt stelle zur Zeit eines der dringendsten
Probleme dar, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Nach Berechnungen des
Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (Nürnberg) werde bis Anfang des nächsten
Jahrzehnts der Anteil der Arbeitsplätze für ungelernte Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt von
jetzt 20 Prozent um etwa die Hälfte schrumpfen. Das bedeute für diesen Personenkreis
faktisch einen Arbeitsplatzabbau von rund einer Million, womit der Start ins Arbeitsleben für
Jugendliche ohne Berufsausbildung immer schwieriger werde. Vor diesem Hintergrund wolle
die Stiftung etwas für die Förderung des beruflichen (Wieder-)Einstiegs jugendlicher
Arbeitsloser mit vornehmlich praktischer beruflicher Orientierung im Umweltbereich tun und
damit die Chancen auf einen Berufseinstieg im Umweltbereich erhöhen.
In einigen Modellprojekten mit einem deutlichen Schwerpunkt in der praktischen Fortbildung
von Jugendlichen in der Umweltbranche (Abfallwirtschaft, Recyclingunternehmen, Ver- und
Entsorgung, Stadtwerke, Umweltbildungseinrichtungen, Denkmalschutz) sollten durch die
Stiftung über einzelne Projekte wichtige Erfahrungen gesammelt werden, die dann in ein
großes Förderprojekt der Stiftung münden könnten. In diesem Zusammenhang sei auch die
Förderung des nun bewilligten zweiten Projektes zu sehen.
Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren sollten hier für ein Jahr durch Tätigkeiten im
denkmalpflegerischen Arbeitsbereich unter besonderer Berücksichtigung des
Umweltschutzes auf den Einstieg in handwerkliche Berufe vorbereitet werden. Ihnen sollten
Kenntnisse und praktische Fähigkeiten in der Behandlung historischer Baumaterialien
vermittelt werden. Zum einen sollten benachteiligte Jugendliche, die keinen
Ausbildungsplatz gefunden hätten, schon in der Schule angesprochen werden, um direkt
nach der Schulentlassung mit dem Einstieg in das Projekt beginnen zu können. Zum anderen
sollten in Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Jugendamt solche Jugendliche erreicht
werden, die schon über einen längeren Zeitraum ohne Ausbildungsplatz oder ohne berufliche
Orientierung seien.
Dabei solle in dem nun bewilligten Projekt nicht der Leistungsaspekt im Vordergrund stehen,
sondern der Orientierungscharakter. Dazu gehöre als wesentliches Anliegen auch der
persönliche Kontakt der Ausbilder zu den Beteiligten während der praktischen und
theoretischen Lernzeit. Außerdem seien neben der praktischen Erprobung berufsspezifischer
Tätigkeiten das Gewinnen einer realistischen Selbsteinschätzung, das persönliche Einfügen
in eine Arbeitssituation und die konstruktive Auseinandersetzung mit Kollegen und
Arbeitgeber Ziele des Projektes.
Die theoretische Ausbildung der Jugendlichen erfolge in der Gruppe. Der praktische Teil
werde im Werkhof, der sich die Wiederverwendung historischer Baumaterialien auf die
Fahnen geschrieben hat, in kleinen Gruppen mit drei, höchstens vier Teilnehmern
durchgeführt und solle hauptsächlich in denkmalpflegerischen und umweltrelevanten
Themenbereichen wie Holz, Stein und alternativer Gartenbau erfolgen. Themen, die
überwiegend auf Berufe im Baugewerbe vorbereiteten. Aber auch Kenntnisse in der
elektronischen Datenverarbeitung sollten vermittelt werden.
Neben der Ausbildung im Werkhof seien auch Praktika bei Firmen vorgesehen, die unter
anderem bei der Instandsetzung historischer Gebäude tätig seien und allgemein ausbildeten,
so daß sich für die Praktikumsteilnehmer auch hier die Chance biete, mit Blick auf einen
späteren Ausbildungsplatz Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Parallel zur
praktischen und theoretischen Ausbildung würden die Teilnehmer auch intensiv
sozialpädagogisch betreut.