19.06.1998 | Mit alten Baustoffen jungen Arbeitslosen Brücken in die Welt der Arbeit bauen

Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt zur Integration Jugendlicher am Denkmalpflege-Werkhof Steinfurt mit 200.000 Mark

Steinfurt / Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) setzt ihr Bemühen, arbeitslose Jugendliche fit zu machen für einen qualifizierten Einstieg in einen handwerklichen Beruf, konsequent fort. Nachdem die größte Umweltstiftung Europas bereits dem Verein Stiftung Grenzüberschreitende Berufsausbildung in Ochtrup für seine Umwelt-Jugendwerkstatt knapp 200.000 Mark bewilligt hatte, um damit 30 arbeitslosen Jugendlichen aus der niederländisch-deutschen Grenzregion durch ein berufspraktisches Jahr den Wechsel in Berufe des Umweltbereichs zu ermöglichen, wurden nun auch dem Denkmalpflege-Werkhof in Steinfurt 200.000 Mark bewilligt. Mit dem Geld sollen zwölf bis 15 junge Menschen in der sachgerechten Wiederverwertung historischer Baumaterialien unterwiesen werden, "um damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch zur Abfallvermeidung und Ressourcenschonung zu leisten", wie Justitiar Josef Feldmann heute betonte.

Die Integration Jugendlicher in den Arbeitsmarkt stelle zur Zeit eines der dringendsten Probleme dar, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (Nürnberg) werde bis Anfang des nächsten Jahrzehnts der Anteil der Arbeitsplätze für ungelernte Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt von jetzt 20 Prozent um etwa die Hälfte schrumpfen. Das bedeute für diesen Personenkreis faktisch einen Arbeitsplatzabbau von rund einer Million, womit der Start ins Arbeitsleben für Jugendliche ohne Berufsausbildung immer schwieriger werde. Vor diesem Hintergrund wolle die Stiftung etwas für die Förderung des beruflichen (Wieder-)Einstiegs jugendlicher Arbeitsloser mit vornehmlich praktischer beruflicher Orientierung im Umweltbereich tun und damit die Chancen auf einen Berufseinstieg im Umweltbereich erhöhen.

In einigen Modellprojekten mit einem deutlichen Schwerpunkt in der praktischen Fortbildung von Jugendlichen in der Umweltbranche (Abfallwirtschaft, Recyclingunternehmen, Ver- und Entsorgung, Stadtwerke, Umweltbildungseinrichtungen, Denkmalschutz) sollten durch die Stiftung über einzelne Projekte wichtige Erfahrungen gesammelt werden, die dann in ein großes Förderprojekt der Stiftung münden könnten. In diesem Zusammenhang sei auch die Förderung des nun bewilligten zweiten Projektes zu sehen.

Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren sollten hier für ein Jahr durch Tätigkeiten im denkmalpflegerischen Arbeitsbereich unter besonderer Berücksichtigung des Umweltschutzes auf den Einstieg in handwerkliche Berufe vorbereitet werden. Ihnen sollten Kenntnisse und praktische Fähigkeiten in der Behandlung historischer Baumaterialien vermittelt werden. Zum einen sollten benachteiligte Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden hätten, schon in der Schule angesprochen werden, um direkt nach der Schulentlassung mit dem Einstieg in das Projekt beginnen zu können. Zum anderen sollten in Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Jugendamt solche Jugendliche erreicht werden, die schon über einen längeren Zeitraum ohne Ausbildungsplatz oder ohne berufliche Orientierung seien.

Dabei solle in dem nun bewilligten Projekt nicht der Leistungsaspekt im Vordergrund stehen, sondern der Orientierungscharakter. Dazu gehöre als wesentliches Anliegen auch der persönliche Kontakt der Ausbilder zu den Beteiligten während der praktischen und theoretischen Lernzeit. Außerdem seien neben der praktischen Erprobung berufsspezifischer Tätigkeiten das Gewinnen einer realistischen Selbsteinschätzung, das persönliche Einfügen in eine Arbeitssituation und die konstruktive Auseinandersetzung mit Kollegen und Arbeitgeber Ziele des Projektes.

Die theoretische Ausbildung der Jugendlichen erfolge in der Gruppe. Der praktische Teil werde im Werkhof, der sich die Wiederverwendung historischer Baumaterialien auf die Fahnen geschrieben hat, in kleinen Gruppen mit drei, höchstens vier Teilnehmern durchgeführt und solle hauptsächlich in denkmalpflegerischen und umweltrelevanten Themenbereichen wie Holz, Stein und alternativer Gartenbau erfolgen. Themen, die überwiegend auf Berufe im Baugewerbe vorbereiteten. Aber auch Kenntnisse in der elektronischen Datenverarbeitung sollten vermittelt werden.

Neben der Ausbildung im Werkhof seien auch Praktika bei Firmen vorgesehen, die unter anderem bei der Instandsetzung historischer Gebäude tätig seien und allgemein ausbildeten, so daß sich für die Praktikumsteilnehmer auch hier die Chance biete, mit Blick auf einen späteren Ausbildungsplatz Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Parallel zur praktischen und theoretischen Ausbildung würden die Teilnehmer auch intensiv sozialpädagogisch betreut.